Ein Freileitungsmast steht unter blauem Himmel auf einem Feld. | picture alliance / Kirchner-Medi

Megawattstunde teuer wie nie Nächster Preisschock beim Strom

Stand: 17.08.2022 15:25 Uhr

Strom wird an der Börse so teuer gehandelt wie noch nie. Der Marktpreis hat sich gegenüber dem vergangenen Jahr vervielfacht. Auf den Rechnungen privater Haushalte zeigt sich der Trend bislang nur teilweise.

Kurzfristig verfügbarer Strom ist aktuell so teuer wie nie zuvor. An der europäischen Strombörse EPEX SPOT (European Power Exchange) kletterte der Preis für eine Megawattstunde für den kurzfristigen Bezug auf über 550 Euro je Megawattstunde. Das sind umgerechnet mehr als 55 Cent je Kilowattstunde (kWh) - ohne Steuern, Abgaben und Gewinnspannen der Versorger. Diese lagen im Juli nach Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Schnitt bei 19 Cent je kWh.

Übernachtmarkt für Profihändler

Der Preisrekord an der Börse bezieht sich auf den Kurs am sogenannten Übernachtmarkt. Dort kaufen große Stromgesellschaften und Profihändler Strom, den sie am nächsten Tag geliefert bekommen wollen. Noch im vergangenen Jahr lag der Preis für eine Megawattstunde Strom dort üblicherweise bei etwa 50 Euro. Der Preis hat sich seitdem also ungefähr verzehnfacht.

In den Preisen für die Endverbraucher zeigt sich das wegen länger laufender Verträge der Energieversorger noch nicht überall. Nach Berechnungen des Vergleichportals Check24 ist der Strompreis im August im Schnitt auf 39,9 Cent je kWh angestiegen. Damit lag er 31 Prozent höher als im Vorjahr.

Und die Preise steigen weiter. So hatte erst kürzlich EnBW, einer der größten Versorger in Deutschland, die Tarife in der Grundversorgung im Schnitt um fast ein Drittel erhöht.

Senkung der EEG-Umlage kaum bemerkbar

Auch nach Berechnungen des Branchenverbands BDEW ist der Strompreis zuletzt deutlich angestiegen. Demnach lag er im ersten Halbjahr im Schnitt noch bei 37,14 Cent je kWh. Im Juli seien es 37,3 Cent je kWh gewesen. Die auf den ersten Blick nur geringe Veränderung zum Juli entspricht tatsächlich einer deutlichen Steigerung, da die EEG-Umlage von 3,72 Cent in dem Juli-Wert nicht mehr enthalten ist. Die Umlage, mit der früher der Ausbau Erneuerbarer Energien bezuschusst wurde, ist inzwischen komplett weggefallen.

Nicht nur die Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine lassen die Preise für Energie stark steigen. Gegenwärtig treiben auch die niedrigen Pegelstände die Preise in die Höhe. Schiffe, etwa auf dem Rhein, können nicht mit voller Beladung fahren, weil die Flüsse zu wenig Wasser führen. Das betrifft auch Lieferungen von Öl und Kohle, die für die Stromherstellung sehr wichtig sind und noch entscheidender werden sollen. Denn die Verstromung von Erdgas soll mit Blick auf die geringen Lieferungen aus Russland und die nahende kalte Jahreszeit zurückgefahren werden.

Mit Informationen von Sebastian Schreiber, ARD-Börsenstudio.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. August 2022 um 14:00 Uhr.