Gasleitungen mit Absperrventilen und Druckanzeigern führen in einen Erdgasspeicher der Ungarischen Gasspeicher Gesellschaft. | dpa

Erstmals seit Juni Gaspreis fällt auf 100-Euro-Marke

Stand: 24.10.2022 10:26 Uhr

Gefüllte Speicher, milde Temperaturen und die geplanten Maßnahmen auf EU-Ebene lassen den Preis für europäisches Erdgas heute einbrechen. Am Morgen sank er zeitweise auf den tiefsten Stand seit Juni.

Der Abwärtstrend beim Gaspreis hält weiter an: Im frühen Handel hat der als richtungsweisend geltende Terminkontrakt TTF für niederländisches Erdgas zeitweise 100 Euro je Megawattstunde (MWh) gekostet. Das war ein Einbruch von mehr als 13 Prozent gegenüber Freitag. Damit sank der TTF-Kontrakt, der als Indikator für das allgemeine Preisniveau am europäischen Erdgasmarkt gilt, auf den tiefsten Stand seit Juni. Am Vormittag wurde er wieder etwas höher bei 104 Euro je MWh gehandelt.

EU-Speicher zu knapp 93 Prozent gefüllt

Bereits seit einigen Wochen fällt der TTF-Preis merklich. Ende September hatte er noch bei 223 Euro je MWh gelegen. Im August war der Preis gar auf ein Rekordhoch von 342 Euro gesprungen. Damals hatte ein Lieferstopp von Erdgas aus Russland einen rasanten Höhenflug beim Preis für Erdgas ausgelöst. Experten begründen die nun etwas entspanntere Lage am Gasmarkt unter anderem mit den gut gefüllten Speichern.

Die Erdgasspeicher in Deutschland, das im europäischen Vergleich zuletzt anteilig weniger Gas eingespart als andere Staaten, waren laut den europäischen Speicherunternehmen am vergangenen Mittwoch zu insgesamt 96,52 Prozent gefüllt. Der von einer Bundesverordnung für den 1. November vorgeschriebene Füllstand von 95 Prozent ist damit mittlerweile überschritten. Die Gasspeicher der gesamten EU waren den Angaben zufolge zu 92,92 Prozent gefüllt. Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt.

Darüber hinaus wurde auf die für die Jahreszeit vergleichsweise milden Temperaturen sowie auf die Bemühungen für die Reduzierung des Gasverbrauchs und für eine Preisbremse verwiesen. In der EU arbeiten die Länder derzeit an einem Maßnahmenpaket, das die EU-Kommission jüngst vorgeschlagen hatte. Dazu gehören verpflichtende gemeinsame Gaseinkäufe und eine Art Preisobergrenze für die europäische Gasbörse TTF.

Lieferstart von LNG und Überangebot in Spanien belasten

Außerdem habe die Aussicht auf den Beginn der Lieferungen von Flüssiggas die Sorgen über ein zu geringes Angebot in den Wintermonaten gedämpft, hieß es am Markt. Derzeit erhält die Bundesrepublik Gas über Pipelines aus Norwegen, Belgien, den Niederlanden und Frankreich. Zum Jahreswechsel sollen an der deutschen Nord- und Ostseeküste drei Terminals zur Anlandung von verflüssigtem Erdgas (LNG) in Betrieb genommen werden.

Auch ein Überangebot in Spanien wirkt dämpfend auf den Preis für europäisches Erdgas. Dort sind die Anlande-Terminals für LNG voll ausgelastet und es kommen mehr LNG-Tanker aus Übersee vor spanischen Häfen an, als zur Zeit entladen werden können.

Trotz der aktuellen Entspannung liegt der Preis für europäisches Erdgas jedoch immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Im Jahr 2020 lagen die Notierungen des Terminkontrakts TTF noch unter der Marke von 20 Euro.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Oktober 2022 um 09:00 Uhr.