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Langsames Internet Wenige Kunden setzen Preisminderung durch

Stand: 26.07.2022 10:23 Uhr

Viele Internetanschlüsse in Deutschland liefern nicht die vertraglich vereinbarte Geschwindigkeit. Trotzdem machen nur wenige Verbraucher Preisminderungen geltend, wie eine Auswertung der Bundesnetzagentur zeigt.

Nur wenige Internetnutzer nehmen die Möglichkeit wahr, ihre Internet-Geschwindigkeit zu protokollieren, um gegenüber ihrem Breitband-Anbieter eine Preisminderung zu verlangen. Die Zahl der Messungen ging in den vergangenen Monaten zurück.

Von Mitte Dezember bis Ende Juni wurden laut der Bundesnetzagentur rund 22.000 Messungen mit der Breitbandmessung-App, die die Behörde zur Verfügung stellt, abgeschlossen. Damit war die Zahl der Messungen war zuletzt rückläufig, denn bis Ende Februar wurden laut Netzagentur bereits rund 15.000 Messungen von Verbrauchern vorgenommen. In den vier folgenden Monaten kamen also nur rund 7000 dazu.

Großteil der Messungen zeigt Defizite

Dabei könnte wohl ein Großteil der Bürger einen Preisnachlass beim Internet-Zugang durchsetzen. Denn bei den erfolgten Messungen wurde "fast ausschließlich" ein Minderungsanspruch festgestellt worden, so die Bundesnetzagentur.

Ein solcher Anspruch besteht, wenn das Internet schlechter ist als vertraglich vereinbart. Dabei gibt es Vorgaben zur maximalen, zur minimalen und zur normalerweise zur Verfügung stehenden Bandbreite. Die Bundesnetzagentur hat eine Desktop-App zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe dies überprüft werden kann.

Zu langsames Internet ist Standard

Dass die Internet-Zugänge in Deutschland in vielen Fällen nicht die Übertragungsgeschwindigkeiten gewährleisten, die den Kunden vertraglich zugesichert wurden, hat die Behörde erst vor wenigen Wochen noch einmal bestätigt. Über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg wurde demnach im Festnetz nur bei 36,5 Prozent der Nutzer die vertraglich vereinbarte maximale Downloadgeschwindigkeit voll erreicht oder überschritten.

83,5 Prozent der Nutzer erhielten im Messzeitraum von Oktober 2020 bis September 2021 mindestens die Hälfte der vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate. Im Mobilfunk lag das generelle Niveau den Angaben zufolge sogar noch deutlich unter dem im Festnetz. So wurde nur bei lediglich 2,6 Prozent der Nutzer die vertraglich vereinbarte maximale Datenübertragungsrate im Download voll erreicht oder überschritten.

Mess-Tool laut Verbraucherschützern zu aufwendig

Aus Sicht von Verbraucherschützern ist der Preisminderungsanspruch vielen Kunden noch nicht bekannt genug. Zudem sei das Mess-Tool der Bundesnetzagentur in der Anwendung sehr aufwendig, wie Felix Flosbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagt: "Das ist eine Hürde, die für viele Verbraucherinnen und Verbrauchern zu hoch ist - obwohl ihr Internet daheim mies ist." Die rechtsverbindliche Messmöglichkeit erfordert 30 Tests an mehreren Tagen. Erst dann ist eine Messung - auch "Messkampagne" genannt - abgeschlossen.

Unklar ist ebenfalls, wie hoch die Preisminderung ausfällt, nachdem eine nicht vertragsgemäße Internet-Geschwindigkeit ermittelt wurde. Dies müssen die Nutzer mit ihrem Anbieter direkt und stets im Einzelfall klären. Laut Verbraucherschützer Flosbach würden von den Internet-Anbietern häufig noch immer unrealistische Datengeschwindigkeiten verkauft werden: "Leider gibt es noch immer eine große Kluft zwischen Marketing und Wirklichkeit in der Kommunikation der Telekommunikationsbranche."

Industrie sieht positive Tendenz

Von Seiten der Industrie gibt es dagegen eine andere Einschätzung zu den Zahlen der Messungen. Vodafone etwa sieht einem Firmensprecher zufolge in der sinkenden Zahl der eingereichten Geschwindigkeits-Tests "ein positives Zeichen, dass unsere fortlaufende Netzaufrüstung bei unseren Kunden ankommt".

Auch der Branchenverband VATM hält die "sehr geringen Beschwerdezahlen" für einen Beleg dafür, "dass die ganz überwiegende Mehrheit der Nutzerinnen und Nutzer mit ihren Internetanschlüssen zufrieden" ist. Schwankungen in der Download-Geschwindigkeit seien zudem insbesondere bei Kupferleitungen normal. Sie bedeuteten nicht automatisch eine schlechtere Nutzungsmöglichkeit beim Internet-Anschluss.