Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2. | picture alliance/dpa

Hohe Preise, knappe Speicher Lage auf dem Gasmarkt bleibt kritisch

Stand: 11.01.2022 13:28 Uhr

Auf dem Gasmarkt herrscht immer noch Verunsicherung. Versprochene Lieferungen nach Deutschland bleiben aus, Unternehmen stellen sich auf Versorgungslücken ein - und Verbraucher müssen mehr zahlen.

Die Lage am deutschen Gasmarkt ist weiter angespannt. Zwar steigen die Preise im Großhandel derzeit nicht weiter, doch bei der Versorgungssicherheit melden Unternehmen Bedenken an. Die deutschen Gasspeicher leeren sich derweil.

Jamal-Pipeline pumpt nach wie vor ostwärts

Die russische Jamal-Pipeline, die eigentlich Gas nach Westeuropa transportieren soll, pumpt den Rohstoff auch heute wieder von Deutschland nach Polen. Damit läuft die Pipeline inzwischen seit 22 Tagen ostwärts, statt wie eigentlich vorgesehen westwärts. Russland hatte Ende des Jahres erklärt, die Umkehrung der Gaslieferung sei eine rein kommerzielle Entscheidung und habe nichts mit politischen Erwägungen zu tun. Aus Polen hieß es, der russische Gaslieferant Gazprom erfülle seine vertraglichen Verpflichtungen. Die nach Osten gerichteten Lieferungen seien von Polen beauftragt worden.

Wie Reuters berichtet, könnte die Transportrichtung Mitte des Monats wieder geändert werden. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf Quellen des Gazprom-Konzerns. Dieser habe Gaslieferungen Richtung Westen beauftragt und bezahlt.

Gasspeicher leeren sich

Eine bessere Versorgung mit Erdgas ist offenbar auch nötig, wie der Blick auf die Gasspeicher in Deutschland zeigt. Der Gasverband "Zukunft Gas" hält die Speicherkapazitäten vor allem in Süddeutschland für zu niedrig. Insgesamt lägen die Füllstände bei 53 Prozent ihrer Kapazitäten, deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Gerade für große Verbraucher könnten in den kommenden Wochen Versorgungslücken entstehen, sagte Verbandschef Timm Kehler dem "Handelsblatt". Dabei seien vorrangig Unternehmen betroffen, deren Verträge die Möglichkeit einer Lieferunterbrechung vorsehen. Solche Verträge gehen Firmen ein, weil sie entweder alternative Versorgungsmöglichkeiten haben oder schlicht günstigere Konditionen bei Gasverträgen nutzen wollen.

Bereits im Dezember hatte der Energieversorger RWE davor gewarnt, dass es in den Wochen bis Anfang April wegen der prekären Lage am Gasmarkt sogar zu Betriebsunterbrechungen bei Kraftwerken in Nordrhein-Westfalen kommen könne. Das könne auch zur Verknappung am Strommarkt führen.

Preise auf hohem Niveau

Am Gasmarkt haben sich die Preise derzeit auf hohem Niveau beruhigt. Die Megawattstunde (MWSt) Erdgas kostet am niederländischen Handelsplatz TTF rund 80 Euro. Das ist zwar deutlich weniger als die rund 170 Euro, die kurzzeitig Ende Dezember für Terminkontrakte gezahlt werden mussten. Doch der Blick auf Kontrakte zur Lieferung im Sommer 2022 zeigt: Auch nach der Heizperiode rechnen die Marktteilnehmer an der Gasbörse mit Preisen von mehr als 70 Euro je Megawattstunde, was deutlich mehr ist als in den vergangenen Jahren.

Haushalte mit niedrigen Einkommen besonders belastet

Verbraucher müssen den Anbietern zufolge Versorger keine Unterbrechungen der Gasversorgung im Winter befürchten. Dafür sorgen entsprechende Verträge, die eine Grundversorgung von Privathaushalten stets gewährleisten. Die Gasrechnung allerdings dürfte auch für die privaten Kunden wohl längerfristig hoch bleiben. Der durchschnittliche Gaspreis hat sich laut dem Portal Check24 für den Endverbraucher im vergangenen Jahr um fast die Hälfte verteuert. Der Vergleichanbieter Verivox errechnet derzeit je Kilowattstunde (KWh) einen Preis von 8,21 Cent. Vor einem Jahr lag er noch bei 5,81 Cent pro KWh.

Gerade für weniger finanzkräftige Haushalte sind die steigenden Energiepreise eine zunehmende Herausforderung. Laut dem Statistischen Bundesamt müssen Haushalte mit einem Nettoeinkommen unter 1300 Euro fast zehn Prozent davon für Wohnenergie aufwenden. Zum Ausgleich sollen rund 700.000 Haushalte nach Plänen der Bundesregierung einen einmaligen Heizkostenzuschuss von mindestens 135 Euro erhalten. Für einen Zwei-Personen-Haushalt soll es danach 175 Euro geben, wie aus dem Gesetzentwurf von Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hervorgeht. Für jede weitere Person im Haushalt ist ein Zuschlag von 35 Euro vorgesehen.

In einer ersten Version war der Gaspreis pro Kilowattstunde fälschlicherweise in Euro angegeben. Diesen Fehler haben wir korrigiert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Januar 2022 um 17:00 Uhr.