Junge Menschen sitzen auf der Spielemesse in Essen an Tischen. | Jonas Lugibihl/WDR

Internationale Präsenzmesse Spielen ohne Ende in Essen

Stand: 15.10.2021 17:38 Uhr

Nach einem Jahr Pause findet in Essen wieder die Internationalen Spieletage statt. Die Branche konnte von der Corona-Zeit nicht nur profitieren, es verstärkten sich dadurch auch bestimmte Spiele-Trends.

Von Jonas Lugibihl, WDR

Es sind die Tische, die die Spieletage zu einer besonderen Messe machen. An ihnen kommen unterschiedliche Menschen zusammen und spielen. Egal ob junge Paare, Familien oder Brettspiel-Experten, sie haben eins gemeinsam: den Spaß am Würfeln, Kartenlegen und dem Versetzen von Spielfiguren.

Nachdem es im vergangenen Jahr nur eine digitale Ausgabe gab, finden die Spieletage jetzt wieder vor Ort statt. Unter Corona-Auflagen - 3G und durchgehende Maskenpflicht - können die Hersteller ihre neuesten Spiele vorstellen und die Besucher sie direkt ausprobieren. Bis zu 30.000 Menschen werden pro Tag erwartet. "Es fühlt sich so schön an, dass es manchmal zum Weinen ist", sagt Dominique Metzler, Veranstalterin der SPIEL '21. "Die Menschen verbinden mit ihrem Hobby so viel Emotion und sind jetzt so glücklich, wieder hier zu sein."

Altbekanntes hoch im Kurs

Doch nicht nur für die Spielerinnen und Spieler, sondern auch für die Hersteller selbst ist die Messe enorm wichtig. Eigentlich geht es der Branche mehr als gut - Metzler spricht von 21 Prozent Umsatzplus im vergangenen Jahr. "Das Problem war aber schon, dass es sich eigentlich auf die Klassiker bezog. Die Hersteller haben die bekannten Spiele sehr, sehr gut verkauft. Aber die Neuheiten lagen wohl wie Blei im Regal." Für die neuen Spiele wolle die Messe eine Plattform bieten.

Dass zumindest bekannte Brettspiele - egal ob Monopoly oder Mensch, ärgere dich nicht - so beliebt sind, hängt auch mit der Corona-Pandemie zusammen. In Lockdown-Zeiten nutzten viele Menschen die Zeit zu Hause, um etwas zu spielen. Aber nicht jeder, der spielen wollte, wohnte mit einer Familie zusammen oder in einer Wohngemeinschaft. Auch der Besuch von Freunden war nicht immer möglich.

Zu zweit oder allein

Dadurch verstärkte sich ein Trend, der in den zurückliegenden Jahren schon begonnen hatte: Spiele, für die man nur zwei Spieler braucht. Metzler führt das darauf zurück, dass es immer mehr Zwei-Personen-Haushalte in Deutschland gibt. Vor ein paar Jahren begannen die Hersteller, diese Marktlücke zu füllen.

Auch Spiele, die man allein spielen kann, erhielten einen neuen Schub. "Das war wahrscheinlich auch schon eine Auswirkung der Pandemie. Man weiß ja nicht, wie lange die dauert. Man weiß ja nicht mal, ob das im Winter wieder schlimm wird", sagt Metzler. Deshalb hätten einige nach diesen Solo-Spielen gegriffen.

Gemeinsam statt gegeneinander

Auch kooperative Spiele sind immer noch sehr beliebt. Hier spielt man nicht gegeneinander und versucht allein zu gewinnen, sondern in der Gruppe gegen das Spiel. Dabei sind es oft Rätsel- oder Krimispiele, bei denen man gemeinsam knobeln und eine Lösung finden muss - das geht bei vielen Spielen auch gut zu zweit oder sogar allein.

Dieser Trend könnte sich in einer Zeit nach Corona verstärken. "Ich glaube, dass viele Menschen im Moment das Bedürfnis haben, mit anderen etwas zu tun, weil sie das so lange nicht gemacht haben - dieses gemeinsame Erleben. Wir tüfteln gemeinsam an dem Problem und haben gemeinsam ein Erfolgserlebnis", sagt Metzler.

Hartmut Haas steht am Messestand des Spiels "Bahn Frei". | Jonas Lugibihl/WDR

Spiele-Erfinder Hartmut Haas am Messestand seines Spiels "Bahn Frei". Bild: Jonas Lugibihl/WDR

Große Verlage und unabhängige Autoren

Etwa 600 Austeller aus 41 Ländern sind bei den Spieletagen dabei. Viel Aufmerksamkeit ziehen die großen Verlage wie Kosmos, Ravensburger oder Pegasus Spiele. Mit ihren Spielen versuchen sie, die Trends zu bedienen. Es gibt auch viele kleinere Austeller - seien es kleine Verlage oder unabhängige Spieleautoren.

Einer von ihnen ist Hartmut Haas aus dem nordrhein-westfälischen Wegberg. Er hat ein Spiel entwickelt, in dem man allein oder gemeinsam versucht, den Bahnverkehr in Deutschland aufrecht zu erhalten. Als kooperatives Spiel mit Solo- oder Zwei-Personen-Modus passt Haas' Spiel zu den Trends in diesem Jahr. Das liege aber vor allem an seiner Frau, sagt Haas: Diese habe erst mit kooperativen Spielen Spaß am Spielen gefunden.

Noel Campana hält das Spiel "Duoc in Danger" in den Händen. | Jonas Lugibihl/WDR

Noel Campana präsentiert auf der Messe sein Spiel "Duoc in Danger". Bild: Jonas Lugibihl/WDR

Von fremden Galaxien bis zu Affen in Vietnam

Während es bei Spielmechanismen klare Trends gibt, kann Messeveranstalterin Metzler beim Inhalt keine klare Richtung erkennen. Gerade weil Erwachsene mehr spielen, gebe es auch mehr Kennerspiele. Im Kinderspielbereich könne man allerdings schon erkennen, dass ein Thema wie Umwelt vermehrt in Spielen stattfinde.

So ist es auch beim Kartenspiel von Noel Campana aus Leichlingen bei Leverkusen: Der Ingenieur hat in der Corona-Zeit ein Spiel entwickelt und stellt jetzt den Prototyp vor. Hier muss man versuchen, bedrohte Affen zu retten. Mit seinem Spiel möchte er vor allem Familien ansprechen und damit auch auf die Situation der Douc in Vietnam aufmerksam machen.

Dass auf dem gesamten Gelände gespielt wird, macht die Spielemesse besonders. Auch bei Haas und Campana stehen jeweils Tische, an denen sich die Besucherinnen und Besucher die Spiele testen können. So haben auch kleinere Entwickler und Verlage die Chance, sich zu zeigen, Feedback einzuholen und vielleicht für einen neuen Trend in der boomenden Spielebranche zu sorgen.

Über dieses Thema berichtete WDR Fernsehen am 14. Oktober 2021 um 19:30 Uhr in der Sendung "Lokalzeit Ruhr".