Die Eon-Konzernzentrale in Essen von außen.  | dpa

Energieversorger e.on stoppt Neugeschäft mit Gaskunden

Stand: 13.10.2021 13:35 Uhr

Wegen des enormen Preisanstiegs beim Gas schließt der Energiekonzern e.on vorläufig keine neuen Verträge mehr mit Privatkunden ab. Auch andere Anbieter haben bereits auf die extreme Marktentwicklung reagiert.

Wer derzeit seinen Gasversorger wechseln möchte, hat bis auf Weiteres eine Möglichkeit weniger: Der Essener Energiekonzern e.on nimmt wegen der stark gestiegenen Preise vorerst keine Neukunden mehr auf. "Leider können wir Ihnen derzeit keine Erdgas-Produkte anbieten", heißt es der Internetseite des Unternehmens ohne weitere Erklärung. e.on gehört zu den zehn größten Gasversorgern in Deutschland.

Neues Preismodell in Arbeit

Ein Unternehmenssprecher betonte, Bestandskunden seien nicht betroffen, sie würden weiter beliefert. Auch seine Aufgaben als Grundversorger werde der Konzern weiter nachkommen. Diese Versorger springen beim Ausfall anderer Lieferanten ein, um die Gasversorgung der betroffenen Haushalte sicherzustellen.

Wann e.on Neukunden wieder ein Angebot machen wird, ließ das Unternehmen offen. Zunächst müsse ein Produkt konzipiert werden, das den aktuellen Entwicklungen an den Gasmärkten gerecht werde, hieß es. Auch auf den Vergleichsportalen Verivox und Check24 wurden die Angebote von e.on entfernt. Experten zufolge erschweren die hohen Gaspreise eine verlässliche Preiskalkulation der Anbieter.

Großhandelspreise vervielfacht

Auch der baden-württembergische Energiekonzern EnBW hat seine Angebote von den Vergleichsportalen nehmen lassen. Man biete aber grundsätzlich weiterhin neue Gasverträge an, hieß es von dem Versorger. Einen Lieferstopp müssten Kunden nicht befürchten. Einzelne Versorger hatten zuvor diese drastische Maßnahme angekündigt. So schickte die Rheinische Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft Stromkunden in mehreren Bundesländern Kündigungsschreiben.  

In den vergangenen Monaten sind die Großhandelspreise für Gas international auf Rekordstände geklettert. Nach Angaben des Vergleichsportals Check 24 verteuerte sich die Megawattstunde Gas binnen Jahresfrist um 451 Prozent auf 44,03 Euro. Die großen Gasversorger kaufen allerdings langfristig ein, so dass Preissprünge an der Börse nicht unmittelbar durchschlagen.

Die Bundesregierung wies indes Befürchtungen zurück, dass es im Winter zu Engpässen beim Gas kommen könnte. "Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist weiter hoch", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. "Wir sehen derzeit keine Versorgungsengpässe." Gleichwohl werde die Situation kontinuierlich beobachtet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Oktober 2021 um 13:00 Uhr.