BMW-Produktion in Dingolfing | picture alliance / dpa

Folgen der Lieferengpässe Längere Wartezeiten beim Autokauf

Stand: 03.11.2021 11:21 Uhr

Wer ein Auto kaufen will, muss immer mehr Geld und Geduld mitbringen. Lieferzeiten von einem halben Jahr sind keine Seltenheit mehr - bei manchen Modellen ist sogar ein Jahr üblich. Die Folge sind teilweise auch höhere Preise.

Die Lieferengpässe in weiten Teilen der Industrie sorgen inzwischen für deutlich höhere Wartezeiten bei Käufern von Neuwagen. "Je nach Fabrikat und Modell hat sich die Lieferzeit bei einem Großteil auf drei bis sechs Monate eingependelt", sagte Marcus Weller, Marktexperte beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, der Nachrichtenagentur dpa. Bei manchen Premiummodellen müssten Kunden sogar neun Monate bis ein Jahr lang warten, bis sie den Wagen in Empfang nehmen können.

Besserung ist offenbar erst einmal nicht in Sicht. "Die Problematik langer Lieferzeiten könnte sich im Herbst 2021 bis weit ins Frühjahr 2022 verschärfen", warnte Stefan Reindl, Leiter des Geislinger Instituts für Automobilwirtschaft. Der weltgrößte Chiphersteller Intel beispielsweise erwartet ein Ende der Krise erst in zwei Jahren.

Lange Lieferzeiten besonders bei Elektroautos

"Besonders anfällig für lange Lieferzeiten sind aktuell vor allem Elektrofahrzeuge", so Autoexperte Reindl. Sie seien sowohl bei der Ansteuerung des Antriebs als auch bei Assistenz- und Kommunikationssystemen stärker auf Halbleiterelemente angewiesen als Verbrenner.

Auch Porsche-Chef Oliver Blume bleibt skeptisch. "Wer glaubt, dass sich die Halbleiterkrise im nächsten Jahr beruhigen wird, unterliegt einem Trugschluss", sagte Blume der "Börsen-Zeitung". Da die Nachfrage nach Halbleitern aus mehreren Branchen weltweit hoch ist, müsse die Autoindustrie der Beschaffungskrise mit grundlegenden Änderungen begegnen: Sie müsse selbst in Chips investieren, mit Halbleiterherstellern kooperieren und selbst Kompetenz in der Konfiguration der Bauteile aufbauen.

Sorge bereite ihm die kritische Lage mancher Zulieferer in der Chipkrise, weil diese generell weniger Möglichkeiten zum Gegensteuern hätten als die Automobilhersteller. Das Thema Kurzarbeit dürfte der Branche damit erhalten bleiben.

BMW profitiert von hohen Preisen

Dass die Lieferproblematik nicht zu Lasten der Profitabilität gehen muss, zeigt das Beispiel BMW. Der Autohersteller konnte seinen Gewinn im dritten Quartal erheblich steigern. Dabei helfen dem Konzern ausgerechnet die langen Lieferzeiten in der Autobranche, die den Kunden sehr viel Geduld abverlangen.

Von Juli bis September steigerten das Unternehmen seinen Gewinn um 42 Prozent auf 2,58 Millionen Euro und damit auf Rekordniveau. Der Halbleitermangel habe das Fahrzeugangebot verknappt, sodass BMW höhere Preise für seine Neu- und Gebrauchtwagen durchsetzen konnte. Auch Fahrzeuge, deren Leasingvertrag ausgelaufen war, polsterten mit höheren Restwerten die Bilanz auf.

Wegen der fehlenden Chips sank der Absatz im dritten Quartal um zwölf Prozent auf 593.000 Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce. In normalen Zeiten hätte das vermutlich für einen kräftigen Umsatzrückgang gesorgt. Doch bei BMW stieg der Umsatz um knapp fünf Prozent auf 27,5 Milliarden Euro. Offenbar bekamen teure Luxuslimousinen den Vorzug, wenn sich BMW bei der Produktion zwischen einem günstigen Einstiegs-1er oder einem teuren und margenträchtigen 7er-BMW entscheiden musste.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. November 2021 um 11:00 Uhr.