Ein Mann arbeitet in der Fabrik von Hyundai Mobis in Yancheng (China). | EPA

Weniger Wachstum erwartet Trübere Aussichten für Chinas Wirtschaft

Stand: 07.12.2021 09:45 Uhr

Die Folgen der Corona-Pandemie, Rohstoffknappheit, aber auch Unsicherheiten im Immobiliensektor bremsen die Konjunktur in China. Die Staatsführung will offenbar ein niedrigeres Wachstumsziel ausgeben.

Die Jahre stürmischen Wirtschaftswachstums in China könnten vorbei sein. Das asiatische Land, neben den USA der Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft, dürfte im Jahr 2022 deutlich langsamer wachsen als in den vergangenen Jahren. Ein neues Wachstumsziel für den wirtschaftlichen Giganten wird offenbar bereits vorbereitet. Während der jährlichen Beratungen des Politbüros der Kommunistischen Partei über die Wirtschaftspolitik für das kommende Jahr hat eine führende staatliche Denkfabrik vorgeschlagen, ein niedrigeres Wachstumsziel von "mehr als fünf Prozent" zu setzen.

"Es würde allen beteiligten Parteien erlauben, sich darauf zu konzentrieren, Reformen und Innovation zu fördern, um hochqualitatives Wachstum zu erreichen", zitierten Staatsmedien Li Xuesong, einen Wirtschaftsforscher der Akademie der Sozialwissenschaften (CASS). Die Experten empfehlen für den Wirtschaftsplan 2022 auch ein Inflationsziel von erneut rund drei Prozent, ein Haushaltsdefizit von rund drei Prozent und die Schaffung von elf Millionen Jobs in Städten.

Nur "wirtschaftliche Fluktuationen"?

In diesem Jahr liegt das Wachstumsziel Chinas noch bei "mehr als sechs Prozent". Bei einem Treffen mit Chefs großen Wirtschaftsorganisationen gab sich Regierungschef Li Keqiang gestern noch zuversichtlich, dass dieses Ziel erreicht werden kann. "Die chinesische Wirtschaft ist widerstandsfähig und hat Potenzial", sagte Li bei dem Treffen am Montagabend. "China ist in der Lage, mit kurzfristigen wirtschaftlichen Fluktuationen umzugehen."

Über die schwächeren langfristigen Wachstumsaussichten in der Volksrepublik kann dies aber nicht hinwegtäuschen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sich besorgt über das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum Chinas gezeigt. "China hat eine wirklich bemerkenswerte Erholung erreicht, aber seine Wachstumsdynamik hat sich merklich verlangsamt", sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva nach einem virtuellen Treffen mit Ministerpräsident Li.

IWF hat Prognosen gesenkt

Da China so wichtig für das globale Wachstum sei, würden "energische Maßnahmen zur Unterstützung eines qualitativ hochwertigen Wachstums nicht nur China, sondern der ganzen Welt helfen", so die Chefin der Währungsfonds. Im Oktober hatte der IWF seine Prognosen für das chinesische Wachstum gesenkt und ein Plus von acht Prozent in diesem Jahr und 5,6 Prozent im kommenden Jahr vorausgesagt.

Deutschlands Exporte nach China steigen kaum

Die aktuellen Außenhandelsdaten Chinas zeigen noch ein eher positives Bild der Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Besonders die Importe übertrafen im November die Erwartungen deutlich. Sie legten um 31,7 Prozent zu - nach plus 20,6 Prozent im Vormonat, wie der Zoll am Dienstag in Peking berichtete. Die Ausfuhren wuchsen allerdings nur noch um 22 Prozent, nachdem der Anstieg im Oktober noch bei 27,1 Prozent gelegen hatte.

Für die deutschen Exporteure blieb von den steigenden Importen nach China allerdings wenig. Sie stiegen nur um 3,3 Prozent. Hingegen legten die chinesischen Exporte nach Deutschland kräftig um 28,9 Prozent zu. Ähnlich ist es mit der Europäischen Union: Während die chinesischen Ausfuhren in die EU um 33,5 Prozent kletterten, blieben die Importe aus der EU mit einem kleinen Plus von 4,2 Prozent schwach.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Dezember 2021 um 07:35 Uhr in der Börse.