Energetische Sanierung von einem Mehrfamilienhaus.  | picture alliance / Zoonar

Finanzierung von Umbauplänen Bausparen für die Haussanierung

Stand: 05.10.2022 08:21 Uhr

Mit steigenden Zinsen wird Bausparen wieder attraktiv - nicht nur für Häuslebauer. Auch der energetischen Sanierung von Häusern könnte es einen Schub geben. Doch gibt es auch Risiken.

Von Bianca von der Au, tagesschau.de

Jahrelang galt ein Bausparvertrag nicht nur als angestaubt, er hat sich schlicht nicht gelohnt. In Zeiten der Niedrig- oder Null-Zinsen brauchte man nicht erst Geld ansparen, um dann ein Darlehen zu einem vereinbarten Zinssatz zu bekommen. Das Geld gab es bei den Banken ohnehin fast geschenkt. Doch das ändert sich gerade, bestätigt Sebastian Flaith von der größten deutschen Bausparkasse Schwäbisch Hall. "Die Nachfrage steigt. Man merkt einfach, dass wir zurück sind in der alten Normalität. Es gibt einen Marktzins, und der liegt irgendwo bei zwischen drei, vier und fünf Prozent."

Die Darlehenszinsen beim Bausparen seien eigentlich immer billiger gewesen als der Marktzins. "Und genau in der Situation befinden wir uns jetzt wieder", so Schwäbisch-Hall-Sprecher Flaith.

Zinsen dürften weiter steigen

Glaubt man Marktkennern wie dem Immobilienökonom Günther Vornholz von der EBZ Business School in Bochum, ist das erst der Anfang. "Ich sehe schon die Perspektive, dass die Bauzinsen, die ja in den letzten Monaten schon stark gestiegen sind, auch weiter ansteigen werden", so Vornholz gegenüber tagesschau.de. Grund sind die Zentralbanken, die zur Inflationsbekämpfung die Zinsen weiter anheben dürften.

In diesem Umfeld perspektivisch steigender Zinsen greift das Prinzip des Bausparvertrags - der ja einen Sparplan mit einem Immobilienkredit kombiniert. Zunächst zahlt man monatlich ein, bis die vereinbarte Bausparsumme erreicht ist, beispielsweise 40.000 Euro. Dann erst gibt einem die Bank dieselbe Summe zusätzlich als Kredit zu einem vorher festgelegten Zinssatz.

Auch Bausparen kostet Geld

Allerdings gebe es dabei verdeckte Kosten, warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Denn zunächst mal muss man Eintrittsgeld bezahlen, das ist die Abschlussgebühr des Bausparvertrages. Und die ist umso höher, je größer die Summe des Bausparvertrages ist", so Nahauser.

Hinzu kämen laufende Kontoführungsgebühren, auch bekomme man praktisch keinen Guthabenzins auf die Summe, die man anspare. "Und irgendwann, das ist die Hoffnung, hat man einen günstigen Darlehensanspruch. Aber ob der wirklich günstig sein wird oder nicht, das wird die Zinsentwicklung weiter zeigen." Daher rät die Verbraucherzentrale Baden Württemberg beim Bausparen zu kleineren Summen, die beispielsweise in die Modernisierung einer Wohnimmobilie fließen können.

Sanierungspflicht bis 2030

Bei Schwäbisch Hall ist der Trend schon jetzt zu beobachten, heißt es von der Bausparkasse. Zwei Drittel der Bauspargelder in Deutschland gehen Flaith zufolge in den Immobilienbestand - sprich in die Erneuerung der Heiztechnik oder des Dachs.

Viele begehrte Neuanschaffungen wie etwa Wärmepumpen werden laut Schwäbisch Hall aus finanziellen Rücklagen finanziert. Wegen der steigenden Energiekosten schwinden die nun in vielen Haushalten langsam aber sicher. Daher geht Flaith davon aus: "Wenn die Barreserven aufgebraucht sind, geht's in Richtung Bausparvertrag." Und so könnte der als langweilig geltende Bausparvertrag der Energiewende einen Schub geben - zumal besonders ineffiziente Häuser nach EU-Vorgaben bis 2030 saniert werden müssen.