Check-In Bereich in Gatwick, Großbritannien (Bild vom 31.05.22) | EPA

Gestrandete Passagiere Große Sorge vor dem großen Flughafenchaos

Stand: 06.06.2022 15:39 Uhr

Über das Pfingstwochenende litten Tausende Britinnen und Briten wegen gestrichener Flüge. Grund für die Ausfälle ist Personalmangel. Deutschland könnte im Sommer das gleiche Chaos drohen, fürchtet Minister Wissing.

Tausende britische Reisende sind derzeit im Ausland gestrandet. Wegen Flugausfällen waren allein am Sonntag mindestens 15.000 Passagiere betroffen, wie die auf die Reisebranche spezialisierte Beratungsagentur PC Agency schätzt. Nach BBC-Angaben planten am Pfingstwochenende insgesamt etwa zwei Millionen Menschen Ein- und Ausreisen für das Vereinigte Königreich.

Viele Briten hatten das verlängerte Wochenende rund um das Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. sowie Schulferien für Reisen ins Ausland genutzt und wollten am Sonntag zurück in die Heimat. Allerdings strichen sowohl Easyjet als auch British Airways und Tui wie auch schon in den Tagen zuvor etliche Flüge. Am heutigen Pfingstmontag strich Easyjet 27 Verbindungen.

Folge der Corona-Pandemie

Grund für die zahlreichen Ausfälle ist Personalmangel. Während der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen Beschäftigte entlassen und noch nicht genug Menschen wieder eingestellt und ausgebildet. Darum waren nicht genug Beschäftigte einsatzfähig, um dem Reiseansturm gerecht zu werden.

Die britische Regierung warf der Branche vor, sich nicht ausreichend vorbereitet zu haben. Die Reisebranche fordert dagegen Notfallmaßnahmen von der Regierung - etwa durch spezielle Visa für Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland, die seit dem Brexit nicht mehr ohne weiteres in Großbritannien arbeiten können. Dies lehnt Verkehrsminister Grant Shapps jedoch ab.

Auch im irischen Dublin und im niederländischen Amsterdam hatte es in den vergangenen Wochen lange Schlangen an den Schaltern gegeben. KLM verkaufte vorübergehend keine Tickets mehr, um noch größeres Chaos zu verhindern.

Wissing fordert Jobinitiative

Auch in Deutschland wächst die Sorge vor einer schwierigen Situation in der bevorstehenden Hauptreisezeit. Bundesverkehrsminister Volker Wissing warnte vor Personalengpässen in den Sommerferien. "Hier treffen zwei Punkte aufeinander - zum einen Menschen, die nach all den Entbehrungen und Einschränkungen während der Corona-Pandemie einen großen Nachholbedarf verspüren, unterwegs zu sein und zu reisen. Demgegenüber steht vor allem die Reise- und Verkehrsbranche, die während Corona quasi lahmgelegt war und Mitarbeiter verloren hat", sagte der FDP-Politiker der "Bild am Sonntag".

Der Minister forderte eine "Jobinitiative zur Gewinnung von Fachkräften" und eine Modernisierung der Infrastruktur.

Tausende Stellen an Flughäfen offen

Der Personalmangel in Deutschland sei groß, sagte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, jüngst der Nachrichtenagentur dpa. "Über alle Standorte hinweg fehlen den Dienstleistern, die an der Abfertigung der Passagiere beteiligt sind, rund 20 Prozent Bodenpersonal im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Das kann vor allem beim Check-in, beim Beladen der Koffer und in der Luftsicherheitskontrolle zu Engpässen in Spitzenzeiten führen." Die Flughafenbetriebsräte schätzen den Gesamtbedarf auf 5500 Menschen in ganz Deutschland.

Beisel betonte in der "BamS", dass wegen der Sicherheitsauflagen für die Stellenbesetzung an Flughäfen, Mitarbeiter nicht von heute auf morgen eingestellt werden könnten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juni 2022 um 20:00 Uhr.