Hausbau | dpa

Immobilienfinanzierung Lohnt sich Bausparen noch?

Stand: 06.07.2021 14:38 Uhr

Bausparen ist in Deutschland auch in Pandemiezeiten beliebt. Mit vielen Millionen Verträgen versuchen Bundesbürger, Geld fürs Eigenheim anzusparen und sich günstige Kreditkonditionen zu sichern.

Geld ansparen und gleichzeitig Zinsen für eine Baufinanzierung sichern - das machen noch immer viele Sparer, die für den geplanten Kauf oder Bau eines Eigenheims Vermögen bilden wollen. Nach dem klassischen Sparbuch und der Lebensversicherung kommt der Bausparvertrag bei den Deutschen als Sparform weit vor der Aktie oder dem Investmentfonds - und auch vor der staatlich geförderten Riester-Rente. Das hat eine jüngst veröffentlichte Studie der ING-Diba bestätigt. Deutschland war im vergangenen Jahr danach "Spar-Europameister", 388,5 Milliarden Euro an privatem Geldvermögen wurden allein im vergangenen Jahr gespart.

1,5 Millionen Neuverträge

Davon hat auch das Bausparen profitiert. Der "Verband der Privaten Bausparkassen" verweist auf 25 Millionen laufende Bausparverträge. 919 Milliarden Euro lagen Ende 2020 in den Verträgen, 1,5 Millionen Neuverträge kamen bei privaten und öffentlichen Bausparkassen im vergangenen Jahr dazu, knapp 41 Milliarden Euro wurden an die Bausparer zur Wohnungsfinanzierung ausgezahlt.

Das Image der Bausparkassen ist durch aktuelle Rechsstreitigkeiten zwar ein wenig ramponiert, doch das tut dem Geschäft offenbar kaum einen Abbruch. Bereits Ende 2019 hatte das Oberlandesgericht Koblenz der Debeka Bausparkasse untersagt, pauschale Bearbeitungsgebühren von den Bausparern zu erheben. Eine Revision der Debeka gegen dieses Urteil wurde erst am Freitag vergangener Woche zurückgezogen. Man wollte offenbar eine weitere Niederlage vor dem Bundesgerichtshof (BGH) nicht abwarten.

Erst ansparen, dann abbezahlen

Das Prinzip des Bausparens erscheint vielen Bundesbürgern dennoch weiterhin sinnvoll. Mit einem Bausparvertrag wird in einer ersten Phase über einen Zeitraum von mehreren Jahren monatlich Geld angespart. Sobald eine bestimmte Sparsumme erreicht wird, gilt der Vertrag als "zuteilungsreif". In der anschließenden Darlehensphase kann der Sparer dann eine vorher bestimmte Darlehenssumme in Anspruch nehmen. Sowohl in der Sparphase als auch in der Darlehensphase sind die Spar- beziehungsweise Darlehenszinsen vorher vereinbart.

Die anhaltende Popularität der Bausparverträge hat vielfältige Gründe. So hat sich Corona-Pandemie mit dem Trend zum Homeoffice den Wunsch nach einem Eigenheim weiter verstärkt. Der Bauboom in Deutschland ist ungebrochen. So rechnet der Verband der Deutschen Bauindustrie für das laufende Jahr mit einem weiteren Umsatzplus von drei Prozent für die Branche auf 52,6 Milliarden Euro.

Bauen wird derweil immer teurer, auch weil die Preise für Baustoffe unaufhaltsam steigen. Das Statistische Bundesamt hat kürzlich in einer aktuellen Aufstellung einen Preisschub bei Konstruktionsvollholz gut 83 Prozent binnen eines Jahres berichtet, Bauholz verteuerte sich um 38 Prozent, Betonstahl um 44 Prozent.

Zinsen sichern als Hauptmotiv

Gegen steigende Bau- und Immobilienpreise kann sich der Bausparer nicht absichern, wohl aber gegen weiter steigende Hypothekenzinsen. Denn mit einem Bausparvertrag werden die Konditionen für ein Darlehen mit der Bausparkasse bereits acht oder zehn Jahre vor dessen Auszahlung verbindlich abgeschlossen. Wer also davon ausgeht, dass die Bauzinsen in den kommenden Jahren weiter deutlich anziehen, der schafft sich hier ein Stück Verlässlichkeit.

Der Bausparer kommt zudem in den Genuss der staatlichen Wohnungsbauprämie, wenn er bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreitet. Diese wurde zu Beginn des Jahres auf zehn Prozent der jährlichen Sparbeträge erhöht, auf maximal 700 Euro (beziehungsweise 1400 Euro für Verheiratete). Dem gegenüber stehen allerdings einmalige Abschlussgebühren und jährliche Gebührenzahlungen.

Sinnvoll bei kleinen Kreditbeträgen und niedrigem Einkommen

Besonderheiten von Bausparverträgen sind zudem, dass auch Darlehens-Beträge unter 50.000 Euro günstig zu finanzieren sind, dafür verlangen Banken bei konventionellen Baudarlehen oft Zinsaufschläge. Damit lassen sich etwa anstehende Modernisierungen finanzieren. Und nicht zuletzt ermöglichen Bausparverträge jederzeit Sondertilgungen oder auch eine Rückzahlung des gesamten Darlehens vor dem Ende der Vertragslaufzeit.

Ob sich Bausparen weiterhin lohnt, hängt damit von verschiedenen Faktoren ab, wie auch die Stiftung Warentest in einer aktuellen Tarifübersicht feststellt. Persönliches Einkommen, Zeithorizont, Erwartungen an die Zinsentwicklung und der Kreditbedarf sollten bei der Auswahl eines Bauspartarifs beachtet werden. Wer in den kommenden Jahren eine Immobilie bauen oder kaufen möchte, kann sich über "Forward"-Darlehen aber auch über eine klassische Baufinanzierung günstige Zinsen sichern. Da zudem die angesparten Mittel Sparphase bei aktuellen Bausparverträgen nicht mehr verzinst werden, können alternative Sparformen, vom Tagesgeld bis zu Investmentfonds, bei der Vermögensbildung vor dem Immobilienkauf sinnvoller sein.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 02. Juli 2021 um 16:30 Uhr.

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Moderation 06.07.2021 • 18:55 Uhr

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