Schilder weisen den Weg zum römischen Flughafen Fiumicino | REUTERS

Roms Flughafen Fiumicino Vom Problem-Airport zum Vorzeigebetrieb

Stand: 05.08.2021 13:22 Uhr

Lange genoss der römische Flughafen Fiumicino alles andere als einen guten Ruf. Inzwischen bekommt er Bestnoten für Service und Qualität. Wie hat der Betreiber das geschafft?

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

In der Abflughalle stehen Florian Spitter aus München und Cosima Willner aus Frankfurt. Beide haben gerade im Flughafen Rom-Fiumicino eingecheckt für ihren Rückflug nach Deutschland. "Im Gegensatz zu Frankfurt finde ich es eher ruhig, aber es ist ganz schön", meint Willner, und auch Spitter ist zufrieden: "Es schaut alles sauber und ordentlich aus - ein positiver Eindruck." Daumen nach oben für Italiens größten Flughafen - auch bei den internationalen Passagieren gleich hinter den Sicherheitskontrollen. Der Franzose Dominique Marie aus Rennes verstaut zufrieden seine Sachen: "Es ist hier alles gut organisiert. Wir hatten keine Probleme", sagt er, und der niederländische Student Thijs aus Leiden findet: "Dieser Flughafen scheint mir effizienter zu sein als der Rest Italiens."

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Ein Flughafen, den man früher besser mied

Rom-Fiumicino als Beispiel für italienische Exzellenz: lange Zeit undenkbar. Vor gut zehn Jahren rangierte der "Aeroporto Leonardo Da Vinci", wie er offiziell heißt, in den einschlägigen Ranglisten stets unter den schlechtesten Flughäfen Europas. Auch Marco Troncone, Geschäftsführer der Aeroporti di Roma (ADR), der Flughafengesellschaft Roms, rollt mit den Augen, wenn man ihn anspricht auf die Situation Fiumicinos Anfang der 2000er-Jahre: "Das war desaströs. Es war ein Flughafen, den man besser gemieden hat. Wenn du dort umgestiegen bist, hattest du gute Gründe zu befürchten, dass dein Gepäck nicht rechtzeitig nachkommt." Daher sei es besser gewesen, über andere Wege zu fliegen.

Heute dagegen bekommt Rom-Fiumicino Auszeichnungen. Aktuell steht Italiens wichtigster Airport weltweit auf Platz Eins in Sachen Service und Kundenfreundlichkeit, so das Ergebnis einer Umfrage des internationalen Dachverbands der Flughafenbetreiber Airports Council International (ACI). Qualitätsarbeit am Flughafen, sagt Troncone, beginne unter anderem auf der Toilette: "Wir haben alle Toiletten erneuert. Wenn du eine alte Struktur hast, neigt der Passagier dazu, sie schlecht zu behandeln." Wenn er dagegen "Frisches, Modernes vorfindet, bemüht er sich, es sauber zu halten". Die insgesamt 48 Sanitäreinrichtungen im Flughafen komplett zu erneuern, habe sich gelohnt, findet Troncone.

Mit "Insourcing" zum Erfolg

Mit dem Einstieg des Benetton-Unternehmens Atlantia 2013 sind die Gebühren für die Airlines in Fiumicino deutlich angehoben worden. Dafür hatte es Kritik von Luftfahrtexperten gegeben. In den vergangenen sechs Jahren aber hat die Flughafengesellschaft, an der Atlantia 96 Prozent der Aktien hält, rund zwei Milliarden Euro in den Umbau von Fiumicino gesteckt. Das Terminal E hat ein völlig neues Gesicht bekommen, mit großzügigen Wartebereichen und einer Edel-Einkaufszone. Der Flughafen ist moderner und effizienter geworden - auch an den Sicherheitskontrollen. "Ein bisschen wie beim Boxenstopp von Ferrari ist genau geplant, wer was macht", erzählt Troncone. Ein fast wissenschaftliches Konzept sei die Basis, bei dem auf die Sekunde geschaut werde. Mit dem Ergebnis, sagt der Flughafenchef, "dass in 90 Prozent der Fälle, die Wartezeit vor den Sicherheitskontrollen bei zwei- bis zweieinhalb Minuten liegt".

Investiert worden ist in neue Geräte an der Sicherheitskontrolle und in ein System, das es bis zu vier Passagieren gleichzeitig erlaubt, ihre Sachen aufs Kontrollband zu legen. Vor allem aber gehen sie Rom beim Personal gegen den Trend. Und setzen nicht auf Outsourcing, sondern auf Insourcing - mit Reinigungs- und Sicherheitspersonal, das wieder bei flughafeneigenen Firmen beschäftigt ist. Das sei ein Teil des Erfolgsgeheimnisses, sagt Troncone: "So haben wir die Möglichkeit, in Schulungen unsere Unternehmenskultur zu vermitteln. Die Beschäftigten können sich als Teil eines Exzellenzproduktes fühlen, was mit Drittfirmen schwierig ist." Rund 450 eigene Reinigungskräfte hat Fiumicino jetzt, etwa 900 interne Beschäftigte im Kontroll- und Sicherheitsbereich. In der Covid-Krise blieben alle an Bord, italienweit waren Entlassungen in der Pandemiezeit verboten.

In diesen Tagen geht der Betrieb in Fiumicino langsam wieder in den Steigflug. Bei ADR sind sie stolz darauf, dass der römische Flughafen auch in der Corona-Pandemie eine Fünf-Sterne-Auszeichnung bekommen hat, von der renommierten Ratingfirma Skytrax für besonders gute Hygienemaßnahmen. Ende 2020 stand für die römische Flughafengesellschaft trotzdem ein Verlust von 143 Millionen Euro in der Bilanz. Das Ziel lautet, bald wieder die Zahlen aus dem letzten Vorkrisenjahr zu erreichen. 2019 kamen 50 Millionen Menschen, so viele Passagierinnen und Passagiere wie noch nie, und die römische Flughafengesellschaft machte einen Gewinn von 245 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. August 2021 um 11:41 Uhr.