Inflation ändert Kaufverhalten

Günstiger essen - mehr verreisen

Stand: 21.07.2022 16:13 Uhr

Angesichts der hohen Inflationsrate passen viele Menschen in Deutschland ihr Einkaufsverhalten an: Gespart wird bei Lebensmitteln und bei Körperpflegeprodukten. In Reisen fließt dagegen mehr Geld.

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland ändern infolge der seit Monaten hohen Teuerungsrate ihr Einkaufsverhalten. "Besonders stark zeigen sich die Auswirkungen der Inflation bei Produkten des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln oder Körperpflegeprodukten", erklärten GfK-Marktforscher. In diesem Bereich seien die Mengen zwischen Januar und Mai die Mengen stark zurückgegangen. Das teilte das Marktforschungsunternehmen auf Basis ihrer Untersuchungen mit.

So seien 8,2 Prozent weniger Fleisch- und Wurstwaren, 8,5 Prozent weniger frisches Obst oder Gemüse und sieben Prozent weniger Backwaren gekauft worden. "Bei diesen schnelldrehenden Produkten passen Konsumenten ihre Strategien schnell an, indem sie weniger kaufen, auf Angebotspreise zurückgreifen oder von Herstellermarken zu günstigeren Eigenmarken umsteigen", so die GfK. Der Anteil der Eigenmarken am Gesamtumsatz sei im ersten Quartal um 34,6 Prozent gewachsen. Für 36 Prozent der Menschen sei aktuell der Preis das wichtigste Kriterium bei der Kaufentscheidung.

Doch es gibt auch Konsumbereiche, in denen die Nachfrage steigt, zum Beispiel im Bekleidungsbereich. Hier hat sich laut den Marktforschern in der Pandemie ein Nachholbedarf angestaut. Derzeit versuchten die Käufer von Bekleidung offenbar, der Teuerung gezielt auszuweichen. So lag der bezahlte Durchschnittspreis leicht unter dem von Mai 2019.

Dahinter stecken nach Angaben der Marktforscher zwei Strategien: Die Konsumenten kaufen im Fachhandel günstigere Produkte oder weichen auf andere Vertriebslinien mit niedrigeren Preisen aus. So konnten sich die Textildiscounter über eine zweistellige Umsatzsteigerung freuen.

Eher gegensätzlich entwickelt sich die Nachfrage bei so genannten technischen Konsumgütern. Von Januar bis Mai stieg der Umsatz im Gesamtmarkt im Vergleich zum Vorjahr noch um drei Prozent an. In den vergangenen Wochen zeigte sich jedoch ein Umschwung. Die Umsätze gingen in den meisten Produktbereichen zurück, insbesondere bei preiswerten Einstiegsgeräten. Höherwertige und höherpreisige Premiumgeräte hingegen sind weniger von der aktuellen Krisensituation betroffen. "Die Konsumenten achten beim Einkaufen demnach weiterhin auf Qualität und sind dafür auch bereit mehr zu bezahlen", teilten die GfK mit.

Die Reisebranche entwickelt sich im Vergleich zu den Alltagsprodukten völlig gegensätzlich. Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie bestehe hier ein großer Nachholbedarf bei den Konsumenten, so die Marktforscher. Die Buchungszahlen für private Urlaubsreisen seien in der aktuellen Sommersaison vergleichbar mit dem letzten Vor-Pandemie-Jahr 2019, teils gingen sie sogar darüber hinaus.