Sammel- und Verkaufsstelle für alte Handys | dpa

Elektro-Recycling Wohin mit dem alten Handy?

Stand: 29.12.2021 12:06 Uhr

Im Schnitt alle zwei bis drei Jahre kaufen sich die Deutschen ein neues Mobiltelefon. Die Altgeräte werden entweder falsch entsorgt - oder gar nicht. Würde ein Handypfand helfen?

Von David Zajonz, WDR

Auch in diesem Jahr lagen gewiss wieder viele Smartphones unter dem Weihnachtsbaum. Ungefähr ebenso viele alte Geräte haben damit für ihre bisherigen Nutzerinnen und Nutzer ausgedient. In ihnen schlummern aber wertvolle Rohstoffe, die bislang noch viel zu selten wiedergenutzt werden.

David Zajonz

Smartphones auf keinen Fall in den Hausmüll

Der Digitalverband Bitkom hat in einer Befragung ermittelt, dass mehr als 200 Millionen Alt-Handys in Privatwohnungen lagern. "Das hilft niemandem", stellt Rolf Buschmann von der Umweltschutzorganisation BUND fest. Er appelliert, funktionierende Geräte möglichst wieder in Umlauf zu bringen. "Am sinnvollsten ist es, gebrauchte Smartphones an Freunde oder Verwandte zu verschenken", sagt Buschmann. Alternativ könne man sie auch online verkaufen.

Auf gar keinen Fall sollen alte Smartphones hingegen im Hausmüll entsorgt werden. Die Abgabe von noch funktionstüchtigen Handys bei Wertstoffhöfen​ und die Rückgabe bei Elektrohändlern sieht Buschmann kritisch. "Dort besteht die Gefahr, dass das Smartphone zusammen mit anderen Elektrogeräten im Schredder landet", glaubt der Umweltschützer. "Wer sein Smartphone an eine Sammelstelle abgibt, sollte darauf achten, dass dort eine Funktionalitätsprüfung vorgenommen wird", lautet Buschmanns Empfehlung. Denn es gilt die Grundregel, dass die Weiter- oder Wiederverwendung umweltfreundlicher ist als das Recycling.

Nur kleiner Teil der Handys wiederverwendbar

Das Kölner Unternehmen Mobile Box bemüht sich nach eigener Darstellung darum, Smartphones für die Wiederverwendung fitzumachen. Die Erfolgsquote ist aber nicht sehr hoch. Nach Angaben von Mobile Box eignen sich zehn bis 20 Prozent der eingesammelten Mobiltelefone für die Wiederverwendung, der Rest wird recycelt. Ähnliche Angaben macht auch die Telekom mit Blick auf ihr eigenes Sammel-Programm.

O2/Telefonica kooperiert bei seinem Sammelprogramm mit dem Naturschutzbund NABU. Hier liegt die Erfolgsquote offenbar noch viel niedriger. 110.000 Altgeräte sammelt das Unternehmen im Jahr. Davon seien aber nur Geräte "im niedrigen vierstelligen Bereich" für die Wiedervermarktung geeignet, teilt O2 auf Anfrage mit.

Forderung nach Handypfand

Doch auch das Recycling in spezialisierten Anlagen kann der Umwelt helfen. Dabei werden wertvolle Metalle wie Gold, Silber, Kupfer und Kobalt aus den alten Mobiltelefonen gewonnen. "Nach dem Recycling sind Metalle genauso gut wie neue Metalle, sie können wieder für ein neues Handy genutzt werden", erklärt Umweltexperte Henning Wilts vom Wuppertal Institut. "Bis auf die Kunststoffhülle kann fast alles im Smartphone recycelt werden", erläutert er. Wirtschaftlich lohne sich der Aufwand aber nicht unbedingt: "Durch das Recycling wird Material im Wert von etwa 80 Cent gewonnen", sagt Wilts.

Umweltverbände fordern deshalb schon lange ein Handypfand, das beim Kauf von Neugeräten anfallen würde. Dadurch würden, so zumindest die Hoffnung, mehr Geräte wieder zurückgegeben werden. "Bei größerer Stückzahl würde es sich auch wirtschaftlich mehr lohnen, die Geräte zu recyceln", argumentiert Umweltexperte Wilts.

Umweltministerium offen für Pfandsystem

In der Bundesregierung treffen solche Überlegungen durchaus auf offene Ohren. "Für neu erworbene Mobilgeräte kann künftig auch ein Pfandsystem einen Anreiz darstellen", sagt Bettina Hoffmann, Parlamentarische Staatssekretärin im von den Grünen geführten Bundesumweltministerium.

Wie hoch ein solches Handypfand ausfallen könnte, erklärte das Ministerium auf Anfrage aber nicht. Vor zwei Jahren hatte die Grüne Bundestagsfraktion eine Summe von 25 Euro pro Smartphone und Tablet ins Spiel gebracht.

Offenbar könnte die Bundesregierung bei einer solchen Regelung auf breite Unterstützung aus der Bevölkerung zählen. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage hatten sich im Juni 87 Prozent der Befragten für ein Handypfand ausgesprochen. Auftraggeber der Umfrage war die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 01. August 2012 um 16:50 Uhr.