Ein Mann klebt einen Treuepunkt in ein Sammelheft.  | picture alliance / Daniel Bockwo

Punkte sammeln im Supermarkt Sind Treueprämien echte Schnäppchen?

Stand: 02.03.2021 12:26 Uhr

Für 100 Treuepunkte ein Kochmesser - mit solchen Versprechen wollen Handelsketten oder Tankstellen ihre Kunden an sich binden. Doch Verbraucherschützern zufolge halten die Prämien oft nicht, was sie versprechen.

"Sammeln Sie Punkte?" Diesen Satz hört man an den Kassen von Supermärkten und Discountern regelmäßig. Das Prinzip ist fast immer gleich: Pro fünf Euro Einkaufswert bekommen Kunden einen Punkt. Ist das Treueheft voll, gibt es ein Produkt aus der Prämienaktion - gegen Zuzahlung, versteht sich.

Arnd Zschiesche ist Markensoziologe. Er nennt den psychologischen Trick dahinter "den klassischen Jäger- und Sammler-Urinstinkt": Man sehe dabei die Chance auf etwas, "was andere vielleicht nicht so haben können. Und dann löst das in mir einen Zugriffs-Instinkt aus". Unternehmen ihrerseits hofften darauf, von diesem Instinkt zu profitieren. "Das ist der ganze Trick."

Eine Frage des Einkaufsverhaltens

Für einen stichprobenartigen Test der Treueprämien bei drei Supermärkten beziehungsweise Discountern müssen zunächst einmal 100 bis 150 Euro investiert werden - in Form von Einkäufen. In einem Markt gibt es einen Bluetooth-Lautsprecher, der ohne Treuepunkte rund 60 Euro kostet. Im zweiten erhält man ein Kochmesser, das ohne Punkte rund 92 Euro kosten soll. Im dritten Geschäft ist die Prämie eine Bratpfanne, die ohne gesammelte Punkte 75 Euro kosten würde. Die Zuzahlungen liegen bei 30 Euro (Lautsprecher und Messer) beziehungsweise bei 13 Euro (Bratpfanne).

Sucht man nach den drei Prämien im Internet, stellt man fest, dass es zwei der drei Produkte so nicht zu kaufen gibt. Lediglich der Lautsprecher ist online zu finden; das günstigste Angebot liegt bei knapp 45 Euro. Um ihn aber im Supermarkt als Treueprämie zu erhalten, muss man zuvor für 100 Euro einkaufen und dann noch 30 Euro dazuzahlen. Lohnt es sich also? Das hängt maßgeblich davon ab, ob man im Supermarkt wirklich nur die benötigte Ware eingekauft hat und nicht etwa mehr investiert, um im Rahmen der - meist zeitlich begrenzten - Treue-Aktion auf die notwendige Anzahl von Punkten zu kommen.

Die von den Märkten angegebenen unverbindlichen Herstellerpreise der Prämienprodukte seien oftmals veraltet, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Ersparnis sei in den seltensten Fällen so tatsächlich so groß, wie den Kunden suggeriert werde. Die Produkte seien meist auch woanders günstig zu bekommen. "Vielleicht nicht ganz so günstig wie mit den Punkten. Aber dafür muss ich ja auch eine Menge einkaufen."

Am Material gespart

Anders als den Lautsprecher gibt es weder die Pfanne noch das Messer in dieser Form bei anderen Anbietern: Sie wurden vom Hersteller eigens für die Treuepunkte-Aktion der Einzelhändler hergestellt. Markensoziologe Zschiesche bestätigt dieses Vorgehen: Es gebe Sonderproduktionen nur für diesen einzigen Zweck. Doch hierin liege auch ein Risiko für die Hersteller: "Diese Marken machen sich dann häufig mit diesen Sondereditionen oder Sonderausgaben selbst kaputt, weil die Qualität teilweise nicht hält, was diese Marke sonst verspricht."

Sind die Pfanne und das Messer auch eine Sonderproduktion von minderwertiger Qualität? Eine TÜV-Analyse der bei den Herstellern bestellten, baugleichen Produkte ergibt: Bei zwei Prämienprodukten wurde zumindest am Material gespart. Die Pfanne ist deutlich dünnwandiger, auch die Klinge des Prämienmessers dünner als bei den Vergleichsprodukten derselben Marken. Der Lautsprecher hingegen stellt sich im Expertentest als exakt baugleich heraus.

Jahrelang beim selben Anbieter tanken?

Auch beim Tanken können Kunden Punkte sammeln. Das Prinzip: Für normales Super-Benzin oder Diesel gibt es pro Liter einen Punkt. Bei Gewinnaktionen werden zusätzliche Punkte verlost. Im Prämienshop werden Snacks, Schmuck oder Bohrmaschinen angeboten. Das klinge zwar verlockend, doch Verbraucherschützerin Rehberg sagt: "Wenn man sieht, dass man pro Liter einen Punkt bekommt, dann muss man schon eine ganze Menge tanken, um diese Punkte zu erreichen."

Bei einer Fahrleistung von 14.000 Kilometern im Jahr erreiche man etwas über 800 Punkte. "Und das ist dann doch recht wenig, wenn man überlegt, dass man ein ganzes Jahr darauf gespart hat." Denn für diese Anzahl von Punkten gibt es meist nur kleine Prämien in Form von Lebensmitteln. Für größere Produkte müsste man - so rechnet Rehberg vor - bis zu 18 Jahre lang Punkte sammeln; und zwar bei ein und derselben Tankstelle, die mindestens temporär teurer sein könnte als die Konkurrenz ohne Treuepunkte.

Mit Informationen von Anneke Müller und Verena von Ondarza, NDR

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. März 2021 um 09:41 Uhr.