Ein Haus mit Innen- und Außenbeleuchtung | picture alliance / Bildagentur-o

Trendwende bei Wohnungen und Häusern Immobilienpreise könnten einbrechen

Stand: 23.11.2022 10:09 Uhr

Die Mieten sind zuletzt nicht so stark gestiegen wie die Preise für Eigentumswohnungen und Eigenheime. Experten rechnen daher mit einer starken Preiskorrektur am Immobilienmarkt.

Auf dem Immobilienmarkt mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende. Branchenfachleute vermuten schon länger, dass die Preise für Wohnimmobilien künftig deutlich sinken können. Die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben dies nun mit konkreten Zahlen untermauert.

Preiseinbrüche von bis zu zehn Prozent

Einer DIW-Studie zufolge steigt das Risiko starker Preiskorrekturen am Immobilienmarkt. "Wir stehen in Deutschland zwar nicht vor dem Platzen einer riesigen Immobilienpreisblase", sagte DIW-Studienautor Konstantin Kholodilin zu der Untersuchung, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. "Aber Preiseinbrüche von bis zu zehn Prozent bei Eigentumswohnungen und Eigenheimen sind durchaus möglich."

Hintergrund dieser Prognose der DIW-Experten ist die immense Kluft zwischen der Preisentwicklung für Eigenheime und Eigentumswohnungen auf der einen und der Mietpreisentwicklung auf der anderen Seite. Laut der Studie sind die Preise für Eigenheime und Eigentumswohnungen in den 97 untersuchten Städte in diesem Jahr durchschnittlich elf Prozent gestiegen, während die Mieten nur um vier Prozent zunahmen.

Spekulative Übertreibungen bei Immobilienpreisen

Dass sich Kaufpreise und Mieten derart auseinanderentwickeln, hält das DIW für bedenklich. "Da Immobilienkäufe durch Mieteinnahmen - oder im Falle einer Eigennutzung durch eingesparte Mietzahlungen - refinanziert werden, sollten sich die Immobilienpreise langfristig im Einklang mit den Mieten entwickeln."

Sei dies nicht der Fall, liege der Verdacht nahe, dass Immobilien als Spekulationsobjekte genutzt werden und es zu Preisblasen kommen könne. Statistische Tests hätten solche spekulativ bedingten Preisübertreibungen bestätigt, so die Forscher.

Weiterhin hohe Nachfrage nach Eigenheimen

Dennoch dürfte der Immobilienmarkt in Deutschland noch vergleichsweise stabil bleiben, schreiben die Autoren Konstantin Kholodilin und Malte Rieth und verweisen dabei auch auf die anhaltend hohe Nachfrage. Dieser steht ein weiterhin geringes Angebot gegenüber. In Großstädten wie Berlin, Düsseldorf und Köln sei die Zahl der fertig gestellten Wohnungen im vergangenen Jahr sogar gesunken.

Die DIW-Experten sehen deshalb die Politik am Zug und fordern mehr öffentliche Investitionen und beschleunigte Verfahren, um günstigen Wohnraum in den Ballungsgebieten bereitzustellen.

Wohnimmobilienpreise erstmals seit zwölf Jahren gesunken

Die Zeiten immer weiter steigender Immobilienpreise scheinen jedenfalls passé. Laut dem Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) sind die Preise für Wohnimmobilien im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent leicht gesunken. Das mutet nach wenig an - und doch ist diese Entwicklung bemerkenswert, war es doch der erste Preisrückgang seit zwölf Jahren.

Die Daten des Statistischen Bundesamts für das dritte Quartal stehen noch aus. Im zweiten Quartal hatten sich die Preise für Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal im Schnitt noch um 2,5 Prozent verteuert. Gegenüber dem Vorjahresquartal zogen die Preise sogar um 10,2 Prozent an.