Gaszähler | picture alliance / Geisler-Fotop

Energiekrise Wann Kunden vom sinkenden Gaspreis profitieren

Stand: 13.01.2023 10:31 Uhr

Die Gasspeicher sind voll und das Wetter mild. Das lässt den Gaspreis wieder deutlich sinken. Davon profitieren auch schon einige Kunden. Warum kommt der Rückgang aber nicht bei allen Verbrauchern an?

Von Bianca von der Au, ARD-Börsenstudio

Der Gaspreis fällt und ist mittlerweile sogar knapp unter dem Niveau vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Grund sind die vollen Gasspeicher - dank alternativer Lieferquellen - und das milde Wetter. Während Gas somit auf dem sogenannten Spotmarkt - wo kurzfristig Gas und Strom gehandelt werden - billiger wird, kommt es bei den Verbrauchern auf der Gasrechnung nicht an. Oder doch?

Auf jeden Fall lohnt es sich wieder, die Tarife verschiedener Strom- und Gasanbieter zu vergleichen. Das sieht man beispielsweise auf der Onlinevergleichsplattform Verivox. Hier nähmen die Aktivitäten wieder deutlich zu, sagt Verivox-Pressesprecher Lundquist Neubauer. Bei Neukundenpreisen sei der Höchststand Anfang September mit 40 Cent pro Kilowattstunde erreicht worden - aktuell liege der Preis bei etwa 14 Cent. "Es ist ein deutlicher Rückgang spürbar und wir merken es auch, dass die Menschen wieder vergleichen und tatsächlich wieder einen günstigeren Anbieter finden."

Fixpreis für bestehende Kunden

Das gilt allerdings nur für Neukunden. Häufig werden Gaslieferverträge mit Verbrauchern langfristig abgeschlossen. Das heißt: Kunde und Gasanbieter legen sich etwa für zwölf Monate auf einen Fixpreis für die Kilowattstunden fest. Kurzfristige Schwankungen an den Gasmärkten hätten auf diesen Preis dann keinen Einfluss, erklärt Karen Pittel, Leiterin des ifo Zentrums für Energie, Klima und Ressourcen. "Es ist natürlich gerade frustrierend für die Haushalte, die zum Höchststand auch der Erwartung der Preise für das nächste Jahr ihren Vertrag abgeschlossen haben", sagt sie.

Die Unternehmen lassen aber nicht nur den aktuellen Marktpreis in die Preiskalkulation für die Endkunden mit einfließen. Der Gaspreis für Verbraucher entsteht laut Pittel durch eine Mischkalkulation der Gasversorger. "Sie erwarten einerseits, wie sich der Preis in der Zukunft entwickelt", sagt sie. Das reflektiere der Preis, den sie dann den Haushalten anbieten. Teils würden jedoch auch bestimmte Verluste versucht wiedergutzumachen - beispielsweise weil Preise niedriger waren als zu der Zeit, in der sie das Gas eingekauft hatten, erklärt Pittel.

So versuchen die Gasversorger in Phasen fallender Preise - wie jetzt - die Phasen teurer Einkäufe auszugleichen, in denen sie gestiegene Preise nicht an die Kunden weitergeben konnten. Im Umkehrschluss hatte das für Kunden mit Festverträgen den Vorteil, dass auch die extrem hohen Gasmarktpreise im Herbst nicht eins zu eins weitergegeben werden konnten.

Gas im Großhandel noch immer teuer

Die Grundversorger, also Stadtwerke oder die großen Platzhirsche in einer Region, halten sich aktuell jedoch mit einer zu starken Preissenkung zurück - das vermutet Verivox-Sprecher Neubauer. "Das heißt, erst wenn sich jetzt der Trend der sinkenden Börsenpreise verstetigt und langfristig anhält, dann könnten auch die Grundversorgungspreise wieder sinken."

Trotz zuletzt gefallener Gaspreise auf dem Weltmarkt ist Gas im Großhandel immer noch mehr als drei Mal so teuer wie im Jahr 2021. Hier will der Bund mit der Gaspreisbremse entlasten. Ab März müssen deutsche Verbraucher dann ein Jahr lang für den Großteil ihres Gasverbrauchs maximal zwölf Cent pro Kilowattstunde zahlen.