Eine Mitarbeiterin bei der Arbeit an Photovoltaik-Produkten in der Werkstatt eines Unternehmens für erneuerbare Energien in Tonglu, in der ostchinesischen Provinz Zhejiang.  | AFP

Stromausfälle und Lieferprobleme Chinas Wirtschaft wächst langsamer

Stand: 18.10.2021 09:47 Uhr

Der chinesische Aufschwung hat im dritten Quartal deutlich an Tempo verloren. Vor allem die Energieknappheit und Versorgungsengpässe machen den Firmen zu schaffen. Doch das sind nicht die einzigen Sorgen.

Steigende Rohstoffpreise, Versorgungsengpässe und Stromausfälle bremsen Chinas Wirtschaft im dritten Quartal aus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg nach Angaben des staatlichen Statistikbüros im Zeitraum Juli bis September um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal und damit so langsam wie seit einem Jahr nicht mehr. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatte einen Anstieg um 5,2 Prozent erwartet.

Im ersten Quartal hatte das Wachstum einen Rekordwert von 18,3 Prozent erreicht, im zweiten Quartal lag das Plus immerhin noch bei 7,9 Prozent. Im Zeitraum von Januar bis September lag das Wachstum damit zusammengerechnet bei 9,8 Prozent.

Auch die Industrieproduktion der Volksrepublik blieb hinter den Erwartungen der Experten zurück: Sie stieg im September um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Experten hatten ein Plus von 4,5 Prozent prognostiziert.

"Chaotische Zustände"

Insgesamt nimmt das chinesische Wachstumstempo also deutlich ab. Die Wirtschaft des Landes hatte nach dem pandemiebedingten Einbruch zunächst eine kräftige Erholung hingelegt. Nun belasten neben Strom- und Versorgungsengpässen sowie wieder aufflammenden Virus-Ausbrüchen auch das harte Durchgreifen der Regulierungsbehörden bei Technologie- und Immobilien-Unternehmen die Konjunkturerholung.

Auch in China tätige europäische Unternehmen leiden zunehmend unter den Rationierungen und den deswegen angeordneten Stilllegungen von Betrieben. Die Probleme dürften sich mit der bevorstehenden winterlichen Heizperiode verschärfen und "mindestens bis März" andauern, warnte der Vorsitzende der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke.

"Wir stecken in einem Marathon, nicht in einem Sprint", so der Fachmann. EU-Unternehmen beklagten "chaotische Zustände". Oft werde ihnen nur kurzfristig - etwa am Abend zuvor oder eine Stunde vor Schichtbeginn - mitgeteilt, dass der Strom abgestellt wird.

"Als Reaktion auf die schlechten Wachstumszahlen, die wir für die kommenden Monate erwarten, werden die politischen Entscheidungsträger unserer Meinung nach weitere Maßnahmen zur Stützung des Wachstums ergreifen. Dazu gehören die Sicherstellung einer ausreichenden Liquidität auf dem Interbankenmarkt, die Beschleunigung des Ausbaus der Infrastruktur und die Lockerung einiger Aspekte der allgemeinen Kredit- und Immobilienpolitik", sagte Louis Kuijs, Leiter des Bereichs Asienwirtschaft bei Oxford Economics.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.