E10 tanken | picture alliance/dpa

OPEC+ hält Kurs Noch nie war Benzin so teuer

Stand: 02.02.2022 16:55 Uhr

Autofahrer zahlen für Superbenzin der Sorte E10 in Deutschland einen Rekordpreis. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostet ein Liter inzwischen 1,712 Euro. Bald könnte es noch teurer werden - wegen der OPEC+.

Der Ölverbund OPEC+ wird den Ölhahn nicht weiter wie bisher geplant aufdrehen. Die von Saudi-Arabien und Russland dominierte Allianz einigte sich heute lediglich auf eine Anhebung der Fördermenge von 400.000 Barrel je Tag im März. Um diese Menge war die Förderung bereits nach dem letzten Treffen der OPEC+ Anfang Januar angehoben worden. Marktbeobachter hatten auf eine deutlichere Ausweitung der Ölproduktion gehofft.

Schon jetzt weniger Öl gefördert als vereinbart

Ob die Ölförderländer tatsächlich die Ziele erfüllen, ist fraglich. Die zwanzig an der OPEC+ beteiligten Länder haben zuletzt die monatlichen Erhöhungen nicht wie geplant umgesetzt und somit weniger Öl gefördert als vereinbart. Während Länder wie Angola und Nigeria nicht in der Lage seien, mehr zu produzieren, weigern sich Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, mehr Öl in den Markt zu pumpen, meinen die Energie-Analysten der Commerzbank.

Die Absage der OPEC+ an eine deutlichere Anhebung der Fördermengen treibt die Preise für die Nordsee-Sorte Brent um 1,5 Prozent auf 90,50 Dollar. Auch die US-Rohölsorte WTI verteuert sich auf fast 90 Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit siebeneinhalb Jahren. In der vergangenen Woche hatte das Brent-Rohöl das höchste Niveau seit Oktober 2014 erreicht. Die knappe Produktion gilt als ein Grund für die gestiegenen Ölpreise.

Superbenzin der Sorte E10 und Diesel auf Rekordhoch

Das immer teurere "schwarze Gold" sorgt auch für höhere Preise an der Zapfsäule. In Deutschland müssen Autofahrer inzwischen für einen Liter Superbenzin der Sorte E10 so vie zahlen wie noch nie. Gestern kostete ein Liter E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,712 Euro, wie der ADAC heute mitteilte. Damit wurde das alte Allzeithoch vom Herbst 2012 um 0,3 Cent übertroffen.

Diesel kostete am Dienstag 1,640 Euro pro Liter - auch dies ist ein neuer Rekord. Der Kraftstoff hatte in den vergangenen Monaten aber bereits immer wieder Höchststände erreicht.

Omikron-Welle dürfte Nachfrage kaum bremsen

Auch geopolitische Faktoren und die Lockerungen in der Corona-Pandemie hatten zuletzt die Öl- und Spritpreise angeheizt. Anleger rechnen nicht damit, dass die Omikron-Welle die Nachfrage deutlich schmälern wird. Sie gehen von eher milden Auswirkungen auf die globale Konjunktur aus. Bricht die Produktion etwa der Industrie ein, werden weniger Rohstoffe benötigt - und die Preise sinken tendenziell.

Ukraine-Konflikt und schwacher Euro als Preistreiber

Aktuell sorgen zudem die politischen Spannungen an der russisch-ukrainischen Grenze für einen kräftigen Risikoaufschlag auf die Ölpreise. Russland ist einer der größten Erdölförderer der Welt.

Ein weiterer zusätzlicher Preistreiber an der Tankstelle sind die Entwicklungen am Devisenmarkt: So hat der Dollar zuletzt wegen der gestiegenen Zinserwartungen in den USA auf breiter Front zugelegt - auch zum Euro. Das verteuert Öl für Käufer aus dem Nicht-Dollar-Raum - und damit auch die Spritpreise in Euro an der Tankstelle.

Gestiegener CO2-Preis hat kaum Auswirkungen

Darüber hinaus trägt auch der zu Jahresbeginn erneut erhöhte CO2-Preis zum teureren Sprit bei. Die zusätzlichen 5 Euro je Tonne machen sich pro Liter Kraftstoff aber laut ADAC gerade einmal mit etwa 1,5 Cent bemerkbar - je nach Kraftstoff und Biospritanteil.

Einen großen Teil des Kraftstoffpreises an der Zapfsäule machen Steuern und Abgaben aus. Bei Super E10 sind das auf dem aktuellen Preisniveau gut 27 Cent Mehrwertsteuer, knapp 65,5 Cent Energiesteuer sowie der Kohlendioxid-Preis, der bei E10 ohne Mehrwertsteuer je nach wirklicher Biospritbeimischung zwischen 6 und 7 Cent ausmacht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Februar 2022 um 10:00 Uhr.