Kunden stehen vor Schalten verschiedener Mietwagenfirmen am Flughafen von Palma de Mallorca | picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Mietwagenpreise steigen Wenn der Leihwagen zum Luxus wird

Stand: 22.05.2021 10:43 Uhr

Viele hoffen inzwischen auf einen entspannten Sommerurlaub. Doch der könnte teuer werden. Vor allem die Preise für Mietwagen ziehen kräftig an. In einigen Touristenorten werden die Autos schon knapp.

Von Klaus-Rainer Jackisch, HR

Der Schock kam bei der Buchung am Computer: Zwei Wochen Mietwagen auf Mallorca sollten es sein. Die Kosten für einen Kleinwagen liegen dort im Mai normalerweise um die 250 Euro. Anfang des Monats lag der Preis schon bei 370 Euro, mittlerweile verlangen die Vermieter mehr als 1000 Euro. Für viele Urlaubsreisende wird der Mietwagen dadurch zum wahren Luxusgut.

Klaus-Rainer Jackisch

Preisexplosion verärgert Kunden

In den vergangenen Monaten sind die Preise in den Urlaubsregionen dramatisch gestiegen. Die Branche verzeichne für die Sommermonate Juli und August in Griechenland Preisaufschläge von fast 170 Prozent, in Spanien von knapp 120 Prozent, so das Vergleichsportal billiger-mietwagen.de. Besonders stark ist das Plus auf den beliebten Balearen wie Mallorca oder Ibiza. Auch in Touristen-Hochburgen in Italien, Frankreich und Portugal zogen die Preise teils kräftig an.

Viele Kunden sind verärgert und fühlen sich angesichts der vielen Klagen über Job- und Einkommensverluste als Folge der Corona-Pandemie gerade in der spanischen Tourismus-Industrie übers Ohr gehauen. In einschlägigen Foren und Zeitungen etwa auf Mallorca sprechen Leser von "Abzocke" und "Wucherpreisen".

Aussagen von Branchen-Vertretern verstärken diesen Eindruck: So zitiert die Mallorca Zeitung Antonio Masferrer, den Vorsitzenden des dortigen Branchen-Verbandes Baleval, der vor allem die großen Autovermieter vertritt, mit den Worten: "Angebot und Nachfrage, das ist einfach. Zu Weihnachten wundert sich auch keiner, warum das Kilo Garnelen 90 Euro statt 30 Euro kostet." Auch Erich Sixt, Chef von Europas viertgrößter Autovermietung, tut wenig, um die Verärgerung der Kunden zu begrenzen. "Wir werden so hoch gehen, wie es uns der Markt erlaubt und was wir den Kunden gegenüber verantworten können", sagt er.

Sixt-Chef Erich Sixt spricht während einer Pressekonferenz | picture alliance/dpa

"Wir werden so hoch gehen, wie es uns der Markt erlaubt und was wir den Kunden gegenüber verantworten können", sagt Sixt-Chef Erich Sixt zur Preisgestaltung. Bild: picture alliance/dpa

Fahrzeugflotten stark verkleinert

Die Branche, in der sich auch viele schwarze Schafe tummeln, scheint die Gunst der Stunde zu nutzen, um sich aus der Krise herauszuarbeiten, in die Corona die Autovermieter gestürzt hat. Weil die Nachfrage dramatisch einbrach, trennten sich viele Anbieter von einem Großteil ihrer Fahrzeugflotte, schlossen Stationen und entließen Personal. Bei Sixt zum Beispiel lag der Gesamtbestand an Fahrzeugen im ersten Quartal bei durchschnittlich rund 93.000 - ein Jahr zuvor waren es noch knapp 131.000. Die Europcar-Gruppe verkleinerte ihre Flotte im selben Zeitraum von 293.000 auf rund 187.000 Fahrzeuge, die Avis Budget Gruppe von 607.000 auf 412.000 Fahrzeuge.

Zum Jahresanfang, zu dem Vermieter normalerweise neue Wagen kaufen, hielten sich viele mit Bestellungen neuer Fahrzeuge zurück. So investierte Sixt zu Jahresbeginn ein Drittel weniger in neue Mietwagen als im ersten Quartal 2020. Jetzt, nachdem sich durch Lockerungen bei den Corona-Beschränkungen und zunehmende Impferfolge eine starke Buchungsnachfrage für den Sommerurlaub abzeichnet, gibt es schlichtweg zu wenige Fahrzeuge.

Auf Mallorca zum Beispiel befinden sich nach Angaben des Verbandes Aveab, der die kleineren Vermieter vertritt, derzeit rund 30.000 Fahrzeuge. In den Jahren vor der Corona-Pandemie waren es durchschnittlich 100.000 Autos. "Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Saison 2020 konnte man vorab nur schwer einschätzen, ob das Geschäft dieses Jahr besser laufen wird“, so Ramón Reus, Präsident des Verbandes, gegenüber dem Mallorca Magazin. Einige Beobachter erwarten, dass die Fahrzeuge in der Hochsaison so knapp werden, dass Kunden auch leer ausgehen könnten.

Kurzfristige Nachbestellungen schwierig

Kurzfristig neue Fahrzeuge zu bekommen, ist auch nicht leicht: Weil Lieferengpässe bei Speicherchips derzeit die Automobilindustrie treffen, verzögert sich die Produktion neuer Fahrzeuge. Vor allem kleinere Vermieter haben derzeit auch nicht genug finanzielle Rücklagen, um ihre Flotten schnell wieder aufzustocken. Sie haben deshalb häufig auch eine schlechte Kreditwürdigkeit, während die Hersteller die Zahlungsziele verschärft haben.

"Selbst wenn die Vermieter wollen, können sie deshalb häufig ihre Flotte gar nicht so schnell wieder aufstocken", sagt Frieder Bechtel von billiger-mietwagen.de. Der Branchen-Profi erwartet während der Sommerferien auch keine Entspannung. Frühestens im Herbst könne mit einem Rückgang des Preisniveaus gerechnet werden.

Rückkehr zu Niedrigpreisen ungewiss

Ob die extrem günstigen Preise aus den Zeiten vor der Pandemie überhaupt wieder erreicht werden, ist fraglich. Denn die Branche befand sich schon vor Corona teilweise in Schieflage - eine Folge des ruinösen Wettbewerbs. Das galt auch für die großen Verleiher, etwa für Europcar oder Hertz, die alle einen hohen Schuldenberg vor sich herschoben. Beim Mietwagen-Pionier Hertz, Nummer zwei auf dem amerikanischen Markt, hatte das fatale Folgen: Wegen der Pandemie musste das Unternehmen zunächst über 20.000 Mitarbeiter entlassen, vor einem Jahr kam dann die Insolvenz.

Der scharfe Wettbewerb führte gerade auch in Spanien dazu, dass viel zu viele Anbieter um die Kunden buhlten und sich mit vermeintlichen Billig-Angeboten überboten. Um das Geld dann wieder reinzuholen, wurden Urlauber nicht selten vor Ort mit überteuerten Zusatz-Versicherungen über den Tisch gezogen. "Solche Dumping-Preise, bei denen Kunden mit zusätzlichen Leistungen unter Druck gesetzt wurden, sind jetzt komplett vom Markt verschwunden", sagt Bechtel. "Die Preise sind ehrlicher geworden."

Mietwagen verstopften die Urlaubsregionen

Hinzu kommt der ökologische Aspekt: Gerade auf Inseln wie Mallorca, Ibiza, Korsika oder Sardinien führte die hohe Mietwagen-Dichte immer wieder zu überfüllten Straßen und Parkplätzen, denen die örtlichen Behörden nur schwer mit Parktickets und Knöllchen hinterher kamen. Umweltorganisationen laufen seit Jahren Sturm gegen die dadurch entstandenen Belastungen für die Natur.

Vom Reisen in diesem Sommer dürfte die Entwicklung die Deutschen dennoch nicht abhalten. Wer die Urlaubskasse schonen will, muss deshalb in andere Regionen ausweichen. Was die Mietwagenpreise anbelangt gibt es in manchen Regionen auch noch vergleichsweise günstige Angebote - etwa in der Türkei sowie in weniger frequentierten Küsten-Abschnitten in Festland-Spanien, in Südfrankreich oder an der italienischen Riviera. Ganz billig wird die Reise aber auch da nicht.

Über dieses Thema berichtete "Börse vor Acht" am 28. Mai 2021 um 19:55 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sisyphos3 22.05.2021 • 21:04 Uhr

Angebot und Nachfrage

würde ich mal annehmen Weihnachtsbäume sind erfahrungsgemäß am 1. Weihnachtsfeiertag auch günstiger