Fleisch- und Wurstwaren in einer Metzgerei-Theke

Klima- und Tierschutz Greenpeace für Regeln in der Fleischwerbung

Stand: 30.11.2021 15:30 Uhr

Verführt Werbung für Fleisch-Angebote Verbraucher zu übermäßigem und klimaschädlichem Konsum? Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert strengere Vorschriften - ähnlich wie für die Tabakindustrie.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat sich dafür ausgesprochen, Werbung für Fleisch durch genaue Vorschriften zu regeln. "Die Produktion von tierischen Erzeugnissen gehört mit zu den größten Treibhausgasemittenten weltweit. Um Klima- und Artenschutzziele erreichen zu können, muss der Ernährungssektor radikal umgestellt werden", sagte Stephanie Töwe, Agrarexpertin von Greenpeace.

Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow im Oktober hatte Greenpeace erklärt, dass die für 2045 angestrebte Klimaneutralität in Deutschland nur mit einer Halbierung des Tierbestands zu erreichen sei. Drei Viertel der landwirtschaftlichen Klimagase stammten aus der Tierhaltung, 14 Prozent aus der Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel und rund zehn Prozent aus dem Anbau von Energiepflanzen, heißt es dazu in einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace.

Steuerliche Vergünstigung von Obst und Gemüse? 

Nötig seien zum einen Anreize für Verbraucherinnen und Verbraucher, weniger Fleisch und Milchprodukte zu konsumieren, heißt es in der Studie - etwa über eine steuerliche Vergünstigung von Obst und Gemüse. Außerdem seien finanzielle Anreize für Landwirte nötig, um den Umbau der Landwirtschaft zu bewältigen und den Ausstieg aus der Tierhaltung attraktiv zu machen.

Als Konsequenz fordert Greenpeace nun, die Werbung für klimaschädliche Produkte zu reglementieren. Der Fleischkonsum solle nicht weiter mit falschen Bildern und Slogans angeheizt werden, so Töwe. Die Greenpeace-Expertin kritisierte, die Fleischindustrie halte fahrlässig an der massiven Bewerbung ihrer bedenklichen Produkte fest.

"Perfide Marketingtaktiken"

Greenpeace hat eine Untersuchung zur Fleischvermarktung in Frankreich, Polen, Spanien, Dänemark, Deutschland und der Schweiz in Auftrag gegeben, die jetzt unter dem Titel "Aufgedeckt. Die sieben Mythen der Fleischindustrie" publiziert wurde. Die Fleischindustrie versuche weiterhin, "mit perfiden Marketingtaktiken, ähnlich denen der Tabakindustrie, Fleisch und Fleischprodukte als besonders natürliche, nötige und gesunde Lebensmittel zu vermarkten", heißt es dort.

Untersucht wurden über 51 Marken; der Fokus lag dabei auf den Strategien und Symbolen, mit denen die Fleischindustrie den Fleischkonsum auf den europäischen Märkten anzukurbeln versucht.

Nicht allein Greenpeace weist auf den engen Zusammenhang zwischen Klimaschutz und Tierhaltung hin. Auch andere Experten sehen in der Landwirtschaft ein großes Potenzial zur Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes. Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität verweisen beispielsweise auf Möglichkeiten zur Vermeidung von Stickstoffüberschüssen bei der Düngung und zur Verringerung von Methan-Emissionen bei der Tierhaltung.

Emissionen aus der Massentierhaltung

Laut der Studie "Klimaneutrales Deutschland 2045", die im Juni von der Stiftung Klimaneutralität vorgestellt wurde, können die derzeitigen Emissionen der Landwirtschaft von knapp 70 Millionen Tonnen auf 58 Millionen Tonnen bis 2030 und auf etwa 40 Millionen Tonnen bis 2045 gesenkt werden. Ein Kernproblem sieht Stiftungsdirektor Rainer Baake außer in den Stickstoffüberschüssen vor allem in der Massentierhaltung.

Stickstoffüberschüsse sind der Studie zufolge mit mehr als einem Drittel eine der größten Emissionsquellen der Landwirtschaft. Die Tierhaltung verursache Emissionen in ähnlicher Größenordnung, heißt es dort. Verringert werden könne der Treibhausgas-Ausstoß durch mehr Nahrungsmittel auf pflanzlicher Basis, denn diese seien deutlich ressourceneffizienter als Lebensmittel aus tierischer Herkunft.

So ähnlich sieht es auch Greenpeace. In der neuen Untersuchung heißt es: "In Anbetracht der Auswirkungen, die ein erhöhter Fleischkonsum auf die Gesundheit der Menschen und des Planeten haben kann, ist ein tiefgreifender globaler Wandel hin zu einer pflanzenbasierten Ernährung dringend erforderlich."

Deutschlands Fleischkonsum sinkt

Die derzeit noch geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte vor Monaten angekündigt, ein Verbot von Werbung mit niedrigen Lebensmittelpreisen prüfen, insbesondere ein Preiswerbeverbot für Fleisch. Es gehe darum, dass Lockangebote für Fleisch aus ethischen Gründen untersagt werden sollten, so Klöckner. Mehr Tierwohl sei nur möglich, wenn die Bereitschaft steige, mehr für Fleisch zu bezahlen.

Der Fleischkonsum hierzulande nimmt langsam ab. Lag der Pro-Kopf-Verzehr im Jahr 2010 noch bei rund 62,4 Kilogramm, sank er im Jahr 2020 auf 57,3 Kilogramm. Deutschland gehört aber zu den größten Fleischproduzenten und Exporteuren weltweit und ist beispielsweise hinter China und den USA der drittgrößte Produzent von Schweinefleisch (2019).