Jemand nimmt eine Euromünze aus einem Portemonnaie.

Inflationsrate in Deutschland rutscht ins Minus Preise sinken erstmals seit 2009

Stand: 29.01.2015 14:55 Uhr

Dank fallender Ölpreise wird das Leben in Deutschland billiger - erstmals seit der Wirtschaftskrise 2009. Waren und Dienstleistungen kosteten im Januar durchschnittlich 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Von einer Deflation wollen Ökonomen aber noch nicht sprechen.

Erstmals seit der Wirtschaftskrise 2009 sind die Verbraucherpreise in Deutschland wegen rapide fallender Energiekosten gesunken. Die jährliche Inflationsrate betrug im Januar minus 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung berichtete.

Zuletzt war die jährliche Teuerungsrate im September 2009 mit minus 0,2 Prozent negativ. Gegenüber dem Vormonat Dezember sanken die Verbraucherpreise nach Angaben der Statistiker voraussichtlich um 1,0 Prozent.

Der Preisrückgang im Januar ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass Verbraucher für Haushaltsenergie und Kraftstoffe neun Prozent weniger bezahlen mussten als vor einem Jahr. Grund hierfür: Der Ölpreis, der seit dem Sommer um mehr als die Hälfte gefallen ist.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel stellt Jahreswirtschaftsbericht vor
tagesschau 17:00 Uhr, 29.01.2015, Marion von Haaren, ARD Berlin

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Was ist Deflation?

Ganz einfach gesagt, ist Deflation das Gegenteil von Inflation. Die Verbraucherpreise steigen also nicht, wie sie es normalerweise tun - sondern sie fallen. Im Januar 2015 ist das in Deutschland zum ersten Mal seit gut fünf Jahren passiert. Der durchschnittliche Warenkorb war um 0,3 Prozent billiger als im Januar 2014.

Unter Ökonomen ist gleichwohl umstritten, ob man bei einem einmaligen Preisrückgang tatsächlich schon von einer Deflation sprechen sollte. Laut gängiger Definition muss der Rückgang nämlich längerfristig und "allgemein" sein. Beides ist in Deutschland noch nicht der Fall. Denn im Dezember war die Teuerung noch leicht positiv, erst im Januar rutschte sie ins Minus. Und: Der Preisrückgang ist mitnichten "allgemein", sondern in erster Linie auf die ungewöhnlich niedrigen Energiepreise zurückzuführen. Dagegen steigen zum Beispiel die Mieten immer noch.

Die Europäische Zentralbank als Währungshüter sieht Preisstabilität bei einer jährlichen Teuerungsrate von knapp zwei Prozent gewahrt. Zuletzt lag sie klar darunter.

Energiepreise sollen weiter fallen

Daran wird sich laut Experten erst einmal nichts ändern: "Die fallenden Energiekosten werden auch in den kommenden sechs Monaten für negative Inflationsraten sorgen", sagte Ökonomin Jennifer McKeown von Capital Economics der Nachrichtenagentur Reuters. Aber auch Nahrungsmittel kosteten im Januar 1,3 Prozent weniger als Anfang 2014.

Von einer Deflation - einem lang anhaltenden Preisverfall auf breiter Front - sprechen die meisten Experten aber nicht. "Zu den Merkmalen einer Deflation gehören auch sinkende Investitionen und ein schrumpfender privater Konsum", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. "Das sehen wir in Deutschland und auch in Europa nicht. Im Gegenteil." Die kleinere Energierechnung entlaste Verbraucher wie Unternehmen um Milliarden. "Das ist gut für das Wachstum", sagte auch Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Verbraucher sparen Geld, das sie für andere Dinge ausgeben können."

Während die Preise für Energiekosten und Nahrungsmittel gesunken sind, verteuerten sich Dienstleistungen um 1,2 Prozent. Dabei stiegen Nettokaltmieten auf Jahressicht um 1,3 Prozent.

Eine europäische Entwicklung

Im Euroraum waren die Preise bereits im Dezember 2014 erstmals seit dem Krisenjahr 2009 wieder gesunken. Die jährliche Inflationsrate betrug seinerzeit minus 0,2 Prozent.

Die Europäische Zentralbank strebt eine Rate von knapp unter zwei Prozent an, bei der sie Preisstabilität gewahrt sieht. Dieses Ziel verfehlt sie seit Anfang 2013. Auch in den nächsten beiden Jahren dürfte die Inflationsrate laut EZB unter diesem Ziel bleiben. Vor diesem Hintergrund hatte die EZB in der vorigen Woche eine Billionen-Geldflut beschlossen. Sie soll die Wirtschaft ankurbeln und die Preissteigerungen wieder in die Höhe treiben.

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