An einem Strand auf Mallorca verbringen Menschen ihre Freizeit | dpa

Pleite des Reisekonzerns 100 Millionen für Thomas-Cook-Kunden

Stand: 26.04.2021 09:52 Uhr

Der Bund hat nach der Pleite des Reiseanbieters Thomas Cook im Jahr 2019 an Zehntausende geschädigte Kunden Ausgleichszahlungen geleistet. Die Summe wird bis zum Sommer noch steigen.

Eineinhalb Jahre nach dem Zusammenbruch des Reisekonzerns Thomas Cook hat der Bund nach eigenen Angaben bislang etwa 103 Millionen Euro an geschädigte Kunden ausgezahlt. Die Summe verteilt sich auf rund 74.000 Fälle, teilte ein Sprecher des Justizministeriums mit.

Demnach steht bei 32.000 weiteren die Zahlung noch aus (Stand: 20. April). Dem Ministerium zufolge dürften Betroffene, die sich auf einem speziellen Portal registriert haben, das Geld im Wesentlichen bis zum 30. Juni bekommen.

Die deutsche Thomas Cook war 2019 in den Sog der Pleite der britischen Mutter und hatte Insolvenz beantragt. Das Unternehmen sagte gebuchte Reisen ab, auch wenn sie ganz oder teilweise bezahlt worden waren.

Erstattung durch die Bundesregierung

Die Bundesregierung erstattet Pauschalreisenden jenen Teil ihrer Ausgaben, den weder der Schweizer Versicherungskonzern Zurich noch Dritte ausgleichen. Voraussetzung ist, dass Kunden ihre Ansprüche zuvor beim Insolvenzverwalter gemeldet und bei der Versicherung geltend gemacht haben. Zurich sprang nur teilweise ein, weil die Versicherungssumme nicht ausreichte.

Wie das Bundesjustizministerium mitteilt, ist das Nachreichen von Unterlagen zu Anmeldungen für die freiwillige Ausgleichszahlung der Bundesregierung nur noch bis einschließlich 31. Mai 2021 möglich. Nur Anmeldungen, die bis zu diesem Termin mit allen erforderlichen Angaben, Belegen und Erklärungen vollständig und fehlerfrei im Portal abgeschlossen sind, können für eine Ausgleichszahlung berücksichtigt werden, heißt es auf der entsprechenden Internetseite.

Neue Regelung ab November

Im Februar hatte das Bundeskabinett als Folge der Cook-Pleite beschlossen, dass Pauschalreisen besser gegen eine Pleite des Reiseveranstalters abgesichert sein sollen - über einen millionenschweren Fonds. Die Veranstalter selbst sollen in diesen Sicherungsfonds einzahlen. Damit soll die bisherige Absicherung durch Versicherungen oder Bank-Bürgschaften grundsätzlich abgelöst werden. Ausnahmen soll es für kleine Unternehmen geben.

Der Fonds soll ab November einspringen und bis Ende Dezember 2026 mit rund 750 Millionen Euro gefüllt werden. Er müsse immer so groß sein, dass die Insolvenz des umsatzstärksten und eines weiteren Anbieters mittlerer Größe abgedeckt würden, hieß es. Während der Aufbauphase sichert der Staat den Fonds durch eine Bürgschaft oder eine Garantie für einen Kredit ab.