Bitcoin | dpa
FAQ

Kryptowährung Wie bezahlt man mit dem Bitcoin?

Stand: 16.02.2021 09:08 Uhr

Immer mehr Unternehmen wollen den Bitcoin als Zahlungsmittel zulassen. Doch wie können Verbraucher damit bezahlen? Und eignet sich die Kryptowährung dafür überhaupt?

Von Till Bücker, tagesschau.de

Vielen Menschen ist der Bitcoin vor allem als Spekulationsobjekt bekannt. Seit Wochen befindet sich die älteste und wichtigste Kryptowährung auf Rekordjagd und kratzt derzeit an der 50.000 Dollar-Marke. Ursprünglich war sie allerdings als digitales Zahlungsmittel gedacht - als dezentrale Währung ohne eine Kontrolle durch Dritte.

Für die allermeisten Verbraucher in Deutschland ist das Bezahlen mit Bitcoins noch keine gängige Zahlungsmethode. Das könnte sich ändern. Denn zuletzt teilten Schwergewichte wie etwa Elektroautobauer Tesla mit, die Digitalwährung künftig bei der Bezahlung zu akzeptieren. Der beliebte Zahlungsanbieter PayPal hatte bereits im Oktober angekündigt, Kunden in den USA die Möglichkeit dafür zu bieten. Auch die führenden Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa wollen noch in diesem Jahr Kryptowährungen in ihre Netzwerke integrieren.

Einige Unternehmen lassen die Zahlung schon seit längerem zu. Im Microsoft-Store oder auf der Streaming-Plattform Twitch können Gaming-Fans bereits mit dem Bitcoin bezahlen. Das Online-Lexikon Wikipedia oder die Umweltschutzorganisation Greenpeace genehmigen Spenden mit der Währung. Auch beim Essenslieferant Lieferando können Kunden auf diese Weise ihre Speisen zahlen. Selbst in einigen deutschen Bars, Cafés oder Geschäften - vor allem in Berlin - werden Rechnungen teilweise mit Bitcoins beglichen.

Was benötigen Verbraucher für die Zahlung?

Zunächst benötigen Verbraucher natürlich Bitcoins, die auf Krypto-Börsen und anderen Marktplätzen gekauft werden können. Auch Bruchteile der Münzen können erworben werden: zum Beispiel 0,00025 Bitcoins zum aktuellen Preis von etwa zehn Euro. Für die Aufbewahrung ist eine digitale Geldbörse nötig, eine sogenannte Wallet. Diese beinhaltet ein Set von persönlichen Codes aus zufällig generierten Zahlen und Buchstaben - vergleichbar mit Kontonummern.

"Hot Wallets" basieren auf einer Software, sind mit dem Internet verbunden und existieren als Desktop-Version, App auf dem Smartphone oder als Konto bei einer Börse. Sogenannte "Cold Wallets" sind dagegen physische Speichermedien wie zum Beispiel spezielle USB-Sticks oder einfach ein Blatt Papier. Sie gelten als besonders sicher, da sie immer nur kurz oder gar nicht am eigenen Computer angeschlossen werden. Vorteile von "Hot Wallets" sind die schnelle Verwendung und Verfügbarkeit.

Gesichert sind die meisten Wallets durch einen privaten Schlüssel des Nutzers. Anbieter für die digitalen Portemonnaies gibt es viele. Bekannte Firmen sind Ledger, Trezor, Exodus oder eToro.

Wie läuft die Zahlung ab?

Die Bitcoins selbst befinden sich auf der Blockchain. Diese Technologie ist "open source", also öffentlich einsehbar. Wie in einem digitalen Logbuch können Daten sicher, aktuell und transparent übermittelt werden. Diese "Block-Kette" besteht aus unendlich vielen (Daten-)Blöcken, in denen alle Transaktionen gespeichert werden. Für die Bezahlung der Bitcoins benötigt der Käufer die Adresse des Empfängers. Kommt es zu einer Zahlung, wird der private Schlüssel quasi als digitale Unterschrift genutzt, um sie zu bestätigen. Danach geht die Signatur wieder zurück in die Wallet.

Jede Transaktion wird verschlüsselt und von den beteiligten Netzwerk-Rechnern überprüft. Diese "Miner" verifizieren, ob im Wallet genügend Bitcoins enthalten sind und ob die Zahlung korrekt ist. Sie speichern die Übertragung in einem Block der Kette, falls sie die richtige Lösung einer speziellen Rechenaufgabe finden. Dann ist der Vorgang abgeschlossen. Beim Bitcoin kann das zehn Minuten bis hin zu mehreren Tagen dauern, wenn viele Transaktionen gleichzeitig ablaufen. Zudem bestimmt die Netzwerkgebühr die Geschwindigkeit. Zahlt der User mehr, geht die Übertragung schneller.

Für die Abwicklung der Zahlung nutzen die meisten Händler und Shops Dienstleister wie BitPay. Diese Firmen treten dabei als Treuhänder auf und übernehmen nach der Bezahlung der Bitcoins zu einem festgelegten Wechselkurs den Umtausch in die traditionelle Währung. Anschließend geben sie das Geld per Banküberweisung an den Verkäufer weiter. Dafür bekommt BitPay eine Transaktionsgebühr.

Was sind die Vorteile?

Grundsätzlich gibt es beim Bitcoin keine Institution, die geldpolitische Entscheidungen treffen kann oder den Wechselkurs regelt. Experten zufolge trägt auch das zur positiven Kursentwicklung bei. Aufgrund der extrem lockeren Geldpolitik vieler Notenbanken und der immensen Geldschwemme in Form von Staatshilfen fürchten einige Anleger offenbar eine mittel- bis längerfristig hohe Inflation.

Sie nutzen daher den Bitcoin als Absicherung gegen eine hohe Geldentwertung. Die digitalen Münzen haben eine Art eingebauten Inflationsschutz. Für die Bereitstellung ihrer Rechenkapazität und die wechselseitigen Kontrollen erhalten die "Miner", deren Hardware zuvor den neuesten Block gefunden hat, Bitcoins. Alle vier Jahre halbiert sich jedoch die Belohnung und der Prozess verlangsamt sich. Damit die Währung letztlich nicht inflationär wird, sind insgesamt nur 21 Millionen Bitcoins verfügbar.

Weitere Vorteile der Bezahlung mit Bitcoins liegen in einer gewissen Transparenz durch die Speicherung auf der Blockchain sowie niedrigen Transaktionskosten gerade bei internationalen Überweisungen.

Ist das Ganze sicher?

Die Kontrolle ist einer der großen Unterschiede zu herkömmlichen Devisen. Hinter den digitalen Zahlungsmitteln steht kein Staat und auch keine Notenbank. Sie werden dezentral kontrolliert, kaum reguliert und sind kein gesetzliches Zahlungsmittel.

Aber: Alle Informationen werden auf der Blockchain gespeichert und können nicht geändert werden, ohne dass es auffällt. Fälschungen sind deshalb nach bisherigem Forschungsstand nicht möglich. Die Blockchain ist wie eine Datenbank, in der alles nachvollzogen werden kann.

"Die Blockchain mag sicher sein. Allerdings sind auch schon Bitcoins aus Wallets abhanden gekommen - zum Beispiel durch Hacker-Angriffe", betont Werner Bareis, Berater für Geldanlage und Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, im Gespräch mit tagesschau.de. Gerade bei den "Hot Wallets" und auf Handelsplattformen gab es in der Vergangenheit zahlreiche solcher Attacken.

"In erster Linie brauchen wir Verbraucherschutz, einschließlich Datenschutz und Sicherheit der Verbraucherdaten - das gleiche Maß an Sicherheit, das die Menschen von ihren Kreditkarten erwarten", sagte jüngst auch Raj Dhamodharan von Mastercard. Er erwarte, dass sich Verbraucher und das Ökosystem langfristig vor allem auf wertstabile Kryptowährungen konzentrieren. Dazu gehört der Bitcoin nicht.

Macht die Bezahlung mit Bitcoins überhaupt Sinn?

"Verbraucher benötigen in erster Linie Wertstabilität im Zahlungsverkehr, was der Bitcoin nicht leisten kann", meint Bareis. "Nehmen wir mal an: Ich möchte einen Tesla mit Bitcoins bezahlen und besitze umgerechnet 60.000 Euro. Innerhalb von drei Tagen kann sich der Wert jedoch halbieren und was mache ich dann? Kaufe ich dann einen Tesla ohne Antrieb?"

Tatsächlich treten beim Bitcoin oft erhebliche Kursschwankungen auf. Allein in den vergangenen drei Monaten hat der Wert der Devise laut coindesk.com mehr als 200 Prozent zugelegt. Zeitweise rauschte der Kurs allerdings auch wieder stark ab. Etwa im Januar gab es zeitweise Verluste von bis zu 20 Prozent innerhalb weniger Stunden.

Bitcoin-Chart Dezember 2020 bis Februar 2021

Wenn sich der Wert kurzzeitig verringert, sind für Zahlungen dementsprechend mehr Bitcoins nötig. "Solange diese Schwankungen so massiv sind, ist es schwer vorstellbar, dass sich der Bitcoin in den nächsten Jahren als gängiges Zahlungsmittel durchsetzt", sagt Bareis. Viele Verbraucher würden Risiken vermeiden und auf Sicherheit setzen. "Es wäre daher paradox, wenn sie bei der Bezahlung auf Bitcoins zurückgreifen", so der Verbraucherschützer.

Wird sich die Zahlungsmethode etablieren?

Auch Experten aus der Szene sind eher skeptisch. "Immer noch besitzen recht wenige Menschen Bitcoins", erklärt Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance & Management, gegenüber tagesschau.de. Auch wenn durch PayPal eine breitere Masse erreicht werden könne, sei der Bitcoin aufgrund der hohen Schwankungen kein geeignetes Zahlungsmittel.

Prof. Philipp Sandner

Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance & Management, glaubt nicht, dass sich der Bitcoin als gängige Zahlungsmethode durchsetzt.

Dazu kommt: "Selbst die Bitcoin-Fans wollen ihre Coins nicht hergeben, sondern setzen eher auf die Wertsteigerung", sagt der Experte. Zudem sei auch die Versteuerung bei der Kryptowährung ein komplexes Thema, was die Bezahlung kompliziert mache.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Januar 2021 um 11:55 Uhr.