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Höhere Ausgaben für Reinigungsmittel Deutsche im Putzfieber

Stand: 08.12.2020 20:18 Uhr

Die Putzmittelbranche ist ein großer Gewinner im Corona-Jahr. Der Rückzug in die eigenen vier Wände sorgte für eine deutlich höhere Nachfrage nach Seifen und Reinigungsmittel. An Parfums hingegen wurde gespart.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Die Deutschen sind für ihren "Putzfimmel" bekannt. Nirgendwo in Europa wird mehr Geld ausgegeben für Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel.

Corona hat diesen Trend noch verstärkt. Der Umsatz für Haushaltspflegemittel stieg 2020 um voraussichtlich 9,2 Prozent auf 48 Milliarden Euro. Das geht aus Hochrechnungen des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel (IKW) hervor. "Putzen hilft bei der Alltagsbewältigung", sagt Geschäftsführer Thomas Keiser. Gerade in schwierigen Zeiten wie der Corona-Pandemie brächten Pflegerituale Stabilität in den Alltag.

"Putzen hilft bei der Krisenbewältigung"

Besonders die Seifenhersteller erlebten einen ungeahnten Boom. Weil sich die Deutschen in der Corona-Krise viel häufiger die Hände waschen, stieg die Seifen-Nachfrage um satte 77 Prozent. Der Umsatz mit Reinigungsmitteln erhöhte sich um über 18 Prozent. Zweistellige Zuwächse verzeichneten auch Geschirrspülmittel und Raumdüfte. Insgesamt gaben die Deutschen durchschnittlich 98 Euro für Haushaltspflegemittel aus – zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Wegen der Lockdowns und Kontaktbeschränkungen spielte sich das Leben stärker zu Hause ab. Folglich wurde auch mehr in der eigenen Wohnung gereinigt. "Die Schließung von Kantinen und Restaurants führte dazu, dass mehr zu Hause gegessen und daher auch gespült wurde", erklären die Branchenvertreter.

Weniger Ausgaben für Kosmetik

Dagegen waren Kosmetikprodukte, insbesondere Make-ups und Parfums deutlich weniger gefragt als 2019. Der Umsatz der dekorativen Kosmetik schrumpfte um fast 13 Prozent, die Erlöse für Herren- und Damendüfte sanken um über sieben Prozent . Auch für Rasierpflege wurde weniger Geld ausgegeben. In Corona-Zeiten lassen sich Männer lieber einen Bart wachsen.

Einzig bei Pflegemitteln für Mund, Zähne, Haare und Gesicht sparten die Deutschen nicht. Denn gerade bei Videokonferenzen von zuhause aus galt es, sich in ein schönes Licht zu rücken – vor allem oberhalb der Brust. "Gutes Aussehen hilft gegen Kontrollverlust", meint IKW-Geschäftsführer Keiser.

Wichtige Stütze des privaten Konsums

Dank der starken Nachfrage nach Reinigungsmitteln wird die deutsche Körperpflege- und Waschmittel-Branche 2020 den Umsatz um über zwei Prozent auf 19,28 Milliarden Euro steigern. Damit erweist sie sich als starkes Rückgrat des deutschen Konsums, der Prognosen zufolge in diesem Jahr um rund sechs Prozent zurückgehen wird.