Vorlage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, für Plakate zum Energiekostenvergleich an Tankstellen | Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
FAQ

Energiepreise Kostenvergleich an der Tankstelle

Stand: 01.10.2021 10:45 Uhr

Von heute an müssen Tankstellen mit mehr als sechs Zapfsäulen einen Energiekostenvergleich aushängen. Er erklärt, welcher Treibstoff welche Kosten auf 100 Kilometer verursacht. Wie funktioniert das?

Was zeigt der Energiekostenvergleich?

Größere Tankstellen mit mindestens sieben Mehrfachzapfsäulen müssen von heute an einen Kostenvergleich verschiedener Treibstoffe wie Benzin, Diesel, Strom, Erdgas oder Wasserstoff in Euro aushängen. Den Kostenvergleich gibt es für derzeit sieben verfügbaren Antriebe und zwei unterschiedliche Fahrzeuggrößen. Nur für Wasserstoff bei kleineren Fahrzeugen fehlt mangels Daten ein Wert.

Zur besseren Vergleichbarkeit beziehen sich die Werte auf 100 Kilometer Reichweite. Bisher ließen sich die verschieden Energieträger durch unterschiedliche Einheiten nur schwer miteinander vergleichen.

Wo hängen die Plakate?

Der Kostenvergleich muss sichtbar an mindestens der Hälfte der Zapfsäulen oder im Inneren der Tankstelle hängen. Die Betreiber können dabei selbst entscheiden, ob dies in Form eines Posters oder mittels einer digitalen Anzeige geschieht. Allerdings werden nur an etwa 1500 der insgesamt 14.500 Tankstellen in Deutschland überhaupt Plakate hängen, da alle anderen weniger Mehrfachzapfsäulen haben.

Wie werden die Daten berechnet?

Um vergleichbare Werte zu erhalten, berechnet man einen Durchschnittsverbrauch der drei meistverkauften Fahrzeuge pro 100 Kilometer. Zusammen mit dem Preis für den jeweiligen Energieträger ergeben sich dann die Kosten, die in der Vergleichstabelle stehen.

Für den Preis nutzt das Bundeswirtschaftsministerium aktuell den Durchschnittswert der Preise für den jeweiligen Energieträger des zweiten Quartals, diese Zahlen sind auf dem Plakat aber nicht angegeben. Die Daten werden alle drei Monate vom Bundeswirtschaftsministerium neu berechnet und können dort heruntergeladen werden.

Wie zuverlässig sind die Werte?

Bei den dargestellten Daten handelt es sich nur um grobe Vergleichswerte, da sowohl der Fahrstil als auch der konkrete Autotyp zu großen Schwankungen führen können. Andere Kosten rund ums Auto wie Anschaffung, Reparaturen, Versicherung und Steuer bleiben außen vor, ebenso wie Schwankungen in den Preisen der Energieträger: Laut Zahlen des ADAC ist etwa der Diesel seit dem zweiten Quartal um knapp elf Cent gestiegen; dies spiegelt sich in der Tabelle aber nicht wider.

Problematisch ist außerdem die Berechnung der Energiekosten für Elektroautos. Sie sind im Vergleich zu einem herkömmlichen Benziner um mehr als die Hälfte günstiger, weil dort der Haushaltsstromtarif zugrunde gelegt wird. Dieser liegt laut Energiewirtschaftsverband BDEW bei etwas über 30 Cent pro Kilowattstunde, wohingegen der Preis an Schnellladesäulen bis zu 79 Cent pro Kilowattstunde betragen kann.

Dahinter stecken unter anderem Kosten für die Infrastruktur, Betrieb, Wartung, Flächennutzung und die Zahlungsabwicklung. Das Wirtschaftsministerium rechtfertigt die Nutzung des Haushaltsstromtarifs unter anderem damit, dass mehr als 80 Prozent der Ladevorgänge zu Hause stattfänden. Mittelfristig sollen aber auch die Kosten für das Laden unterwegs mit in die Berechnung einfließen.

Welches Ziel hat der Kostenvergleich?

Mit der Vergleichstabelle sollen die Kosten der unterschiedlichen Antriebsmöglichkeiten transparent dargestellt werden. Das Ziel ist es, Verbraucher für alternative Antriebe zu sensibilisieren. Denn bei Verbraucherumfragen ließ sich hier nach Informationen des Bundeswirtschaftsministeriums ein großes Defizit erkennen: So stuften bei der Befragung mehr als 80 Prozent ihr Wissen zu alternativen Kraftstoffen als unzureichend ein. Und 55 Prozent der Befragten gaben an, mehr Informationen zu den Kraftstoffkosten würden die Wahl ihres nächsten Autos beeinflussen.

Warum gibt es den Energiekostenvergleich?

Die Gesetzesänderung, die im Juni diesen Jahres beschlossen wurde, setzt eine neue EU-Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFID) um. Die AFID schlägt vor, dass "bei der Anzeige von Kraftstoffpreisen an Tankstellen, insbesondere für Erdgas und Wasserstoff, (…) gegebenenfalls auf eine Maßeinheit bezogene Vergleichspreise zu Informationszwecken angezeigt" werden. Dabei gilt, dass die Anzeige dieser Informationen "den Verbraucher nicht irreführen oder verwirren" darf.

Wie sind die Reaktionen auf die Gesetzesänderung?

Der ADAC begrüßt die Änderung, ebenso der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): "Der Vergleich macht deutlich, dass die Elektromobilität für viele Autofahrerinnen und -fahrer nicht nur eine klimafreundliche, sondern auch eine finanziell attraktive Alternative ist."

Der Mineralölwirtschaftsverband MWV hingegen kritisiert vor allem die Darstellung der Kosten für E-Mobilität, die nur den Haushaltsstrompreis zugrunde legen: "Öffentliches und vor allem schnelles Laden ist meist teurer, und das reduziert den Preisunterschied zum Benziner erheblich." Auch vom Tankstellenverbands ZTG gibt es viel Kritik, etwa vom Geschäftsführer Jürgen Ziegner, der das Plakat für "so überflüssig wie einen Kropf" hält. "Es nutzt mir ja wenig, wenn ich unterwegs bin und tanken muss, und dann erfahre, wie viel ich zu Hause für den Strom gezahlt hätte", kritisiert er.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.