Abholstation eines Baumarktes
Überblick

"Click & Collect" Länder-Wirrwarr um Abholstellen

Stand: 17.12.2020 14:44 Uhr

Seit Mittwoch bieten Einzelhändler ihren Kunden an, Waren online zu bestellen und sie kontaktlos an Abholstationen entgegenzunehmen. Doch nicht überall ist der Service erlaubt. Ein Überblick.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Ob Warenhäuser, Elektronikmärkte, Baumärkte, Buchläden oder auch Mode- und Fachgeschäfte - sie alle versuchen derzeit, den wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns ein Schnippchen zu schlagen. Mit den im Fachjargon genannten "Click & Collect"-Abholangeboten nutzen sie ihre eigentlich geschlossenen Läden als Abholstellen für online oder per Telefon bestellte Waren.

Warenhäuser und Elektronikmärkte preschen voran

Douglas zum Beispiel wirbt mit dem Service "Trotz Lockdown: Abholen in der Filiale" auf der Homepage. Und auch Galeria Karstadt Kaufhof verspricht "Weihachtsgeschenke bis zum Schluss". Beide Händler bieten ihren Kunden an, noch kurzfristig Ware online zu reservieren und dann kontaktlos an den Abholstationen in den Filialen entgegenzunehmen.

Auch die Elektronikketten Media Markt und Saturn nutzen ihre Filialen derzeit als Pick-Up-Stationen. Ein ähnliches Angebot habe es schon im ersten Lockdown gegeben und sei von den Kunden gerne genutzt worden, so ein Unternehmenssprecher. Der Deko-Artikel-Spezialist Butlers ist ebenfalls auf den Zug aufgesprungen.

Buchhändler setzen auf Abholangebote

Viele Buchhändler - vom Branchenriesen Thalia bis zum Buchladen von nebenan - versuchen ebenfalls, mit Abholangeboten Leseratten und solche, die noch ein Weihnachtsgeschenk suchen, zu ködern. "Abholangebote sind gerade für die kleinen Buchhandlungen superwichtig", sagt Thomas Koch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Sie profitierten dabei vom engen Kontakt zu ihren Stammkunden.

Abholstation einer Buchhandlung

Abholstation einer Buchhandlung

Und dann sind da noch die Baumarktketten wie Obi, Bauhaus oder Hornbach, die den Kunden im Shutdown die Möglichkeit bieten, benötigte Materialien und Produkte online zu reservieren und dann in den Filialen abzuholen. Für die Baumärkte ist das eine neue Situation. Im Frühjahrs-Lockdown waren sie noch weitgehend geöffnet.

Mode- und Schuhläden halten sich zurück

Schwerer mit Abholstellen tut sich nach Angaben des Handelsverbands Textil (BTE) die Modebranche. Zwar gebe es einige mittelständische Modegeschäfte, die diesen Service anböten, sagt BTE-Sprecher Axel Augustin. Aber oft rechne es sich nicht, den Laden dafür offenzuhalten. Denn der Modebereich eigne sich angesichts der Passform-Problematik längst nicht so gut für "Click & Collect" wie etwa Bücher oder Elektronik. Deutschlands größter Schuhhändler Deichmann beispielsweise bietet inzwischen nicht mehr den Service an, online bestellte Schuhe in den Filialen abzuholen. Die Filialen seien geschlossen, erklärte ein Sprecher.

In drei Bundesländern untersagt

Allerdings sind die Abholstellen nicht in allen Bundesländern zugelassen. Der E-Commerce-Verband bevh hat auf seiner Homepage aufgelistet, was in den einzelnen Ländern in Sachen "Click & Collect" zulässig ist und was nicht. Vor allem in Süddeutschland, nämlich in Baden-Württemberg und Bayern, ist es nicht erlaubt. "Die Öffnung von Ladengeschäften mit Kundenverkehr und zugehörigen Abholdienste sind untersagt", heißt es in der Anti-Corona-Verordnung von Bayern. Auch Sachsen verbietet das "Click & Collect".

In Thüringen sind Abholstationen nur für Buchhandlungen erlaubt. Alle anderen Bundesländer lassen "Click & Collect" in ihren Verordnungen zu. Im Land Hessen ist das Anbieten von Abhol- und Lieferdiensten den für den Publikumsverkehr geschlossenen Verkaufsstätten sogar "ausdrücklich erlaubt".

Entlastung des elektronischen Handels

Der E-Commerce-Verband bevh, dessen Mitglieder Amazon, Hornbach, H&M, Otto und Thalia, aber auch kleine Mittelständler sind, fordert seit April in ganz Deutschland die Zulassung von "Click & Collect". Es sichere die Versorgung und helfe damit allen die Krise leichter auszuhalten, erklärt der Verband. "Es ist eine wichtige Option, dem Handel in dieser verschärften Lage eine Perspektive zu bieten und ein geeignetes und milderes Mittel als das quasi vollständige Verkaufsverbot", sagt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh. Dem E-Commerce-Verband geht es auch darum, dass im aktuellen Knallhart-Lockdown die E-Commerce-Systeme entlastet werden.

"Hilft vor allem den Großen"

Für die Händler ist "Click & Collect" nicht zuletzt ein Versuch, den wirtschaftlichen Schaden durch den Lockdown zu verringern. "Es bringt den Händlern vielleicht nicht viel, ist aber auch ein bisschen besser als gar nichts", sagt der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Er ist überzeugt: "Click & Collect" wird vor allem den Großen im Handel helfen, nicht den Kleinen, die es am nötigsten hätten."

Denn Voraussetzung für eine reibungslos laufende Abholstation sei ein funktionierendes elektronisches Warenwirtschafts-System, das dem Kunden bei der Online-Bestellung zuverlässig sagen könne, ob ein Artikel noch im Laden vorrätig sei oder nicht. Das aber hätten viele kleine Händler nicht.

Über dieses Thema berichteten am 17. Dezember 2020 MDR aktuell um 15:19 Uhr und WDR 5 "Morgenecho" um 06:50 Uhr.