Hände halten eine Geldbörse mit 17 Cent. | picture alliance / Zoonar

Folge der Corona-Pandemie Zahl der Privatpleiten steigt stark

Stand: 01.06.2021 08:53 Uhr

Die Zahl der Privatpleiten dürfte sich 2021 nahezu verdoppeln, wie eine aktuelle Auswertung zeigt. Im ersten Quartal stieg die Zahlung der Privatinsolvenzen bereits sprunghaft an. Das liegt vor allem an den Folgen der Pandemie.

Nach einer Statistik der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel steuert die Zahl der Privatinsolvenzen im laufenden Jahr auf eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr hin. Das Jahr 2021 könnte demnach rund 110.000 private Pleiten mit sich bringen. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 56.324 Privatpleiten. In den vergangenen zehn Jahren war deren Zahl rückläufig.

Auch mittlere Einkommen stärker betroffen

Im ersten Quartal haben laut der Auskunftei bereits 31.821 Menschen ihre Privatinsolvenz erklärt, 56,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Hauptursache dafür sind die Auswirkungen der Corona-Krise. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie seien nicht nur für Beschäftigte im Niedriglohnbereich existenzbedrohend, sondern auch im mittleren Einkommensbereich zum Beispiel durch Kurzarbeit deutlich spürbar, so Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein.

Auf Dauer führe weniger Einkommen erst in die Überschuldung und dann in die Privatinsolvenz. Verbraucher haben vor allem Schulden bei Kreditinstituten, Versandhändlern, Versicherungen, Behörden, Vermietern, Energieversorgern und Telefongesellschaften.

Pleitewelle bis 2022

Schlein rechnet damit, dass eine unmittelbar von der Corona-Pandemie verursachte Insolvenzwelle ab dem zweiten Halbjahr 2021 einsetzen und bis in das Jahr 2022 hineinreichen wird.

Dass es gerade im ersten Quartal einen überproportionalen Anstieg der Privatinsolvenzen gab, führt Crifbürgel auch darauf zurück, dass viele Betroffene eine Gesetzesreform abgewartet hätten. Danach können Verbraucher seit diesem Jahr einfacher nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren Restschulden befreit werden. Die Verkürzung gilt rückwirkend auch für Insolvenzverfahren, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. Die neue Gesetzesregelung gilt zunächst bis August 2025, danach soll sie noch einmal überprüft werden.

Alle Bundesländer betroffen

Zahlungsschwierigkeiten, die Bürger in die private Insolvenz führten, nahmen Anfang 2021 in allen Bundesländern zu. Sie stiegen am deutlichsten in Mecklenburg-Vorpommern (plus 86,7 Prozent) gefolgt von Nordrhein-Westfalen (plus 81,1 Prozent), Hamburg (plus 77,5 Prozent) und Thüringen (plus 75,3 Prozent). Einen nur geringen Anstieg von 0,3 Prozent meldete Sachsen-Anhalt.

Im Bundesschnitt gab es den Angaben zufolge 38 Privatpleiten je 100.000 Einwohner. Angeführt wurde diese Statistik von Bremen mit 76 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohnern, gefolgt von Hamburg mit 57 Fällen. Am wenigsten Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner wurden den Angaben zufolge in Bayern (26), Hessen (29) und Thüringen (30) gemeldet.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juni 2021 um 10:20 Uhr sowie NDR-Info um 08:05 Uhr.