Fernsehgeräte verschiedener Größen stehen in einer Filiale der Elektronikkette Saturn | picture alliance/dpa

Trotz hoher Inflation Wo die Preise sinken

Stand: 29.11.2022 15:32 Uhr

Zwar ist die Inflation im November überraschend gesunken. Viele Verbraucher erleben beim Einkauf aber trotzdem Preisschocks. Doch es gibt auch Produkte und Dienste, die günstiger geworden sind.

Von Emal Atif, tagesschau.de

Seit Monaten steigen die Verbraucherpreise. Im November lag die Inflationsrate bei 10,0 Prozent, so die erste Schätzung des Statistischen Bundesamtes. Das ist im Vergleich zum Vormonat immerhin ein leichter Rückgang um 0,4 Prozentpunkte. Und tatsächlich: Trotz der noch immer hohen Inflation gibt es Branchen, die ihre Preise senken.

Telekommunikation und Technik billiger

Vor allem im Bereich Telekommunikation und Technik fielen die Preise. Betriebssysteme oder andere Computersoftware waren im Oktober 7,3 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Die Preise für Fernsehgeräte und Satellitenanlagen fielen im Oktober um 2,5 Prozent, und drahtlose Telekommunikationsdienstleistungen waren 3,4 Prozent günstiger als im Vorjahreszeitraum. Auch Dienstleistungen wie die Betreuung in Altenwohnheimen waren 2,8 Prozent günstiger als im Oktober 2021. Günstiger wurden auch Bahntickets - trotz des Auslaufens des 9-Euro-Tickets: Grund hierfür war, dass Sparpreise im Fernverkehr länger verfügbar waren.

Wieder mehr Rabatte bei Neuwagen

Neuwagenkäufer in Deutschland können wieder mit erschwinglicheren Preisen rechnen. Die aktuelle Marktstudie des Duisburger Center Automotive Research (CAR) deutet darauf hin, dass sich hier nach zuletzt deutlich steigenden Preisen und Rabattkürzungen eine Trendwende ankündigt. Danach gab es erste Rabattaktionen schon im Oktober. Die Preissenkungen würden sich in den kommenden Monaten aber weiter beschleunigen.

"Die Zeit der Rabatte kommt wieder zurück", erklärte Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer. Grund dafür ist die sinkende Kaufbereitschaft der Verbraucher aufgrund der hohen Inflation. Auch steigende Zinsen, die die Finanzierung verteuern, drücken die Nachfrage. Während die Produktion besser läuft, halten Kunden sich zurück. Das bringt die Autohändler in Zugzwang.

Sinkende Frachtraten versprechen Entspannung bei Preisen

Auch wenn sich der Zusammenhang nicht auf den ersten Blick erschließt, haben Frachtraten einen großen Einfluss auf die Preise beim täglichen Einkauf. Die seit 2020 massiv erhöhten Frachtraten haben Importe deutlich verteuert und Lieferketten stark belastet. Die Folge waren hohe Kosten und unsichere Lieferzeiten.

Branchen, die auf Lieferungen vor allem aus Asien angewiesen sind, waren besonders stark betroffen. Laut der UN-Entwicklungsagentur UNCTAD machen die steigenden Preise im internationalen Seeverkehr 1,5 Prozentpunkte der hohen Inflation aus. Nach den Engpässen der letzten Monaten gibt es aber wieder Überkapazitäten bei den Schiffscontainern. Die Frachtraten sinken deshalb im Rekordtempo und sind fast wieder so günstig wie vor Corona. Das verspricht auch Entspannung bei den Preisen.

Weniger Firmen wollen ihre Preise erhöhen

Weniger Unternehmen als im Vormonat planen, ihre Preise demnächst zu erhöhen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des ifo-Instituts. Die Gastronomie zum Beispiel plant deutlich seltener mit höheren Preisen als im Vormonat, ebenso der Einzelhandel mit Fahrrädern oder Hersteller von Textilien. Das Papiergewerbe plant sogar mit sinkenden Verkaufspreisen.

Allerdings: Die Preissenkungen in einigen Bereichen gleichen die extremen Preissteigerungen insgesamt nicht aus. Die Preise des täglichen Bedarfs wie Nahrungsmittel und Energie sind deutlich teurer geworden. Angesichts der massiven Inflation schränken sich bereits sechzig Prozent der Verbraucher beim Einkaufen ein, so eine Studie des Handelsverbands Deutschland (HDE). Der Lebensmittelhandel plant sogar weitere Preisanhebungen.

Über dieses Thema berichtete am 29. November 2022 tagesschau24 um 14:00 Uhr und Inforadio um 14:41 Uhr.