Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern | dpa

Schlechter Handyempfang Verschollen im Funkloch

Stand: 08.06.2021 15:59 Uhr

In vielen ländlichen Regionen ist der Handyempfang noch immer lückenhaft. Mehr als zehn Prozent der Landesfläche sind laut Netzagentur betroffen. Oft verzögert sich der Ausbau - den Unternehmen könnten nun Sanktionen drohen.

Je tiefer man in Deutschlands ländliche Regionen dringt, desto schlechter ist der Handyempfang. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bericht der Bundesnetzagentur. Dabei handelt es sich keineswegs um ein seltenes Phänomen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, ist die Versorgung immerhin auf elf Prozent der Landesfläche schlecht oder inexistent.

Komplette Funklöcher sind allerdings wirklich rar: Lediglich auf 0,3 Prozent der Fläche Deutschlands haben Handynutzer, gleich welchen Anbieters, überhaupt keinen Empfang - es sind "mit keiner Technologie versorgte Flächen". Am höchsten ist dieser Anteil in Bayern und Rheinland-Pfalz mit 0,8 Prozent. Bei acht der 16 Bundesländer liegt er bei Null.

Ärgerliche "graue Flecken"

Doch immerhin 3,8 Prozent der Landesfläche werden im Bericht als sogenannte "weiße Flecken" bezeichnet. In diesen Bereichen ist nur Empfang im uralten Mobilfunkstandard 2G möglich. Für moderne aufwändige Mobilfunkanwendungen wie etwa Videos ist dieser Standard zu langsam. 7,2 Prozent der Fläche gelten als "graue Flecken". Dort ist nur eins der drei deutschen Mobilfunknetze, Telekom, Vodafone oder Telefónica Deutschland, im 4G-Standard zu empfangen. Wer Kunde eines anderen Netzes ist, hat das Nachsehen.

Graue Flecken sind erstaunlich weit verbreitet: In Baden-Württemberg beträgt der Anteil zehn Prozent, in Hessen und Rheinland-Pfalz liegt er bei 9,9 Prozent. Bayern ist mit 9,2 Prozent auf dem viertletzten Platz.

Branche verweist auf hohe Kosten

Im Internetzeitalter gilt ein flächendeckend stabiler Handyempfang als entscheidend für die Entwicklung ländlicher Räume. Auch für Landwirte auf dem Acker, Waldarbeiter oder Wanderer wird der Datenfluss immer wichtiger. Die Daten der Bundesnetzagentur zeigen, wie groß der Ausbaubedarf noch ist.

Die Telekommunikationsbranche verweist auf hohe Kosten, die beim Ausbau auf dem Land anfallen. Die Netzbetreiber kooperieren inzwischen miteinander, um die Lücken zu füllen. Hinzu kommt eine neue staatliche "Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft", die mit Fördergeld Funkstandorte dort ermöglichen will, wo sich ein wirtschaftlicher Betrieb nicht lohnt.

Zukünftig sei auch geplant, die 5G-Versorgung sowie Schwerpunkte von Verbindungabbrüchen bei der Sprachtelefonie in geeigneter Form abzubilden, heißt es weiter.

Hauptverkehrswege nicht vollständig versorgt

Der Bericht der Bundesnetzagentur befasst sich auch mit dem Thema der Netzversorgung entlang der Hauptverkehrswege. Seit Anfang 2020 müsste es um Autobahnen und ICE-Strecken eigentlich überall 4G-Empfang geben. Eine 100-prozentige Versorgung ist indes noch nicht erreicht.

Bei den Autobahnen liege der Versorgungsgrad abhängig vom Unternehmen zwischen 95,4 und 99 Prozent und bei den Schienenwegen zwischen 94,4 und 98,2 Prozent, schreibt die Bundesnetzagentur. Immerhin sei die Versorgung entlang der Hauptverkehrswege verbessert worden.

Bußgelder nicht ausgeschlossen

Die Behörde verweist auf insgesamt rund 550 Standorte, bei denen die Unternehmen die geforderte Netzversorgung nicht rechtzeitig sicherstellen konnten. "Die Prüfung hat ergeben, dass bei etwa 20 geplanten Standorten, Fälle der tatsächlichen und/oder rechtlichen Unmöglichkeit vorliegen. Bei der überwiegenden Anzahl der Fälle handelt es sich um temporäre Verzögerungen", heißt es.

Die Bundesnetzagentur prüft derzeit mögliche Sanktionen gegen die Mobilfunknetzbetreiber. Dabei ist es entscheidend, ob die Verzögerungen von den Mobilfunknetzbetreiber verursacht wurden - etwa durch verspätete Standortplanung - oder von Dritten, etwa durch lange Baugenehmigungsverfahren oder späte Absagen von Vermietern. Haben die Netzbetreiber die Verzögerung verschuldet, drohen Bußgelder.