Werbung für die Fashion Week 2021 | dpa

Fashion Week startet Wie kommt Mode wieder in Mode?

Stand: 05.07.2021 17:17 Uhr

Mit der Fashion Week startet heute eine Messe, deren Branche es in den zurückliegenden Corona-Monaten alles andere als leicht hatte. Die Pandemie hat so manchen (Mode-)Trend beschleunigt.

Von Nicholas Buschschlüter, ARD-Börsenstudio

In der Corona-Pandemie ist vieles buchstäblich aus der Mode gekommen - zum Beispiel Kleidung einkaufen. Gezwungenermaßen, weil viele Geschäfte ja schließen mussten. Teilweise hätten die Umsatzeinbussen deshalb bei 60 Prozent gelegen, sagt Tanja Croonen vom Modeverband German Fashion. In dem Verband sind rund 350 vor allem mittelständische Hersteller-Unternehmen wie Bugatti, MarcCain oder Olymp organisiert. "Besonders betroffen waren die Hersteller in dem Segment Anzüge, Oberhemden, Abendgarderobe, weil zu der Zeit ja auch viele Anlässe weggefallen sind, wie zum Beispiel Hochzeiten, Abibälle und Konfirmationen", sagt Croonen. "Und weil sich die Bekleidung durch das Homeoffice und die Kurzarbeit schon sehr verändert hat." Die Jogging-Hose lässt grüßen.

Nicholas Buschschlüter

Die Pandemie beschleunigt manche Entwicklung

Gnadenlos deckte die Pandemie aber auch die Defizite der Unternehmen auf, die es schon vorher gab, aber nicht so deutlich waren - zum Beispiel das Verschlafen neuer Entwicklungen wie E-Commerce oder zu enge Kooperationen mit Kaufhäusern, sagt Christoph Schalast von der Frankfurt School of Finance and Management. "Dafür stehen Namen wie Escada, Esprit oder Picard. Daneben aber auch Händler wie Adler oder Hallhuber. Bei allen gab es unterschiedliche Ursachen, aber immer waren diese Ursachen bereits entstanden vor der Pandemie und wurden durch diese verstärkt."

Verstärkt hat sich aber auch der Konkurrenzdruck aus Fernost. Chinesische Megaplattformen wie Shein bieten Jeans, Tops und Blusen zu Dumping-Preisen per App unter zehn Euro an. Und Shein kann Kollektionen innerhalb von nur einer Woche produzieren - manche sagen auch, kopieren - und damit sehr schnell auf Trends reagieren, wenn zum Beispiel eine Schauspielerin ein schickes Kleid trägt. "Ultra Fast Fashion" nennt man das. Kein Geschäftsmodell für die heimische Hersteller-Industrie, erklärt Mode-Verbandssprecherin Croonen: "Wir vergleichen uns nicht mit 'Ultra Fast Fashion'-Unternehmen und werden das so auch nicht umsetzen, Kollektionen innerhalb einer Woche auf den Markt zu bringen." Die Branche gucke da genau hin: "Wir wollen Mode liefern an unsere Endverbraucher, die eben beständig ist. Nachhaltig, werthaltig, und die Dinge brauchen ein bisschen mehr Zeit."

Nachhaltigkeit für viele Kunden ein Kaufargument

Apropos nachhaltig: Unternehmen, die sich nicht um ihren CO2-Ausstoß oder soziale Faktoren kümmern, werden in Zukunft in der Kundengunst weiter zurückfallen, prognostiziert Finanzexperte Schalast. "Umweltbewusstsein, aber auch soziale Verantwortung - Stichwort: Kinderarbeit, Mindestlöhne - und insgesamt gute Unternehmensführung - Stichwort Korruption - sind ein Megatrend, und dieser Trend wurde durch die Krise verstärkt."

An der Börse laufen vor allem die Kurse der Modeunternehmen gut, die fast oder ganz auf Internethandel setzen; zum Beispiel Zalando. Auch der Börsengang des Online-Modehändlers About You aus Hamburg Mitte Juni übertraf die Erwartungen der meisten Börsianer. Die Aktien des schon vor der Pandemie schwer angeschlagenen Adler Modeunternehmen sind dagegen nur noch ein Pennystock, trotz Rettung durch das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht. Doch eine Ausnahme von der Regel gibt es auch: Seit ihrem Tiefstand im Oktober 2020 haben sich die Aktien von Hugo Boss mehr als verdoppelt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Juli 2021 um 12:37 Uhr.