Eine Hand hält Bolivar-Geldnoten | EPA

Hyperinflation Venezuela streicht wieder Nullen

Stand: 05.08.2021 18:54 Uhr

Wegen des anhaltend massiven Preisverfalls teilt Venezuela alle Preise durch eine Million. Angesichts der schweren Wirtschaftskrise will die sozialistische Regierung wieder auf die Opposition zugehen.

Die hohe Inflation in Venezuela veranlasst die dortige Zentralbank zu einem drastischen Schritt. Ab 1. Oktober werden bei allen Preisen sechs Nullen gestrichen, wie die Währungshüter ankündigten.

Die neue digitale Währung, der "Digitale Bolívar", werde "nicht mehr oder weniger wert sein", erklärte die Zentralbank mit Blick auf die Landeswährung. "Um seine Verwendung zu erleichtern, wird er auf eine einfachere Währungsskala gebracht." Derzeit kostet ein Euro 4,78 Millionen Bolívar. Nach der Umstellung würden dann rund 4,7 "Bolívar Digital" für den Euro fällig.

Das ölreiche südamerikanische Land steckt seit Jahren in einer schweren Krise. Es ist bereits das zweite Mal innerhalb von drei Jahren, dass die Zentralbank eine solche Maßnahme ergreift. Präsident Nicolas Maduro hatte 2018 fünf Nullen streichen lassen, um Transaktionen zu vereinfachen und die Buchhaltung zu erleichtern. Im Mai hatte die Inflationsrate bei 2719 Prozent gelegen.

Die jetzigen Maßnahmen sind deutlich weniger relevant als die Währungsreform von 2019. Damals hatte Maduro die Dollarisierung der Wirtschaft zugelassen, weshalb viele Geschäfte in der US-Währung abgewickelt werden. Die Preise für Produkte werden seither weitgehend in Dollar angegeben, auch wenn sie letztlich in Bolivar bezahlt werden.

Neuer Dialog mit der Opposition geplant

Die Regierung kündigte zudem an, im seit Jahren andauernden Konflikt mit der Opposition einen neuen Dialogversuch starten zu wollen. Die Gespräche sollen in Mexiko stattfinden, wie der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador sagte.

Einen genauen Zeitpunkt für den von Norwegen moderierten Dialog nannte López Obrador nicht. Laut Medienberichten sind die Gespräche für Mitte des Monats geplant. Die Opposition fordert freie Wahlen und die Freilassung der politischen Gefangenen.

Die sozialistische Regierung strebt eine Lockerung der internationalen Sanktionen an. Eine ganze Reihe von Gesprächsrunden zwischen der Regierung und der Opposition sind bereits gescheitert.

Über dieses Thema berichtete WDR5 am 20. August 2018 um 06:21 Uhr.