Ein Kugelschreiber liegt auf einem Antrag zum Abschlieߟen einer Lebensversicherung. | picture alliance/dpa/Deutsche Pr

Zu hohe Kosten? Lebensversicherungen im Visier der BaFin

Stand: 23.01.2023 08:57 Uhr

Sind die Kosten für Lebensversicherungen zu hoch? Laut Finanzaufsicht BaFin stechen insbesondere die hohen Vertriebskosten bei Lebensversicherern ins Auge.

Die Finanzaufsicht BaFin will überhöhten Kosten bei Lebensversicherungen einen Riegel vorschieben. "Hohe Kosten bedeuten nicht immer eine angemessen erhöhte Rendite", sagte Deutschlands oberster Versicherungsaufseher Frank Grund. "Wir haben hinreichend Beispiele, dass es keinen eindeutigen Bezug zwischen hohen Kosten und hoher Rendite gibt." Die Verzinsung des Altersvorsorgeklassikers bezieht sich nur auf den Sparanteil unter anderem nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten.

Die Finanzaufsicht stellte bei einer Untersuchung eine "erhebliche Spreizung" insbesondere der Vertriebskosten bei Lebensversicherern fest. "Wir konzentrieren uns jetzt auf das jeweils schlechteste Viertel: Die 25 Prozent der Unternehmen mit den höchsten Gesamtkosten und den höchsten Vertriebskosten wollen wir uns genauer anschauen", sagte Grund der Nachrichtenagentur dpa. "Bei einzelnen Unternehmen hinterfragen wir bereits sehr kritisch deren Kostengestaltung."

Höhere Rendite als langfristige Inflation

Die Finanzaufsicht hat auf Grundlage der Untersuchung den Entwurf eines Merkblatts vorgelegt. Danach sollten Altersvorsorgeprodukte mit "hinreichender Wahrscheinlichkeit" eine Rendite nach Kosten erzielen, die über einer langfristigen Inflationserwartung von zwei Prozent liege. "Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten zu Recht eine Rendite, die nach Kosten höher ist als die langfristige Inflation", sagte Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv).

Es sei gut, wenn die BaFin Produkte auf Kosten und Anreize hin überprüfe und sich mit Ausreißern auseinandersetzen wolle, sagte ein Sprecher des Versicherungsverbandes GDV. Es sei aber zu kurzsichtig, "bei Lebens- und Rentenversicherungen ausschließlich und allein auf die Rendite zu schauen." Sie böten Absicherungen während der Sparphase und bei einer Verrentung die Sicherheit, bis ans Lebensende eine gesicherte Zahlung zu erhalten. "Auch das ist Kundennutzen."

Nach der Auswertung der Stellungnahmen von Unternehmen und Verbänden zu dem Merkblatt will die BaFin ihre Vorgaben zur Kostengestaltung veröffentlichen, die sie ihrer Aufsichtspraxis zugrunde legt. "Wir erwarten, dass sich die Unternehmen daran orientieren und danach richten", sagte Grund.

Verbot von Abschlussprovisionen

Verbraucherschützer fordern darüber hinaus ein Verbot von Abschlussprovisionen, die Assekuranzen Versicherungsvertretern und -maklern für die Vermittlung von Lebensversicherungen zahlen. "Andere Länder wie die Niederlande oder das Vereinigte Königreich haben damit gute Erfahrungen gemacht, die Qualität der Finanzberatung und die Produktqualität sind in beiden Ländern dadurch gestiegen", sagte Mohn, Teamleiterin Finanzen beim vzbv.

In Brüssel wird derzeit über ein Provisionsverbot in der Europäischen Union diskutiert. Grund fände ein entsprechendes Verbot für den deutschen Markt "nicht gut, das würde ihn nur unzureichend abbilden. Eine gute Beratung ist wichtig und muss auch entsprechend bezahlt werden", sagte der Versicherungsaufseher. "Allerdings müssen Exzesse vermieden werden. Das ist unsere Stoßrichtung."

Unlängst hatte sich die BaFin zu steigenden Zinsen bei Lebensversicherungen geäußert. Viele Lebensversicherungskunden können nach Einschätzung der Finanzaufsicht in den kommenden Jahren mit steigenden Zinsen für die klassische Altersvorsorge rechnen. "Ich rechne schon damit, dass die Überschussbeteiligung in der Breite steigen wird, natürlich abhängig von der Situation am Kapitalmarkt insgesamt einschließlich der Aktien- und Immobilienmärkte", so Grund.

Über dieses Thema "Lebensversicherungen" berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2022 um 07:35 Uhr.