Menschen beim Einkaufen in der Stuttgarter Innenstadt | dpa

Vor dem Corona-Lockdown Warteschlangen in den Innenstädten

Stand: 15.12.2020 17:51 Uhr

Die letzten verkaufsoffenen Stunden vor dem bundesweiten Lockdown haben viele Menschen zum Einkaufen in den Innenstädten genutzt. Während sich vor einzelnen Geschäften Warteschlangen bildeten, erlebten Friseursalons einen wahren Ansturm.

Der letzte verkaufsoffene Tag vor dem harten Lockdown hat noch einmal viele Menschen zum Einkaufen in die Fußgängerzonen gelockt. In zahlreichen Stadtzentren waren nach den Echtzeit-Daten des auf die Messung von Kundenfrequenzen spezialisierten Unternehmens Hystreet schon gegen Mittag überdurchschnittlich viele Konsumenten unterwegs.

Ansturm auf Friseursalons

Besonders Friseursalons konnten sich laut Verbandsangaben "vor Nachfrage kaum retten". "Das zeigt mal wieder die soziale Relevanz unserer Dienstleistungen", sagte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Schon im Frühjahr sei das Interesse der Kundinnen und Kunden bemerkenswert gewesen, als die Salons nach sechs Wochen wieder öffnen durften.

Der Dezember ist für Friseure laut Müller normalerweise der umsatzstärkste Monat des Jahres, weil sich kurz vor den Feiertagen noch mal viele Menschen die Haare schneiden lassen. Er glaube aber nicht, dass Friseure die Not ihrer Kunden am Dienstag ausnutzten und Wucherpreise verlangten: "Wir wollen unsere Kunden schließlich halten und hoffentlich im neuen Jahr rasch wiedersehen - am besten am 11. Januar", sagte Müller.

Handelsverband: Weihnachtsgeschäft wird "Fiasko"

Trotz langer Schlangen vor einzelnen Geschäften macht sich der Handel keine Hoffnung, mit dem letzten Kundenansturm noch das Weihnachtsgeschäft retten zu können. "Die sonst so umsatzstarke Phase zum Jahresende wird für viele Händler zum Fiasko", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, in Berlin.

Hatte der Handelsverband Anfang November noch mit Rekordumsätzen von fast 104 Milliarden Euro in diesem Weihnachtsgeschäft gerechnet, so geht er inzwischen davon aus, dass wegen des Lockdowns in diesem Jahr sechs Milliarden Euro weniger in den Kassen des Handels landen werden als im Vorjahr.

Menschen in einer Warteschlange vor einem Geschäft. | dpa

Vor einzelnen Geschäften bildeten sich Warteschlangen, wie hier in der Stuttgarter Innenstadt. Bild: dpa

Insgesamt rechnet der Branchenverband in den Monaten November und Dezember nur noch mit Umsätzen von knapp 98 Milliarden Euro, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Zwar werde der Online-Handel seine Umsätze um fast ein Drittel auf knapp 20 Milliarden Euro steigern. Dies könne jedoch die Einbußen im stationären Handel nicht wettmachen, wo die Umsätze um 14 Prozent schrumpften.

Doch macht dem Handel nicht nur der Shutdown zu schaffen. Nach einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Capgemini wollen 28 Prozent der Verbraucher in Deutschland in diesem Jahr ohnehin weniger Geld für Weihnachtseinkäufe ausgeben. Gründe dafür seien Einkommenseinbußen durch die Krise, aber auch die Corona-Beschränkungen beim Einkaufen. Jeder fünfte Befragte plant demnach in diesem Jahr auch deshalb weniger Geschenke, weil er zu Weihnachten weniger Familienmitglieder treffen wird.

Abholung in einzelnen Bundesländern möglich

Die Forderung des Handels, Einzelhändlern im Shutdown zumindest die Übergabe von im Internet bestellter Ware in den eigentlich geschlossenen Läden zu erlauben, stieß in den Bundesländern unterdessen auf unterschiedliche Resonanz. Nordrhein-Westfalen machte in seiner Corona-Verordnung den Weg dafür frei, wenn die Abholung "unter Beachtung von Schutzmaßnahmen vor Infektionen kontaktfrei erfolgen kann". Auch Rheinland-Pfalz gab dafür grünes Licht. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer appellierte sogar an die Bürger, während des Shutdowns beim örtlichen Einzelhandel zu bestellen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) rief die Menschen zudem auf, Gutscheine zu kaufen, anstatt im Internet Weihnachtsgeschenke zu bestellen. "Wir haben auch die Pflicht zur Solidarität gegenüber denjenigen, die zur Eindämmung der Pandemie ihre Türen schließen und so enorme Einnahmeeinbußen hinnehmen müssen", sagte er in einer Sondersitzung des Landtags in Düsseldorf.

Baden-Württemberg untersagte dagegen die Abholung von Waren bei stationären Händlern mit wenigen Ausnahmen. Man wolle lange Schlangen vor den Geschäften und damit zusätzliche Kontakte unbedingt vermeiden, sagte ein Sprecher der Landesregierung. Auch Thüringen ließ ausschließlich den Versand oder die Lieferung von per Telefon oder online bestellter Ware zu.

Über dieses Thema berichteten am 15. Dezember 2020 die tagesschau um 14:00 Uhr und tagesschau24 um 16:10 Uhr.