Die Deutsche Telekom steigerte ihren Umsatz auf 80,5 Milliarden Euro. | dpa

Vergleich im Telekom-Prozess Entschädigung für Tausende Kleinanleger

Stand: 23.11.2021 19:29 Uhr

Beim dritten Börsengang der Telekom im Jahr 2000 verloren Tausende Kleinanleger viel Geld. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Jetzt gibt es einen Vergleich.

Von Ursula Mayer, HR

Es bahnt sich eine Lösung an in einem der größten Anlegerprozesse in Deutschland: dem Rechtstreit rund um den dritten Börsengang der Telekom. Das Oberlandesgericht in Frankfurt hat einen Vergleich gebilligt, den das Bonner Unternehmen ausgearbeitet hat - zusammen mit den Anwälten von Tausenden geschädigten Kleinaktionären

Die Pressesprecherin des Gerichts, Gundula Fehns-Böer, erklärt die Entscheidung des Senats: "Er begrüßt, dass die Parteien mit diesem Vorschlag selbst Verantwortung übernommen haben und gemeinsam versuchen, eine inhaltlich richtige und gerechte Lösung zu finden."

Das Gericht empfiehlt daher allen Beteiligten, diesen Vergleich anzunehmen. Darüber entscheidet aber jeder einzelne der mehr als 16.000 Kläger. Die Telekom will ihnen bis Mitte nächsten Jahres ein Angebot machen.

Vorinstanz sah Fehler im Börsenprospekt

Die Anleger waren beim dritten Börsengang des Konzerns im Jahr 2000 dabei und kauften damals Telekom-Aktien mit Sonderrabatt für 63,50 Euro das Stück. Seitdem ging es aber rapide bergab, auf mittlerweile etwa 17 Euro. Die Differenz zwischen dem altem und dem aktuellen Kurswert will ihnen der Bonner Konzern nun erstatten. Bereits gezahlte Dividenden können die Anleger zusammen mit den Aktien behalten. Sogar für die Anwalts- und Gerichtskosten kommt die Telekom auf.

Das Ganze dürfte sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag summieren; aber, so sagt die Chefjuristin des Konzerns, Claudia Junker: "Das Verfahren läuft seit zwanzig Jahren und es würde noch zehn Jahre weiterlaufen. Es ist jetzt an der Zeit gewesen, dass wir dieses sehr faire Angebot machen."

Zumal die Gerichte bereits entschieden haben, dass die Telekom bei diesem Börsengang in der Tat Fehler gemacht hat -und zwar beim Börsenprospekt: Dort habe man im Zusammenhang mit einer US-amerikanischen Beteiligung die Risiken für Kleinanleger nicht ausreichend dargestellt, urteilte bereits 2014 der Bundesgerichtshof.

Hohe Akzeptanz - und Blaupause für andere Verfahren?

Das jetzt vorliegende Vergleichsangebot dürften auch viele Kleinanleger akzeptieren, beteuern deren Vertreter wie etwa Rechtsanwalt Peter Gundermann: "Das heißt, dass jetzt das alles zu einem guten Ende kommt, ein guter Tag für die Anleger, die gegen die Telekom geklagt haben, ein guter Tag für den Anlegerschutz in Deutschland." Gundermann vertritt den Musterkläger in diesem Kapitalanleger-Musterverfahren, das nach nunmehr 20 Jahren mit dem Vergleich allmählich einen Abschluss finden könnte.

"Ich denke, dass dieses Ergebnis nun auch Vorbild sein muss für die anhängigen Musterverfahren, insbesondere gegen Volkswagen und Porsche in der Dieselaffäre", sagt Aktionärsschützer Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Es zeigt, dass keiner mit einem obsiegenden Urteil herausgeht, sondern man sich vernünftigerweise vergleicht."

Denn es könne doch nicht sein, dass sich solche Verfahren über Jahrzehnte hinziehen, sagt Nieding - so lange, dass in der Zeit immer mehr Kläger versterben. Auch in dem Telekom-Prozess müssen schon manche Erben Ansprüche erheben, was alles noch komplizierter macht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. November 2021 um 20:00 Uhr.