Hafen Rotterdam | SEM VAN DER WAL/EPA-EFE/REX

Wirtschaftsaussichten in der EU Brüssel gibt sich verhalten optimistisch

Stand: 24.11.2021 17:32 Uhr

Die Pandemie nimmt wieder Fahrt auf - dennoch blickt die EU-Kommission verhalten optimistisch auf die Wirtschaftsentwicklung. Brüssel rief die Euroländer aber auf, 2022 weiter auf Konjunkturhilfen zu setzen.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Die EU-Kommission sieht zwar nach wie vor einiges an Schatten, aber auch eine ganze Menge Licht. Die Konjunktur in der Europäischen Union zieht spürbar an, die Arbeitslosigkeit geht zurück, in vielen Ländern hat der Umbau hin zu einer grünen und digitalen Wirtschaft begonnen, auch dank der milliardenschweren Unterstützung aus dem gemeinsamen Corona-Hilfspaket. "Das war eine außergewöhnliche Zeit für alle in Europa, auf jeder Ebene, aber jetzt zahlt sich unsere harte Arbeit zur Eindämmung der Pandemiefolgen aus", sagt Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis. Für dieses Jahr rechnet die Brüsseler Behörde mit einem Wirtschaftswachstum von fünf Prozent.

Stephan Ueberbach ARD-Studio Brüssel

Berufsanfänger haben es weiter schwer

Auch der Arbeitsmarkt erholt sich, ist aber noch nicht wieder auf dem Stand von vor der Krise. Besonders junge Leute und Berufsanfänger waren und sind in der Corona-Krise hart getroffen. Viele haben ihren Job verloren oder erst gar keinen Arbeitsplatz gefunden. Kommissionsvize Dombrovskis geht davon aus, dass "in der nächsten Zeit noch weitere Jobs verschwinden werden, dafür aber viele neue entstehen, vor allem in grünen und digitalen Zukunftsbereichen".

Für diese Berufe müssen die Leute aber auch entsprechend geschult werden, verlangt Sozialkommissar Nicolas Schmit und verweist darauf, dass in Sachen Weiterbildung europaweit noch viel Luft nach oben ist. "Aktive Arbeitsmarktpolitik muss im Zentrum unserer Arbeit stehen, mit Anreizen für Qualifizierungsmaßnahmen und da, wo es nötig ist, auch für Einstellungen, um die negativen Konsequenzen der Pandemie zu dämpfen und uns auf die anstehenden Veränderungen vorzubereiten."

Appell an verschuldete Mitgliedsstaaten

Auch viele Wirtschaftsbranchen werden weiter auf staatliche Hilfen angewiesen sein, was die EU-Kommission ausdrücklich unterstützt, obwohl Länder wie Italien, Litauen und Lettland wegen ihrer rasant steigenden Staatsausgaben mit Mahnbriefen aus Brüssel rechnen müssen und Spanien, Frankreich, Belgien oder Griechenland wegen zu hoher Schuldenberge unter Beobachtung stehen.

Die Regierungen sollen je nach ihrer Finanzlage den Aufschwung mit Investitionen ankurbeln und dafür die Gelder aus dem EU-Wiederaufbauprogramm nutzen, sagt Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. "Allerdings sollte die Förderung gut dosiert werden und vor allem an Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten gehen, die in der Pandemie unter Druck geraten sind."

Noch nicht aus dem Gröbsten raus

Trotz der aktuell guten Wirtschaftsaussichten ist die Kommission aber auch davon überzeugt, dass Europa noch längst nicht über den Berg ist. Viele Unwägbarkeiten und Risiken bleiben - zum Beispiel die grassierende Inflation, explodierende Mieten und Immobilienpreise oder die Nachschubprobleme bei wichtigen Lieferketten. Etwa der weltweite Chipmangel, der nicht nur der Autoindustrie zu schaffen macht.

Außerdem mutiert das Coronavirus und breitet sich weiter aus, viele Länder schränken das öffentliche Leben wieder ein, was auch die Wirtschaft belastet. Wirtschaftskommissar Gentiloni glaubt aber, "dass es trotz dieser möglichen Gefahren diesmal nicht so schlimm kommen wird wie bei den Lockdowns vor einem Jahr".

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 24. November 2021 um 19:09 Uhr.