Ein Mann bedient eine Wärmepumpe | dpa

Neue Regeln ab 2024 Wie es beim Heizen weitergehen soll

Stand: 26.08.2022 11:06 Uhr

Die Bundesregierung plant beim Heizungstausch deutlich strengere Regeln: Ab 2024 soll jede neue Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Was bedeutet das für Immobilienbesitzer?

 Von Eva Huber, ARD-Hauptstadtstudio

Im fränkischen Bamberg wird ein ganzes Quartier ausgebaut - 100 Jahre alte Gebäude neben Neubauten. Das Besondere an diesem Quartier in Bamberg sei das Heizungskonzept, erzählt der Geschäftsführer der Stadtwerke Bamberg, Michael Fiedeldey Bundesbauministerin Klara Geywitz. Die SPD-Politikerin hat das Bauprojekt jüngst besichtigt.

Eva Huber ARD-Hauptstadtstudio

"Uns gelingt es hier, zwischen 70 und 80 Prozent der Energie, die dieses heterogene Quartier benötigt, regenerativ zu erzeugen. Das ist musterweisend," sagt Fiedeldey. Er setzt bei dem neuen Heizungskonzept vor allem auf große Wärmepumpen. Die nutzen zum Beispiel die Wärme des Bamberger Abwassernetzes. Außerdem sind überall auf dem Gelände große Erdwärme-Kollektoren verteilt. Das sind Schläuche im Boden, die die Wärme dort für die Wärmepumpe sammeln.

Die Bauministerin ist zufrieden: "Sie haben jetzt schon umgesetzt, was der gesetzliche Standard der Zukunft sein wird." Diese Zukunft ist gar nicht mehr so weit weg. Ab 2024 soll eine neue Regel gelten. Jede neue Heizung soll dann zu 65 Prozent mit Erneuerbaren betrieben werden - als Beitrag zu den Klimazielen.

Welche Heizungen kommen in Frage?

Wenn die alte Heizung kaputt geht, muss die Heizung, die dann neu eingebaut wird, diese Bedingung erfüllen. Was heißt das konkret? "Wir im Bauministerium sagen immer, Materialoffenheit ist wichtig, Technologieoffenheit ist wichtig", so Geywitz: "Aber die Wärmepumpe ist im Bereich der Wärmewende ein wesentlicher Player."

Mit der Wärmepumpe lässt sich die neue Vorgabe leicht erfüllen, denn sie kann zu 100 Prozent erneuerbar sein. Aber in vielen Altbauten lässt sich die Gas- oder Ölheizung nicht so leicht durch eine Wärmepumpe ersetzen. Die Besitzer müssen sanieren - mal mehr, mal weniger aufwendig - oder zu Alternativen greifen. 

Bau- und Wirtschaftsministerium haben dazu ein erstes Konzept erarbeitet, mit Vorschlägen. Zum Beispiel können sich Hausbesitzer an die Fernwärme anschließen lassen - wenn es die in ihrer Straße gibt. Wer genug Platz hat, kann auch eine Heizung mit Holzpellets oder Hackschnitzeln einbauen. 

Hybridheizung könnte Lösung sein

Ist das alles nicht möglich, hilft nur eine ganz individuelle Entscheidung, sagt Norbert Azuma-Dicke vom Verband der Deutschen Heizungsindustrie: "Die Herausforderung ist, dass die Gebäude in Deutschland alle so unterschiedlich sind. Es wird sehr schwer sein, eine Vorgabe zu machen, die von allen Gebäuden zu erfüllen sein wird."

Heißt: Jeder Besitzer wird für sein Haus individuell ausrechnen müssen, wie er auf die 65 Prozent kommt. Oft könnte es auf Hybridheizungen hinauslaufen, also eine Gasheizung kombiniert zum Beispiel mit einer Wärmepumpe oder Solarthermie auf dem Dach. Möglich wäre auch, die Gasheizung mit erneuerbaren Gas zu heizen, etwa mit grünem Wasserstoff oder Biomethan. Aber diese Gase gibt es bisher nicht in großen Mengen, und sie werden wohl noch jahrelang sehr teuer sein.

Vorgaben könnten für Ärger sorgen

Es kommt also einiges auf Immobilienbesitzer zu. Fideldey von den Stadtwerken Bamberg fürchtet, die 65-Prozent-Vorgabe könnte zu Ärger und Unverständnis führen. Er hält den aktuellen Transformationsprozess, der in so kurzer Zeit vonstatten gehen soll, für ausgesprochen schwierig: "Hinzu kommt die Diskussion, die das auslösen wird, etwa über die Bezahlbarkeit. Das wird unendlich schwierig."

Noch sind viele Fragen offen. Das Bau - und das Wirtschaftsministerium arbeiten an einen Gesetzentwurf. Erst wenn der fertig ist, werden Immobilienbesitzer wissen, was konkret auf sie zukommt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. August 2022 um 06:40 Uhr.