Eine Hand dreht einen Heizkörper auf. | picture alliance / dpa

Steigende Energiepreise Die Heizung ist das Problem

Stand: 17.10.2021 04:32 Uhr

Die Preise für fossile Energieträger wie Gas steigen und steigen. Das trifft die Verbraucher auch deswegen so stark, weil in Deutschland kaum mit regenerativen Energien geheizt wird. Andere Länder sind da weiter.

Von Kirsten Girschick, ARD-Hauptstadtstudio

Die Gaspreise steigen, Verbraucher müssen mehr zahlen und die Politik überlegt, wie Einkommenschwächeren geholfen werden soll. Dabei müssten die Auswirkungen von Gaspreissteigerungen längst nicht so gravierend sein, wie sie jetzt für viele Mieter und Hausbesitzer sind.

Kirsten Girschick ARD-Hauptstadtstudio

2008 waren die durchschnittlichen Gaspreise für Verbraucher sogar höher als heute. Mehr als acht Cent pro Kilowattstunde waren es damals. Doch noch immer wird die Hälfte der deutschen Wohnungen mit Gas geheizt, in jede dritte Neubauwohnung wird noch eine Gasheizung eingebaut.

Energieexperten wie Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betonen, man habe 2008 und 2009 nicht die richtigen Schlüsse aus den Preissteigerungen gezogen. Man habe die Energiewende, mit der man eine größere Unabhängigkeit von fossilen Energien erreichen wollte, verschleppt.

Versäumnisse im Gebäudesektor

Tatsächlich ist der Gebäudebereich der "Elefant im Raum" wenn es um die Erreichung der Klimaziele geht. Bau und Betrieb von Gebäuden produzieren große Mengen CO2. Jährlich sind es in in Deutschland ungefähr 120 Millionen Tonnen, nur etwas weniger als der Verkehr mit 146 Millionen Tonnen. Eine Umstellung auf erneuerbare Heiz-Energien ist also wichtig für den Klimaschutz - und lohnt sich auch finanziell.

"Ein Haus, das Sie heute entsprechend der für 2045 notwendigen Standards produzieren, das brauchen Sie in den nächsten 50 Jahren nicht mehr sanieren", erklärt Taco Holthuizen, Geschäftsführer der eZeit-Ingenieure. Der Architekt erklärt, natürlich sei die Installation eines Systems mit Wärmerückgewinnung, Wärmepumpen, Geothermie und Solaranlagen teurer als einfach eine Gastherme in den Keller zu stellen. Aber langfristig zahle es sich aus, da man unabhängig von steigenden Brennstoffpreisen werde.

Allerdings sei die Planung eines Neubaus oder einer Sanierung mit erneuerbaren Energien deutlich aufwendiger in der Planung - und dieser Mehraufwand bei der Planung werde bislang nicht vergütet. Außerdem spiele die Energieeffizienz genauso wie die Nachhaltigkeit bislang kaum eine Rolle in der Architektenausbildung - das mache es schwierig, geeignete Architekten als Mitarbeiter einzustellen.

Wenig Anreize für energetische Sanierung

Ein zweites Problem: Noch gibt es zu wenige Handwerksfirmen, die auf erneuerbare Energien, Wärmepumpen und die Steuerung komplexer Heizungs- und Lüftungssysteme vorbereitet sind. Das hat Jochen Icken, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Märkische Scholle, erfahren. Als er eine Wohnsiedlung aus den 1930er-Jahren in Berlin-Lichterfelde umfassend energetisch sanieren ließ, funktionierte der Aufbau von Photovoltaik, Solarthermie, Wärmespeichern und Wärmepumpen weitgehend problemlos. Eine Berliner Firma, die die vielen Geräte wartet und betreut, war dagegen kaum zu finden, anfangs reiste ein Techniker sogar aus München an.

Und das dritte Problem: Vermieter in Deutschland haben derzeit kaum Anreize, das Heizen für ihre Mieter günstiger zu machen. Anders ist das in Schweden. Hier sind Warmmieten üblich, die Vermieter profitieren also davon, wenn sie die Heizkosten senken. Zudem hat Schweden bereits in den 1990er-Jahren eine CO2-Steuer eingeführt, inzwischen heizen nur noch drei Prozent mit Gas und Öl. Natürlich gibt es Unterschiede zu Deutschland - Schweden setzt stark auf Atomstrom und besonders bei Fernwärme wird bevorzugt Biomasse eingesetzt. Aber trotz kalter Winter sind bei Einfamilienhäusern Wärmepumpen Standard.

Regenerative Heizenergie kaum verbreitet

In Deutschland dagegen werden die Sanierungen der vergangenen Jahre mit fossilen Heizungen noch Probleme bereiten, erwartet Thorsten Lenck von Agora Energiewende. Denn diese Heizungen hätten eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren - damit wären die Klimaziele für 2045 kaum zu erreichen. Davon abgesehen, dass Mieter und Hausbesitzer immer mehr für die Heizung zahlen. Denn die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe wird nach bisheriger Festlegung stufenweise steigen.

Andere europäische Länder verbieten längst den Einbau von Gasthermen. In Deutschland wird dagegen - obwohl die Technik längst ausgereift ist - immer noch erstaunlich wenig auf regenerative Heizenergie gesetzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 15. Oktober 2021 um 07:48 Uhr in "Hielscher oder Haase" und das Erste am 17. Oktober 2021 um 18:05 Uhr im "Bericht aus Berlin".

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KOMMENTARE

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Der Lenz 17.10.2021 • 11:51 Uhr

@ Wolf1905 um 11:25

"Ob die Totalkosten incl. Entsorgung mit einigen neuen technisch hochwertigen AKWs höher ist als x-tausende Windräder und Flächen voller PV-Anlagen (da fallen auch hohe Entsorgungskosten an!), kann ich ehrlicherweise nicht beziffern. Haben Sie da eine Quelle, die das belegt? Gibt es Studien z. B. aus Frankreich hierzu?" Niemand kann die Folgekosten der Lagerung von Atommüll über den notwendigen Zeitraum seriös berechnen. Was Kosten Wach Personal und Energie für Überwachungstechnologie in...sagen wir mal... Dreitausend Jahren? Wieviele Systemwechsel gab es bis dahin? Wird es Geld geben? Was ist mit Terrorismus? Muss man die mögliche Kosten die durch einen Einsatz als "Dreckige Bombe" mit einberechnen? Wieviel Sicherheitsmaßnahmen um dies zu verhindern sind von den reinen Kosten her gerechtfertigt? nu eins ist sicher: was auch immer die "Entsorgung" Stabiler Stoffe wie die der Rotorblätter Kostet: es wird in Summe billiger sein.