Erdgas

Steigende Energiekosten Gaspreise auf "Fünf-Jahres-Hoch"

Stand: 24.08.2021 13:46 Uhr

Energie wird immer teurer: Verbraucher in Deutschland müssen so viel für Gas bezahlen wie zuletzt 2016. Verschiedene Gründe sprechen dafür, dass die Preise weiter steigen werden. 

Für Gas zum Heizen und Kochen müssen viele Haushalte in Deutschland immer tiefer in die Tasche greifen, zeigen Berechnungen des Vergleichsportals Verivox. Demnach stiegen die Gaskosten für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zwischen Januar und August im Bundesdurchschnitt um mehr als acht Prozent. Damit sei ein "Fünf-Jahres-Hoch" erreicht. Zuletzt sei Haushaltsgas im Januar 2016 so teuer gewesen.

"Die niedrigen Stände der Gasspeicher in Deutschland und die weltweit steigende Gasnachfrage haben die Spotmarktpreise für Gas im Laufe des Jahres mehr als verdoppelt", erklärte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck die Entwicklung. Dieser Anstieg wirke sich langsam auf die Gaspreise für die privaten Verbraucher aus.

Markt ist angespannt

Auf Nachfrage von tagesschau.de heißt es von Verivox, die Stände der Gasspeicher in Deutschland seien so niedrig, weil das Frühjahr 2021 vergleichsweise kalt gewesen sei und mehr Gas benötigt wurde. "Seither sind die Gasflüsse aus Russland eher niedrig, was zu einer weiteren Leerung von Gasspeichern geführt hat".

Laut dem Branchendienst energate seien die deutschen Gasspeicher Mitte August zu rund 55 Prozent gefüllt. "In den vergangenen zehn Jahren lag der niedrigste Füllstand zu diesem Zeitpunkt bei 65 Prozent im August 2018“, so Verivox.

Hintergrund für die aktuell anziehenden Gaspreise sei also eine starke Nachfrage, die auf ein begrenztes Angebot treffe, heißt es auch von anderen Experten. Der Markt sei insgesamt angespannt, das betreffe nicht nur Europa, sondern auch Asien und die USA.

Die Preise dürften steigen

Gleichwohl schließen Politiker und Fachleute nicht aus, dass auch geopolitische Gründe für vergleichsweise spärlich gefüllte Speicher und niedrige Gasflüsse aus Russland sowie damit zusammenhängende Drohpotenziale einer mangelnden Versorgung verantwortlich sind.

Die Verbraucher müssen sich wohl auf jeden Fall auf höhere Preise einstellen. Bisher habe deshalb auch noch kein regionaler Gasversorger für die kommenden Monate Gaspreissenkungen in Aussicht gestellt, teilt Verivox mit. Dagegen hätten aktuell 31 regionale Gasversorger für August, September und Oktober Preiserhöhungen von durchschnittlich neun Prozent angekündigt. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bei einem Einfamilienhaus entspreche das Mehrkosten von 128 Euro jährlich.

Fossile Brennstoffe werden teuer

Es gibt noch einen weiteren Grund für anziehende Gasnotierungen: "Wir erwarten in diesem Herbst eine größere Gaspreiswelle", sagte Storck. "Denn neben höheren Großhandelspreisen steigt auch der CO2-Preis für fossile Brennstoffe zum Jahreswechsel von 25 auf 30 Euro pro Tonne. Diese Kosten geben viele Gasversorger direkt an ihre Kunden weiter", meint Storck.

Die Kosten, die bei den Verbrauchern für Gaslieferungen anfallen, hängen nur zum Teil vom Gaspreis an den Rohstoffmärkten ab. Der Wettbewerbsanteil betrug im Jahr 2020 etwa 49 Prozent, teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit.

Auf Netzentgelte einschließlich Mess- und Abrechnungskosten entfielen demnach rund 25 Prozent des Gaspreises. Netzentgelte seien bundesweit nicht einheitlich hoch, da sie von den Kosten des jeweiligen Netzgebiets und dem jeweiligen Gasabsatz in diesem Gebiet abhingen. Etwa 26 Prozent des Preises entfallen aus Gas- und Umsatzsteuer.

Über Anbieterwechsel nachdenken 

Wer eine Gaspreiserhöhung erhalte, könne vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und zu einem günstigeren Gasversorger wechseln, rät Verivox. Demnach können Haushalte, die noch im Grundversorgungstarif des örtlichen Versorgers sind, bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh derzeit durchschnittlich 426 Euro pro Jahr einsparen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. Juli 2021 um 22:15 Uhr.

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Moderation 24.08.2021 • 21:50 Uhr

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