In Hamburg steigen Menschen mit Schutzmasken aus und in eine S-Bahn. | dpa

49-Euro-Ticket Pro Bahn fordert mehr Staatsgeld

Stand: 10.11.2022 10:13 Uhr

Pro Bahn fordert Bund und Länder auf, die Ausgaben der Verkehrsunternehmen für das Deutschlandticket komplett zu übernehmen. Sonst drohen laut dem dem Fahrgastverband Folgen für den Nahverkehr. 

Bund und Länder sollten die Ausgaben der Verkehrsunternehmen für das künftige Deutschlandticket vollständig ausgleichen, fordert der Fahrgastverband Pro Bahn. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatte bereits gestern mehr Geld vom Staat gefordert. Einnahmeverluste und Zusatzkosten der Unternehmen müssten "vollständig und dauerhaft" ausgeglichen werden, hieß es vom VDV.

"Es ist fraglich, ob die drei Milliarden für das 49-Euro-Ticket ausreichen werden", sagte nun auch Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Zudem muss Geld für die hohen Energiekosten, Personal und den Ausbau des Nahverkehrs zur Verfügung gestellt werden", mahnte er.

Ansonsten drohe die Abbestellung von Verkehrsverbindungen. "Dann geht für den Fahrgast der Schuss nach hinten los", warnte Naumann. Der öffentliche Nahverkehr in Deutschland wird von Bundesländern oder kommunalen Zweckverbänden bei den Betreibern bestellt.


Ausbau des Nahverkehrs gefordert

Naumann kritisierte in der Diskussion über die Nachfolge für das 9-Euro-Ticket die Schwerpunktsetzung: "Die Politik hat das ganze System ÖPNV in die Enge getrieben, weil es sich erst auf das Ticket konzentriert hat statt auf den Ausbau des Nahverkehrs", sagte er. "Damit hat die Politik den dritten Schritt vor dem ersten gemacht."

Bund und Länder hatten sich vergangene Woche darauf geeinigt, neben einer Erhöhung der sogenannten Regionalisierungsmittel, mit denen der Bund den ÖPNV in den Ländern mitfinanziert, jeweils 1,5 Milliarden Euro zu zahlen und sich die Finanzierung des neuen Tickets zu teilen.

Anstieg der Fahrgastzahlen

Aktuellen Daten zufolge hat das bis Ende August befristete 9-Euro-Ticket für einen deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen in Nahverkehrszügen gesorgt. Mit Eisenbahnen einschließlich S-Bahnen waren im Nahverkehr im dritten Quartal elf Prozent mehr Fahrgäste unterwegs als im zweiten Vierteljahr und 53 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte.

Neben dem vom 1. Juni bis zum 31. August gültigen 9-Euro-Ticket dürften auch die Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu den Steigerungen beigetragen haben, erläuterte die Wiesbadener Behörde. Deutlich geringer fielen die Zuwächse bei Straßen- und Stadtbahnen aus - einschließlich Hoch-, U- und Schwebebahnen. Dort stieg die Zahl der Fahrgäste lediglich um drei Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Ausgewertet wurden Daten von Verkehrsunternehmen, die automatisierte Fahrgastzählsysteme einsetzen. Zum Busverkehr wurden keine Angaben gemacht. Es seien keine validen Aussagen möglich, da der Einsatzgrad der automatisierten Fahrgastzählsysteme bei Bussen besonders unsicher sei, erklärte die Behörde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. November 2022 um 23:59 Uhr.