Auf einem Smartphonedisplay sind mehrere Apps wie Instagram, facebook, Telegram, WhatsApp zu sehen. | Jens Eberl/WDR

Messengerdienste Wenn WhatsApp mit Signal funkt

Stand: 16.12.2021 15:13 Uhr

Viele User wären gerne unabhängiger von WhatsApp. Sie wünschen sich, dass verschiedene Messengerdienste untereinander kommunizieren können. Doch die Umsetzung ist schwierig.

Von Jens Eberl, WDR

In Deutschland nutzen fast 80 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer WhatsApp. Das macht es schwer, den Dienst zu wechseln, da viele Freunde oder Familienangehörige dann unter Umständen nur noch umständlich zu erreichen sind. Viele Menschen nutzen WhatsApp aber mit Unbehagen, denn es ist nicht wirklich klar, wie der Messengerdienst mit den Userdaten umgeht.

Jens Eberl

Debattiert wird nun, wie die Marktmacht dominanter Anbieter aufgebrochen und Abhängigkeiten reduziert werden könnten. Seit dem Inkrafttreten der Novelle des Telekommunikationsgesetzes zum 1. Dezember haben die Behörden da mehr Möglichkeiten. Die Bundesnetzagentur mahnt allerdings zur Vorsicht, hier nicht zu vorschnell regulierend einzugreifen.

In der Diskussion ist, die bisher überwiegend geschlossenen Kommunikationsnetzwerke auch für Anbieter konkurrierender Messengerdienste verpflichtend zu öffnen. Diese sogenannte Interoperabilität zwischen verschiedenen Diensten würde es Nutzern dann ermöglichen, beispielsweise eine Nachricht von WhatsApp an Signal oder Telegram zu schicken.

Mehr Wettbewerb auf Kosten des Datenschutzes?

Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur könnte das die Anbieter zwar zu mehr Wettbewerb zwingen, die Behörde befürchtet aber Verschlechterungen beim Datenschutz und der Datensicherheit. Die Hürden für die Umsetzung seien zudem hoch, warnt der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Deshalb dürfe man nichts überstürzen. "Beispielsweise bedarf es zunächst eines Rechtsaktes der Europäischen Kommission." Aufgrund der internationalen Verbreitung der Dienste sei es sinnvoll, europaweit zusammen zu arbeiten.

Die Behörde weist auch darauf hin, dass mögliche Maßnahmen nicht mehr Schaden als Nutzen verursachen dürfen. So dürften beispielsweise Messengerdienste nicht auf die Daten der Konkurrenz zugreifen. "Wer Dienste nutzt, die nicht zum Meta-Konzern gehören, tut dies im Zweifel, weil er möchte, dass seine Daten nicht dort landen", so Homann. Das müsse weiter sichergestellt sein.

Verbraucherzentrale hofft auf Vorteile

Die Verbraucherzentrale NRW erhofft sich aber positive Effekte für Verbraucherinnen und Verbraucher. "Zum einen kann eine solche Verpflichtung den Wettbewerb auf dem Markt für Messengerdienste und damit auch Innovation fördern. Auch wäre ein Wechsel zu anderen, datenschutzfreundlicheren Diensten für Verbraucher leichter möglich, monopolartige Strukturen auf dem Messenger-Markt könnten damit aufgebrochen werden", beschreibt Ayten Öksüz, die für Datenschutz in der digitalen Welt zuständig ist.

Messengerdienste wie WhatsApp, Signal, Telegram und Threema unterscheiden sich stark, was den Datenschutz betrifft. Die Verbraucherzentrale rät, sich vorab gut zu informieren und soweit möglich datenschutzfreundliche Dienste zu wählen, die eine standardmäßige oder zumindest einstellbare End-zu-End Verschlüsselung anbieten. Unabhängig von den Versprechen der Anbieter, wie sie mit gewonnenen Daten umgehen werden, könnten Verbraucher ihre eigenen Spuren verringern. "Sie müssen nicht zwingend den richtigen, vollständigen Namen angeben, können auf ein Profilfoto verzichten oder ein allgemeines Motiv wählen und für einige Informationen die Sichtbarkeit auf bestimmte Nutzergruppen wie Freunde oder eigene Kontakte beschränken", erklärt die Expertin der Verbraucherzentrale.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.