Brautkleider in einem Schaufenster und im Vordergrund ein Hinweisschild zur Maskenpflicht während der Corona-Pandemie

"Click & Meet" im Handel Termin-Shopping als "Lichtblick"

Stand: 24.02.2021 17:59 Uhr

Seit Monaten haben zahlreiche Geschäfte ihre Türen geschlossen und leiden unter den Einbußen. In einigen Bundesländern dürfen sie bald für einzelne Kunden wieder öffnen - nach Terminvergabe. Hilft das weiter?

Von Till Bücker, tagesschau.de

Während Friseure, Gartencenter und örtlich auch Baumärkte trotz Lockdown wieder geöffnet haben oder in Kürze öffnen dürfen, bleiben viele Läden dagegen vorerst weiter zu. Vor der Bund-Länder-Konferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten am kommenden Mittwoch wächst die Debatte um mögliche Lockerungen im Einzelhandel.

Bereits an diesem Freitag will Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit seinen Amtskollegen aus den Ländern über eine Öffnungsstrategie beraten. Stand jetzt sollen ab dem 8. März weitere Läden öffnen dürfen - aber nur in Regionen, in denen es nicht mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen gibt.

Immer mehr Unternehmen ziehen mittlerweile vor Gericht, um vorzeitig ein Ende der Schließungen zu erzwingen. Zudem verlangen zahlreiche Stimmen aus Politik und Wirtschaft einen neuen Plan und mehr Tempo, um ein Aussterben des Einzelhandels zu verhindern. Eine Methode könnte das sogenannte "Click & Meet" werden - das Einkaufen mit Terminvergabe.

Ein Haushalt darf shoppen

Als erstes Bundesland kündigte Rheinland-Pfalz nun an, ab dem 1. März ein Termin-Shopping zu ermöglichen. Das sei eine Erweiterung der "Click & Collect"-Regelungen und "zum Beispiel für Bekleidungsgeschäfte und Brautmodenläden eine Perspektive", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstag. Ein Hausstand dürfe nach vorheriger Vereinbarung das Geschäft betreten. Dabei müsse eine Maske getragen werden und es gelte die Pflicht zur Kontakterfassung.

Malu Dreyer

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, kündigte in dieser Woche das "Click und Meet"-Konzept an.

Auch in anderen Bundesländer wird das "Click & Meet" diskutiert. So soll der Einzelhandel in Sachsen-Anhalt bis zu zwei Kunden nach vorheriger Anmeldung empfangen dürfen, wenn die Inzidenz fünf Tage unter 50 liegt, wie die Landesregierung am Dienstag mitteilte. Nach Informationen des "Weser-Kurier" denkt der Senat in Bremen ebenfalls darüber nach und will das Thema in der kommenden Woche abschließend besprechen.

Schon in der Bund-Länder-Konferenz im Februar hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) dahingehend einen Vorstoß gewagt, jedoch keine Mehrheit bekommen. Als einen möglichen Schritt bezeichnete das Konzept der Chef der hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (CDU), die Anprobe oder Begutachtung vor Ort. "Ein solch gesteuerter Zugang zu den Geschäften ist besser, als wenn gleich tausende Menschen vor den Warenhäusern stehen", sagte er.

Voraussichtlich will Bouffier die Idee bei der nächsten Konferenz erneut ins Gespräch bringen. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen) sprach sich zuletzt für vermehrten Einsatz von "Click & Meet" aus.

Klagewelle gegen Geschäftsschließungen

Der Druck auf die Politik wächst - und die Zeit drängt. Denn egal ob MediaMarktSaturn, Obi oder der Modehändler Breuninger: Bei immer mehr Einzelhändlern in Deutschland reißt nach Monaten des Lockdowns der Geduldsfaden. Auf die deutschen Gerichte rollt derzeit eine Klagewelle zu.

Deutschlands größter Elektronikhändler stellte etwa beim Oberverwaltungsgericht Münster einen Eilantrag auf Aufhebung der Betriebsschließungen in Nordrhein-Westfalen. Anträge in weiteren Bundesländern sollen folgen. "Die bereits seit mehr als zwei Monaten bestehenden Betriebsschließungen in Deutschland sind unverhältnismäßig. Der Einzelhandel war nachweislich nie ein Infektionshotspot", begründete Deutschland-Chef Florian Gietl den Schritt.

Ähnlich sehen es große deutsche Handelsketten, Shopping-Center-Betreiber oder Modehersteller. Sie fordern gemeinsam eine zeitnahe Öffnungsperspektive für den Einzelhandel. Der Eigentümer des größten deutschen Schuhhändlers Deichmann, Heinrich Deichmann, sagte der Deutschen Presse-Agentur, immer mehr Einzelhändler kämen in eine bedrohliche Lage. Es bestehe "die akute Gefahr, dass viele Menschen in der Branche in den nächsten Monaten ihren Arbeitsplatz verlieren und dass Ladenschließungen zur Verödung von urbanen Räumen führen".

Der Chef des Bekleidungsherstellers s.Oliver, Claus-Dietrich Lahrs, drängte darauf, eine Balance zwischen Gesundheitsschutz und Wirtschaftsinteressen herzustellen. "Wir gehen fest von einer Wiederöffnung am 8. März aus. Wir brauchen diese verbindliche Öffnungsperspektive."

"Lichtblick für Kunden und Unternehmer"

Ein erster Schritt dahin könnte das "Click & Meet"-Konzept sein. Es sei schon länger als Übergangslösung gefordert worden, betont Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands (HDE) Rheinland-Pfalz, im Gespräch mit tagesschau.de. Er halte die Maßnahme für eine sinnvolle Überbrückung sowie "einen Lichtblick für Kunden und Unternehmer".

Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Rheinland-Pfalz

Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Rheinland-Pfalz, sieht das Konzept als sinnvolle Überbrückung.

"Besonders für kleine Läden ist das eine Chance", sagt Scherer. Etwa für Brautmodegeschäfte sei das System hilfreich, weil dort die Beratung sehr intensiv und kalkulierbar ausfalle.

Allerdings gibt es laut dem HDE Rheinland-Pfalz auch noch viele Unklarheiten - beispielsweise bei der Kundenanzahl in größeren Kaufhäusern oder der zeitlichen Planung. "Noch ist alles ein wenig Wischi-Waschi", so der Hauptgeschäftsführer. Die offizielle Landesverordnung für Rheinland-Pfalz komme erst am Freitag.

Lohnt sich das Konzept?

Ministerpräsidentin Dreyer sagte am Dienstag, bei mehreren Einzelterminen für einen Tag sei ein Zeitraum von mindestens fünfzehn Minuten zwischen Ende und Anfang der jeweiligen Termine freizuhalten, um Hygienemaßnahmen vorzunehmen und zu lüften. Scherer hält das für schwierig. Ein Beratungsgespräch könne immer mal länger dauern, und der Verkäufer müsse einen Puffer einplanen. "Ich bin dafür, dass ein Hausstand das Geschäft mit Maske und den Hygiene-Regeln betreten darf. Wenn der Termin fertig ist, kommt der nächste rein."

Auch hinsichtlich der Größe eines Ladens gebe es noch keine Vorgaben: Darf ein Haushalt pro Stockwerk zugelassen werden, gibt es Quadratmeter-Begrenzungen, oder ist tatsächlich immer nur ein Haushalt erlaubt?

Bei größeren Geschäften stelle sich unabhängig davon die Frage, ob sich das Konzept wirtschaftlich lohnt, meint der Experte. Denn die Händler müssten etwa mit Personal- und Stromkosten Geld in die Hand nehmen, könnten den Erfolg aber nur schwer messen. Zudem sei die Maßnahme zunächst für zwei Wochen begrenzt.

Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass Kunden sich zwar beraten lassen, anschließend aber nichts kaufen. "Wir gehen allerdings davon aus, dass Kunden mit einem Termin auch einen Bedarf haben. Wenn die Produkte vorrätig sind, werden sie auch verkauft", stellt Scherer gegenüber tagesschau.de klar.

Bundesweite Regelungen gefordert

Auf der Bundespressekonferenz am Donnerstagvormittag will HDE-Bundesgeschäftsführer Stefan Genth ebenfalls Stellung zum Thema "Click & Meet" nehmen. Zuletzt hatte er vor einem regionalen Regelchaos bei Geschäftsöffnungen gewarnt. "Es muss dringend transparente, bundeseinheitliche Regelungen geben, die klarmachen, unter welchen Bedingungen welche Lockerungen möglich sind", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Auch Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann forderte eine schnelle einheitliche Strategie. "Wenn etwa in einigen Bundesländern Brautmoden-Geschäfte Termine vergeben können, muss das flächendeckend für den gesamten Einzelhandel möglich sein. So werden Abstände eingehalten, eine lückenlose Nachverfolgung ist möglich. Weitere Schritte müssen folgen."

Kein Unternehmen habe heutzutage eine Überlebenschance, wenn es sich nicht ständig neu erfinden würde. "Diese Kreativität muss auch Politik leisten und mehr bieten, als den Lockdown einfach immer weiter zu verlängern", so Linnemann.

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