Das Logo des Internationalen Währungsfonds (IWF) an dessen Hauptsitz in Washington. | dpa

Hilfen für ärmere Länder IWF stärkt Finanzkraft gegen Corona-Krise

Stand: 03.08.2021 10:28 Uhr

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie dürften vor allem in ärmeren Ländern noch lange zu spüren sein. Um sie abzumildern, stellt der Internationale Währungsfonds (IWF) zusätzliche 650 Milliarden Dollar bereit.

Es ist die größte Aufstockung der Mittel in der Geschichte des Internationalen Währungsfonds (IWF): Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die vor allem für die Stützung von wirtschaftlich schwächeren Staaten geschaffen wurde, erweitert ihre Reserven massiv. Der Gouverneursrat der 190 Mitgliedsländer zählenden Institution stimmte gestern in Washington der Erhöhung der sogenannten Sonderziehungsrechte (SDR) um 650 Milliarden Dollar zu.

Es mangelt an Impfstoff

Rund 275 Milliarden Dollar der neuen SDR sollen an die ärmsten Länder gehen. Wirksam wird die Erhöhung am 23. August. Der IWF reagiert damit auf die prekäre Lage in vielen ärmeren und finanzschwächeren Ländern. Diese haben, auch wegen geringerer finanzieller Möglichkeiten, länger und gravierender mit der Corona-Pandemie zu tun. Mangel an Impfstoffen und schlecht ausgebaute Gesundheitssysteme bremsen die Bewältigung der Krise.

Der IWF hatte erst vor einer Woche eine zunehmende Ungleichheit in der konjunkturellen Entwicklung zwischen wohlhabenderen und ärmeren Staaten beklagt. So erwartet die Organisation in ihrer aktuellen Konjunkturprognose, dass das Wachstum in den Industrieländern im laufenden Jahr stärker als bislang zunimmt, in den Entwicklungs- und Schwellenländern aber geringer ausfällt als zuvor prognostiziert.

Zusätzliche Hilfen ohne Verschuldung

Mit den Sonderziehungsrechten, die eine Art Reservewährung des Währungsfonds sind, soll laut IWF-Direktorin Kristalina Georgiewa nun eine "Spritze in den Arm der globalen Wirtschaft in einer Zeit einer beispiellosen Krise" verabreicht werden. Im Gegensatz zu den Krediten, die der IWF üblicherweise an finanzschwache Staaten vergibt, müssen Sonderziehungsrechte nicht zurückgezahlt werden, sondern können von den Staaten, denen sie zugewiesen werden, frei genutzt werden. Sie sind eine finanzielle Rücklage, die jederzeit in andere Währungen eingetauscht werden kann.

Der Wechselkurs der Sonderziehungsrechte wird durch einen Korb wichtiger anderer Währungen wie dem Dollar, dem Euro oder dem japanischen Yen festgelegt. Der IWF will mit der Finanzspritze vor allem Entwicklungs- und Schwellenländern zur Überwindung der Corona-Krise zusätzliche Liquidität zur Verfügung stellen - ohne deren Verschuldung zu erhöhen. Der IWF hatte die SDR erstmals nach der Finanzkrise 2008/2009 in großem Stil zum Einsatz gebracht.

Bei einer neuen Schaffung von Sonderziehungsrechten werden diese laut IWF-Regularien entsprechend der bestehenden Quoten der Mitgliedsländer an diese verteilt. Der IWF prüft aber auch Wege, wie reichere Länder SDR an ärmere Länder freiwillig abgeben können. Das teilte die Organisation mit. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich bei einem Corona-Hilfsgipfel für Afrika im Mai in Paris dafür starkgemacht, dass die reichsten Länder ihre Sonderziehungsrechte an die ärmsten Länder, insbesondere in Afrika, umverteilen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2021 um 10:00 Uhr.