Eine Supermarkt-Mitarbeiterin füllt ein Regal mit Nudeln auf. | picture alliance/dpa

Folge der Ernteausfälle Nudeln werden bald deutlich teurer

Stand: 11.10.2021 14:13 Uhr

Auf Pasta-Liebhaber kommt ein harter Winter zu: Mehrere Nudelhersteller haben Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent angekündigt. Schuld sind unter anderem Ernteausfälle bei Hartweizen.

Die Boulevard-Medien warnen schon vor dem "Nudel-Preisschock": Spaghetti, Tagliatelle und Tortellini könnten bald deutlich teurer werden. Mehrere deutsche und ausländische Nudelhersteller planen kräftige Preiserhöhungen.

Der italienische Pasta-Konzern Buitoni, der zum Lebensmittelriesen Nestlé gehört, will offenbar die Nudelpreise um rund 25 Prozent erhöhen. Das berichtete die "Lebensmittel-Zeitung" unter Berufung auf Aussagen von Edeka-Chef Markus Mosa. Dieser kritisierte auf einer Branchentagung die "unberechtigten Forderungen" nach Preiserhöhungen vieler Markenkonzerne, insbesondere der Nudelhersteller, mit denen sich Edeka konfrontiert fühlt. Als Druckmittel wird sogar inzwischen von den Herstellern mit Lieferstopps gedroht.

Auch deutsche Nudelhersteller haben satte Preissteigerungen angekündigt. Markus Tress, Inhaber der Nudelfirma Tress in Münsingen, sagte Ende September in der "Stuttgarter Zeitung", er rechne mit Preisaufschlägen von 25 bis 30 Prozent. Beim Konkurrenten Birkel sollen sich die Nudeln um gut 19 Prozent verteuern. Der Trochtelfinger Teigwarenhersteller Albgold von der Schwäbischen Alb will ebenfalls an der Preisschraube drehen.

Preis für Hartweizen hat sich verdreifacht

Als Grund nennen die Nudelhersteller die deutlich gestiegenen Kosten für Hartweizen. Nach Angaben des Verbands der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) hat sich der Preis für Hartweizen nahezu verdreifacht. Dürre und Hitze in den USA und Kanada sowie Überschwemmungen in Frankreich und der nasse Sommer in Europa hätten zu enormen Ernteausfällen in wichtigen Anbauregionen geführt. Die Hartweizen-Erntemenge des wichtigsten Exporteurs Kanada hat sich in diesem Jahr fast halbiert.

Der Getreidepreis ist ebenfalls dramatisch gestiegen. Der FAO-Index für Getreide ist binnen eines Jahres von 104 auf 132,5 Punkten geklettert. Das ist ein Zuwachs von über 27 Prozent. "Schon jetzt belasten uns die dramatisch gestiegenen Rohstoffkosten in exorbitanter Weise", warnte kürzlich der italienische Weltmarktführer Barilla. Bei der Herstellung von Teigwaren macht der Rohstoffeinkauf den wichtigsten Posten in der Kalkulation aus.

Geben die Supermärkte dem Druck nach?

Unklar ist noch, wie stark sich die Preiserhöhungen der Nudelhersteller in den Supermarkt-Regalen niederschlagen. Das hängt davon ab, inwieweit Edeka, Rewe, Lidl und Aldi die höheren Preise an die Kunden weitergeben. Das Thema dürfte auf der Nahrungsmittelmesse Anuga, die derzeit in Köln läuft, für reichlich Diskussionsstoff sorgen.

Manche Medien rufen bereits eine "Weltnudel-Krise" aus. Solche Begriffe hält der Hartweizen-Verband VGMS für übertrieben. "Nudeln werden sicher nicht ausgehen", beruhigt Guido Jeremias, Mitglied im Vorstand der Branchenverbands und Chef der Teigwarenfabrik Jeremias in Birkenfeld bei Pforzheim. Allerdings sei noch nicht vorhersehbar, "ob in diesem Jahr alle Regale mit Nudeln so gut gefüllt sein werden wie in der Vergangenheit".

Drohen jetzt leere Regale?

Preis-Streitereien zwischen Markenherstellern und Supermarktketten können bisweilen eskalieren. So konnten sich in der jüngsten Vergangenheit der Nudelhersteller Riesa und die Kaufland-Gruppe nicht einigen. Plötzlich waren dann die Regale mit Riesa-Nudeln leer. Auch der Konflikt zwischen Nestlé und Edeka 2018 sorgte zeitweise für leere Regale. Edeka nahm zahlreiche Nestlé-Produkte aus dem Sortiment.

Nudeln erfreuen sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Der Durchschnittsdeutsche isst rund zehn Kilogramm Pasta pro Jahr. Der Nudelkonsum hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten verdoppelt.

Über dieses Thema berichtete SWR aktuell am 24. September 2021 um 14:16 Uhr.