Doppelhaushälften | picture-alliance/ dpa

Viel Neugeschäft für Bausparkassen Bausparen kommt neu in Mode

Stand: 16.07.2022 08:52 Uhr

In der Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre schien der Bausparvertrag in der Mottenkiste der Finanzindustrie zu landen. Doch nun wächst die Zahl der Neuverträge wieder. Verbraucher verfolgen damit ein klares Ziel.

Die Bausparkassen können sich derzeit wieder über eine hohe Nachfrage nach Bausparverträgen freuen. Dabei drohte das Prinzip des Bausparens während der Nullzinsen am Kapitalmarkt schon in der Versenkung zu verschwinden. Die Erfolgsmeldungen der Anbieter von Bausparverträgen sind eindeutig: Bausparen ist wieder "in" für Verbraucher, die für einen Immobilienkauf oder eine Renovierung Geld ansparen wollen.

Bausparkassen freuen sich über Neugeschäft

Die LBS Bayern verzeichnete in den ersten fünf Monaten des Jahres "ein seit Jahrzehnten nicht da gewesenes Wachstum des Neugeschäfts"; die Bausparsumme stieg um fast 80 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Die Wüstenrot & Württembergische hatte bereits im Frühjahr eine Trendwende im Geschäft mit Bausparverträgen gemeldet, man sehe "deutliche Zuwächse" bei der Nachfrage. Auch der Marktführer Schwäbisch Hall hat sich zuversichtlich zum Geschäftsverlauf im Jahr 2022 geäußert.

In der Zeit der niedrigen Zinsen für Baukredite, aber auch für Sparanlagen hatte der Boom des Bausparens vergangener Jahrzehnte eine lange Pause eingelegt. Einige Anbieter hatten mit dem Versuch, Kunden aus noch hoch verzinsten Altverträgen zu drängen, für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Noch immer gibt es in Deutschland rund 25 Millionen laufende Bausparverträge. Die Möglichkeit einer Immobilienfinanzierung zu Zinsen unter einem Prozent pro Jahr hatte Immobilieninteressenten in den vergangenen Jahren eher zur klassischen Finanzierung über Bankkredite motiviert.

Bauzinsen verdreifacht

Doch mit den niedrigen Zinsen für Hypothekendarlehen ist es wohl auf längere Sicht vorbei. Die Bauzinsen steigen seit Jahrebeginn rasant. Derzeit liegt der Zins für zehnjährige Standardkredite laut Angaben der Finanzberatung FMH im Schnitt bei 2,8 Prozent. Das ist gegenüber dem Zinsniveau vom vergangenen Dezember eine Verdreifachung. Vor fünf Monaten hatte der Vergleichszins noch bei 0,9 Prozent gelegen. Die Angst vor immer höheren Belastungen durch weiter steigende Zinsen hat nun zu einem Umdenken bei vielen Immobilienbesitzern und Kaufinteressenten geführt.

Der große Vorteil des Bausparvertrages kommt nun wieder zur Geltung. Denn er ermöglicht es Sparern, einen Zins für einen Baukredit bereits jetzt festzuschreiben, auch wenn der Kredit erst in fünf, zehn oder 15 Jahren in Anspruch genommen wird. Das Prinzip des Bausparens sieht vor, dass ein Teil - in der Regel 30 bis 50 Prozent - der späteren Bausparsumme durch monatliche Sparbeträge angesammelt wird. Ist der angepeilte Betrag zusammengekommen und eine Mindestspardauer verstrichen, ist der Bausparvertrag "zuteilungsreif". Der Rest der Bausparsumme wird dann als fest verzinstes Darlehen von einer Bank oder Bausparkasse ausgezahlt.

Zinsen per Bausparvertrag noch attraktiv

In der Praxis bieten die Bausparkassen derzeit noch Zinsen unterhalb von 2,5 Prozent für einen üblichen Bausparvertrag, bei dem in sieben Jahren eine Bausparsumme von 200.000 mobilisiert werden soll. Dafür müssen monatlich 1000 Euro angespart werden, um sieben Jahren rund 84.000 Euro auf der hohen Kante zu haben. Das Darlehen für den Restbetrag von 116.000 Euro muss dann innerhalb von zehn Jahren getilgt werden.

Bausparer kommen zudem in den Genuss staatlicher Förderung. So kann eine Wohnungsbauprämie in Anspruch genommen werden, die zehn Prozent der jährlich eingezahlten Summe als Prämie ausschütten, allerdings maximal 70 Euro bei Alleinstehenden und 140 Euro bei Verheirateten jährlich. Auch die Arbeitnehmer-Sparzulage kann in einen Bausparvertrag fließen; dies sind 43 Euro jährlich.

Abschlusskosten und Mini-Sparzinsen als Nachteil

Den Vorteilen des Bausparens stehen aber auch Nachteile gegenüber, die die Sparer beachten sollten. So erheben die Bausparkassen Abschlussgebühren zwischen einem und 1,6 Prozent der Bausparsumme. Bei 200.000 Euro wären dies 2000 bis 3200 Euro. Auch die niedrige Verzinsung der Sparraten in der Ansparphase sollten künftige Bausparer berücksichtigen. Die Bausparkassen bieten dafür derzeit 0,01 bis 0,10 Prozent Verzinsung pro Jahr ein.

Die Experten der Verbraucherzentrale Bremen weisen zudem darauf hin, dass sich die Bausparer in einem "geschlossenen System" befinden. Ausgezahlt werden prinzipiell nur Mittel als Darlehen, die zuvor durch andere Sparer eingezahlt wurden. Die Zuteilung des Darlehens ist also nicht garantiert.

Klassisches Hypothekendarlehen günstiger und transparenter

Die Alternative zum Bausparen bleibt das klassische Annuitätendarlehen, das in der Regel transparenter und kostengünstiger als ein Bausparvertrag zu haben ist. Über ein "Forward-Darlehen" kann bei einem bereits laufenden Kredit bei einer Anschlussfinanzierung mehrere Jahre im Voraus ein Zins festgeschrieben werden.

Wer erst in fünf, zehn oder mehr Jahren einen Immobilienkauf plant, kann bis dahin seine Sparbeträge vermutlich renditeträchtiger in Tages- oder Festgeld oder auch im Aktienmarkt anlegen. Allerdings muss er dann bei der Immobilienfinanzierung möglicherweise höhere Kreditzinsen in Kauf nehmen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Juli 2022 um 09:05 Uhr in der Börse.