Ein Auto steht am frühen Morgen an einer Tankstelle auf dem Rasthof Lehrter See Nord. | dpa
Hintergrund

Mineralölwirtschaft Wie teuer wird es an der Tankstelle?

Stand: 31.08.2022 17:05 Uhr

Nach dem Ende des Tankrabatts erwarten viele Experten dauerhaft ansteigende Kraftstoffpreise. Es gibt dafür auch andere Ursachen als den ausgelaufenen Steuernachlass.

Von Oliver Feldforth, hr

Es war vermutlich eine Verschnaufpause auf hohem Preisniveau. Mit dem 31. August endete der Tankrabatt. Die Bundesregierung hatte seit dem 1. Juni über eine Absenkung der Energiesteuern den Benzinpreis um 35 Cent und den Dieselpreis um 17 Cent verbilligt.

Oliver Feldforth

Drei Monate Schonzeit enden

Mit dem Auslaufen der Maßnahme könnte Tanken schnell wieder deutlich teurer werden. Das glauben viele Ökonomen wie Achim Wambach, Präsident des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung. Vielleicht habe noch der eine oder andere Tankstellenpächter den günstigen Sprit in seinen Tanks und würde so noch ein paar Tage den Treibstoff billiger anbieten. Das würde aber nicht den generellen Trend zur schnellen Preisanpassung nach oben verändern; deutlich über zwei Euro seien wohl schon im September wieder drin.

Die drei Monate Schonzeit gehen also für die Autofahrer zu Ende, auch wenn sie dies wegen des trotz allem hohen Preisniveaus vermutlich gar nicht so wahrgenommen haben. Gerade in den letzten Tagen August stiegen die Preise wieder.

Mehrere Faktoren preistreibend

Dabei ist der Rabatt im Wesentlichen an die Verbraucher weitergegeben worden und nicht in den Taschen der Ölkonzerne oder Tankstellenpächter verschwunden - das ergeben Berechnungen des Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung, RWI.

Die Wirtschaftsforscher schauten auf die Spritpreise in Deutschland und verglichen sie mit denen in Frankreich. Dabei wurde deutlich, dass das Verhältnis beider Preisniveaus in den vergangenen Monaten die steuerlichen Vergünstigungen in Deutschland widerspiegelte, ohne sich darüber hinaus zu verändern.

Dann sei es zu weiteren deutschlandspezifischen Faktoren gekommen; einer davon seien die gestiegenen Frachtkosten in der Binnenschifffahrt. Das betrifft besonders den Dieselpreis, da dieser Treibstoff importabhängiger ist muss als andere.

ADAC sieht Spielräume

Der ADAC sieht das teilweise anders. Es habe durchaus Spielräume für die Mineralölkonzerne gegeben, die Preise weiter nach unten zu korrigieren - auch durch sinkende Rohölpreise. Die seien aber nicht an die Verbraucher weitergegeben worden.

Eine Fortsetzung des Tankrabatts lehnt der Automobilclub ab. Das würde nur weiter Fehlanreize schaffen und die Nachfrage nach oben drücken. Stattdessen sollten nur besonders Betroffene unterstützt werden. Das seien vor allem die Pendler, denen die erhöhte Pendlerpauschale von 38 Cent schon ab dem ersten Kilometer gewährt werden sollte.

ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand fordert außerdem, dass "Entlastungen außerhalb des Mobilitätsbereichs umgesetzt werden sollten, um die breite Betroffenheit der Menschen bei Wärme, Strom und Kraftstoffen gesamthaft zu berücksichtigen".

Gewöhnung an die hohen Preise

Etliche Autofahrer haben sich offenbar aber auch schon an die hohen Preise gewöhnt. Nur noch knapp die Hälfte lassen laut einer Umfrage das Auto vermehrt stehen oder passen ihre Fahrweise an, um weniger zu verbrauchen. Das waren im Frühjahr noch mehr.

Eines aber befürchten alle, die sich mit Spritpreisen beschäftigen: Er wird steigen und dann lange hoch bleiben. "Die Kraftstoffpreise werden wohl weiter steigen, nicht nur wegen des Wegfalls des Rabatts", sagt Manuel Frondel vom RWI. "Dabei dürften die Preisanstiege umso ausgeprägter sein, je stärker die Pegelstände des Rhein sinken."

Viele Autofahrerinnen und Autofahrer nutzen allerdings auch nicht die Einsparmöglichkeiten, die ihnen immer offenstehen. Wenn sie sich auf eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde beschränkten, "könnte der Kraftstoffverbrauch um mehr als drei Millionen Liter gesenkt werden. Das würde gleichzeitig auch mehr als neun Millionen Tonnen CO2 einsparen", sagt Claudia Kemfert vom Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. August 2022 um 16:58 Uhr.