Eine Hand hält Scheine vor einer brennenden Gasflamme eines Küchenherdes. | picture alliance / dpa

Inflation und Energiekrise Immer weniger Menschen können sparen

Stand: 24.10.2022 12:56 Uhr

Angesichts der steigenden Preise kann nur noch jeder Zweite in Deutschland sparen. Einer Umfrage zufolge hat es auch ein Großteil der Mittelschicht schwer, Geld auf die hohe Kante zu legen.

Die hohe Inflation bremst viele Sparer in Deutschland aus. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sieht sich aktuell nur noch jeder Zweite (50 Prozent) in der Lage, regelmäßig Geld zu sparen. Im Corona-Krisenjahr 2020 seien es noch 70 Prozent gewesen. Das IW befragte gemeinsam mit dem Markt- und Sozialforschungsinstitut SINUS zwischen dem 1. und dem 14. September 2010 Menschen zwischen 18 und 75 Jahren.

Deutlich ist der Rückgang vor allem bei denjenigen, die im Monat weniger als 1500 Euro zur Verfügung haben, wie aus der heute veröffentlichten Auswertung hervorgeht. Danach konnte 2020 hier noch gut jeder Dritte (35 Prozent) etwas zurücklegen, zuletzt war es nur noch jeder Fünfte (20 Prozent).

Ausgaben werden reduziert

Den Angaben zufolge gehen nicht nur die Sparmöglichkeiten zurück: Bereits jetzt haben 61 Prozent ebenso ihre Ausgaben aufgrund der gestiegenen Energiepreise stark oder sehr stark reduziert, hieß es.

Besonders die stark steigenden Preise für Gas und Strom machen sich bemerkbar. Danach berichteten 67 Prozent der Befragten von starken finanziellen Belastungen durch teure Energie. Seit Monaten treiben hohe Energie- und auch Lebensmittelpreise die Inflation in Deutschland an. Im September erreichte die Jahresteuerungsrate mit 10,0 Prozent den höchsten Stand seit etwa 70 Jahren.

"Existenzielle Fragen" für prekäre Haushalte

Die Verschlechterung der Sparfähigkeit reicht laut der IW-Studie bis in die Mittelschicht hinein. Aktuell können danach noch etwa 52 Prozent der Befragten mit einem bedarfsgewichteten Einkommen zwischen 2000 und 2500 Euro sparen. Vor zwei Jahren seien es noch 80 Prozent gewesen. Das bedarfsgewichtete Einkommen oder auch Äquivalenzeinkommen berücksichtigt die unterschiedlichen finanziellen Bedürfnisse zum Beispiel von Alleinstehenden und Familien. Es ist das Einkommen, das jedes Mitglied eines Haushalts hätte, wenn es alleine wohnen würde und erwachsen wäre.

"Prekäre Haushalte stehen vor existentiellen Fragen, während in den Milieus der gesellschaftlichen Mitte das Selbstverständnis einer abgesicherten Zukunft wankt", schrieben die Autoren der Studie. Im einkommensstärksten Fünftel der Bevölkerung ab 3000 Euro monatlich hielten sich die Einschränkungen vergleichsweise in Grenzen. Aktuell legen 85 Prozent von ihnen noch Geld zurück. 2020 waren es 93 Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. September 2022 um 14:00 Uhr.