Schmerztabletten liegen vor offenen Röhrchen | AFP

Opioid-Krise in den USA Millionenstrafe für Apothekenketten

Stand: 18.08.2022 08:51 Uhr

Hunderttausende sind in den USA an den Folgen einer Opioid-Überdosis gestorben. Nun wurden drei Apothekenketten zu einer Strafzahlung von 650 Millionen Dollar verurteilt. Geklagt hatten zwei Bezirke, die von der Opioid-Krise stark betroffen sind.

In den USA sind die Apothekenketten Walmart, CVS und Walgreens zu einer Strafzahlung von insgesamt 650 Millionen Dollar verurteilt worden. Der zuständige Bundesrichter in Cleveland wies die Konzerne an, das Geld an zwei von der Opioid-Krise schwer betroffene Bezirke im Bundesstaat Ohio zu zahlen. Das Geld werde den Bezirken Lake und Trumbull erlauben, "Bildungs- und Präventionsprogramme zu finanzieren und örtliche Behörden und Organisationen Kosten zu erstatten, die beim Umgang mit der Krise entstanden sind", erklärte die Anwaltskanzlei Lanier.

Ursprünglich hatten Lake und Trumbull von den Konzernen Milliarden Dollar an Entschädigungen für Kosten im Kampf gegen Opioid-Abhängigkeit und Überdosierungen gefordert. Bereits im November 2021 waren die Konzerne schuldig gesprochen worden, durch zu laxe Vergabe von süchtig machenden Arzneimitteln zur verheerenden Opioid-Krise beigetragen zu haben.

Händler wurden bislang nicht verantwortlich gemacht

Die Jury des Bundesgerichts war zu dem Schluss gekommen, dass Walmart, CVS und Walgreens den Verkauf in Ohio nicht ausreichend kontrollierten. Die Apotheken hätten rücksichtslos große Mengen an Schmerztabletten verteilt. Allein in Trumbull County waren zwischen 2012 und 2016 rund 80 Millionen verschreibungspflichtige Schmerzmittel ausgegeben wurden - das waren 400 pro Einwohner. In Lake County wurden in diesem Zeitraum etwa 61 Millionen Tabletten ausgegeben.

Lake County soll über 15 Jahre hinweg 306 Millionen Dollar erhalten, Trumbull County im gleichen Zeitraum 344 Millionen Dollar, wie aus der Entscheidung von Bundesrichter Dan Polster hervorging. Es ist das erste Mal, dass Händler und nicht Hersteller verantwortlich gemacht wurden.

Aggressive Werbung für Schmerzmittel

Der Handelsriese Walmart kündigte Berufung gegen die Strafe an. Statt die "wahren Ursachen der Opioid-Krise" anzugehen, hätten die Klägeranwälte fälschlicherweise behauptet, dass Apotheker die Entscheidungen von Ärzten in Frage stellen müssten, so Walmart. Das aber sei vom geltenden Recht nicht vorgesehen und stelle auch einen unzulässigen Eingriff in das Verhältnis zwischen Arzt und Patient dar.

In den vergangenen 20 Jahren sind in den USA mehr als eine halbe Million Menschen an den Folgen einer Opioid-Überdosis gestorben. Das umfasst sowohl verschriebene Schmerzmittel als auch illegale Drogen wie Heroin. Viele Experten führen die Opioid-Krise auf die übermäßige Verschreibung opioidhaltiger Schmerzmitteln zurück, die bis Mitte der 90er-Jahre noch der Behandlung von Schwerstkranken vorbehalten waren.

Den Herstellern sowie Großhändlern und Apotheken wird vorgeworfen, die Mittel aggressiv beworben und auf Warnzeichen der Suchtkrise nicht reagiert zu haben.  Die Opioid-Krise hat zu einer landesweiten Klagewelle gegen Unternehmen der Pharmabranche geführt. In vielen Fällen wurden Vergleiche geschlossen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. August 2022 um 07:00 Uhr.