Containerschiffe warten vor der Küste auf die Einfahrt zum Entladen in einem Hafen | AFP

Container-Schifffahrt Stau auf dem Meer immer größeres Problem

Stand: 07.06.2022 16:29 Uhr

Die Weltwirtschaft leidet wieder stärker unter Verzögerungen der Containerschifffahrt. Auch die Nordsee ist stark betroffen. Allein dort stecken zwei Prozent der globalen Frachtkapazität im Stau der Schiffe vor den Häfen fest.

Laut dem vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erhobenen "Kiel Trade Indicator" stecken in der Nordsee vor den Häfen Deutschlands, Hollands und Belgiens derzeit knapp zwei Prozent der globalen Frachtkapazität fest. Die betroffenen Schiffe könnten weder be- noch entladen werden. "In der deutschen Bucht warten etwa ein Dutzend große Containerschiffe mit einer Kapazität von insgesamt etwa 150.000 Standardcontainern auf das Anlaufen in Hamburg oder Bremerhaven. Vor den Häfen Rotterdam und Antwerpen ist die Lage noch dramatischer", teilte das IfW mit.

Shanghai leidet noch unter Corona-Nachwirkungen

Vor Shanghai und der angrenzenden Provinz Zheijang seien gegenwärtig sogar über drei Prozent der globalen Frachtkapazität im Stau gebunden, haben die Experten ermittelt. Die Region hatte bis vor kurzem massiv die Folgen eines wochenlangen Lockdown zu spüren bekommen. Bisher sind nach Angaben des IfW wegen des Lockdowns in Shanghai Exporte im Wert von bis zu 700 Millionen Euro von China nach Deutschland entfallen.

In den USA hat sich die Situation hingegen gebessert. Der Stau bei den Containerschiffen vor Los Angeles bzw. vor dem südlichen Kalifornien habe sich wieder gänzlich zurückgebildet.

Viele Lieferungen stecken im Stau

Dennoch steckten derzeit mehr als elf Prozent aller weltweit verschifften Waren im Stau. Auf der wichtigsten Seehandelsroute zwischen Asien und Europa durch das Rote Meer sei die Lücke zwischen zu erwartenden und tatsächlich verschifften Frachtmengen auf rund 16 Prozent angewachsen.

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Im- und Exporte von 75 Ländern und Regionen weltweit sowie des Welthandels insgesamt, indem die Daten von Schiffsbewegungen in Echtzeit ausgewertet werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2022 um 11:00 Uhr.