Benzinpreise in Kansas | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Preise für Diesel und Benzin Wehe, wenn die USA den Ölexport stoppen

Stand: 25.05.2022 15:24 Uhr

Während deutsche Autofahrer dem Tankrabatt entgegenfiebern, ächzen US-Amerikaner über rekordhohe Spritpreise. Sollten die USA einen Öl-Exportstopp verhängen, könnte sich das Blatt jedoch rasch wenden.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Es sind nur noch wenige Tage bis zum Tankrabatt. Vom 1. Juni an werden Verbraucher an deutschen Tankstellen um 30 Cent je Liter Super und um 14 Cent je Liter Diesel entlastet. Doch schon im Vorfeld werden an deutschen Tankstellen längst keine Höchstpreise mehr bezahlt. Das zeigt die wöchentliche ADAC-Auswertung der Kraftstoffpreise in Deutschland.

Danach kostet ein Liter Super E10 aktuell wie schon in der Vorwoche 2,090 Euro. Diesel ist binnen Wochenfrist um 3,4 Cent gesunken und kostet derzeit im bundesweiten Mittel 1,994 Euro. Zum Vergleich: Im März wurden in der Spitze noch über 2,20 Euro für einen Liter Diesel gezahlt.

US-Preise für Diesel und Normal-Benzin auf Rekordhoch

Derweil erklimmen die Spritpreise in den USA immer neue Höhen. So erreichte der Dieselpreis jüngst bei 5,58 Dollar je Gallone (3,785 Liter) ein Rekordhoch. Normal-Benzin stellte bei 4,59 Dollar eine Bestmarke auf. Vor einem Jahr mussten Verbraucher für eine Gallone Diesel gerade einmal 3,08 Dollar zahlen, für eine Gallone Benzin wurden 2,90 Dollar fällig.

Auch wenn die Autofahrer hierzulande angesichts eines Diesel-Literpreises von umgerechnet 1,38 Euro sicherlich Luftsprünge machen würden: Für die "Driving Nation" USA sind das absolute Wucherpreise.

Weißes Haus denkt über Exportstopp für Ölprodukte nach

Hintergrund der jüngsten Preissteigerungen an den US-Tankstellen sind dabei offenbar in erster Linie die eingeschränkten Kapazitäten bei den Raffinerien, aus Rohöl Endprodukte wie Diesel oder Benzin herzustellen. Die US-Benzinvorräte liegen derzeit auf dem saisonal niedrigsten Niveau seit 2014.

Das Weiße Haus hat das Konfliktpotenzial längst erkannt. Die US-Regierung zieht einen Exportstopp für Ölprodukte in Betracht, wie Energieministerin Jennifer Granholm gestern auf Anfrage verlauten ließ.

US-Exportstopp würde für steigende Spritpreise sorgen

"Die USA sind ein bedeutender Netto-Exporteur von Ölprodukten. Laut US-Energieministerium lagen die Netto-Exporte seit Anfang April bei durchschnittlich rund vier Millionen Barrel pro Tag, in den drei Monaten zuvor im Durchschnitt bei knapp drei Millionen Barrel pro Tag", erklärt Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch. "Ein Exportstopp würde das Angebot von Benzin und Diesel auf dem Weltmarkt entsprechend verknappen und die Preise weiter steigen lassen."

Besonders davon betroffen wären wahrscheinlich die Unternehmen und Verbraucher in der Europäischen Union. Zwar hat sich die EU bislang nicht auf ein Importverbot für russisches Öl einigen können. Allerding sind seit dem 15. Mai Geschäfte mit den russischen Ölkonzernen Rosneft und Gazprom nur noch möglich, wenn sie "absolut notwendig" sind.

Angesichts der juristischen Ungenauigkeiten dieser Definition scheuen viele Ölimporteure in der EU vor der Einfuhr von russischen Öl - vorsorglich - zurück und setzen stattdessen etwa auf US-Öl. Was also die Autofahrer in den USA entlasten würde, könnte hierzulande rasch zu stark steigenden Preisen an den Tankstellen führen. Auch Heizöl würde wieder teurer werden.

Zapft Biden die nationalen Diesel-Reserven an?

Allerdings ist ein Exportstopp für Ölprodukte nur eine von mehreren Möglichkeiten der Biden-Administration, die US-Amerikaner zu entlasten. Im Gespräch ist laut Regierungsinsidern wohl auch eine Notfallerklärung des Präsidenten, um die nationalen Diesel-Reserven freizugeben. Damit könne man dem Angebotsengpass und dem schonungslosen Preisanstieg seit Ausbruch des Ukraine-Krieges - Präsident Joe Biden spricht von der "Putin'schen Preiserhöhung" - entgegenwirken.

Derweil spricht die Saisonalität weiter gegen fallende Spritpreise dies- wie jenseits des Atlantik; schließlich ist die sogenannte "Driving Season" bereits im vollen Gange. "Der Preisanstieg 20 Tage vor Ostern bis Pfingsten beträgt seit 1987 im Schnitt rund zehn Prozent", betonte Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest jüngst gegenüber tagesschau.de.

Lockdown-Ende in Shanghai als Preistreiber?

Noch wichtiger für die Entwicklung der Preise für Öl und Ölprodukte dürfte allerdings die weitere Entwicklung in China sein. Laut Aussagen von chinesischen Autoritäten soll der Lockdown in der Wirtschaftsmetropole Shanghai am 1. Juni aufgehoben werden. China ist der weltweit größte Ölimporteur. In den vergangenen Wochen hatte der seit Ende März währende Lockdown in Shanghai die chinesische Nachfrage nach Öl merklich gedrosselt und so die Preise auf den Weltmärkten in Schach gehalten.

Eine vollständige Rückkehr Chinas als Nachfrager auf den Ölmarkt hat das Potenzial dazu, den Ölpreisen wieder mächtig Auftrieb zu geben. Die künftigen Preise an deutschen Tankstellen dürften somit weniger in Berlin, denn in Brüssel, Shanghai und Washington gemacht werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2022 um 18:10 Uhr.